Sonntag, 23.09.2018

Die »Mainhölle« kündigt die Idylle der Kindheit an

Maria Bachmann: Die Münchner Schauspielerin und Persönlichkeitstrainerin ist in Bürgstadt aufgewachsen - »Neugierig aufs Leben außerhalb«

Bürgstadt Freitag, 31.08.2018 - 19:55 Uhr

Auf ih­rer Ho­me­pa­ge sch­reibt sie: »Der re­gel­mä­ß­i­ge Kirch­gang war eben­so selbst­ver­ständ­lich wie die Zelt­la­ger der Ju­gend­grup­pe und das st­reng ver­bo­te­ne Tram­pen in die nächs­te Dis­co.« Schau­platz die­ser da­mals ty­pi­schen Ju­gen­d­er­leb­nis­se war Bürg­stadt (Kreis Mil­ten­berg), wo die 1964 ge­bo­re­ne Ma­ria Bach­mann auf­wuchs.

Seither hat die heutige Münchnerin so viel erlebt, dass sie eine mehrbändige Autobiografie schreiben könnte. Eine erste Folge ist längst erschienen: In »Panikrocker küsst man nicht« schilderte Maria Bachmann 1993 ihre Beziehung zu dem Musiker Udo Lindenberg. Seit langem arbeitet sie als Schauspielerin, Autorin und Persönlichkeitscoach. Zwischendurch findet sie immer wieder Zeit für einen Besuch in ihrer alten Heimat Bürgstadt, wie sie in dem schriftlich geführten Interview erzählt.

Wann hatten Sie zuletzt mit Ihrer alten Heimat zu tun?

Neulich erst. Da gab es gleich mehrere Feste hintereinander in der Familie und bei Freunden zu feiern.

Wo ist Heimat heute für Sie? An Ihrem aktuellen Wohnort? Dort wo Sie aufgewachsen sind? Oder ist Heimat ein Begriff, mit dem Sie wenig anfangen können?

Mein Heimatort ist natürlich Bürgstadt, hier bin ich aufgewachsen. In Miltenberg ging ich zur Realschule. Aber Heimat heute bedeutet für mich ein Ort, an dem ich mich wohl fühle, wo meine Freunde sind und ein Umfeld, in dem ich so sein kann wie ich bin. Das muss kein Zuhause sein. Es geht da ums Gefühl.

Wie kam es, dass Sie als Kind des Mainvierecks anderswo erfolgreich wurden?

Naja, das ist ja klar. In Bürgstadt gab es keine Schauspielerei, keine Kunst, wenig Kultur. Dafür musste ich dann schon unbedingt raus in die große, weite Welt!

Wollten Sie schon früh im Leben von zu Hause weg? Was war der Grund, um die alte Heimat zu verlassen?

Ich war schon immer neugierig aufs Leben außerhalb des Ortsschildes. Der Heimatort war zwar idyllisch und behütet, aber wenn ich geblieben wäre, hätte ich auf die Schauspielerei, das Bücherschreiben und all das verzichten müssen. Und das ging ja nun auf keinen Fall.

Was ist an Ihrer heutigen Adresse besser als in der alten Heimat?

Es ist weder besser noch schlechter. Es ist der Lauf der Dinge, dass man sich weiter bewegt. Und wenn man dem Leben einigermaßen vertraut, bringt es einen an Orte, an denen man dann länger bleibt. Ich lebe in München, weil hier mein Beruf stattfinden kann, und außerdem bin ich schnell in den Bergen oder am See. Aber den guten Wein aus Bürgstadt nehme ich mir schon immer mit! Ohne den geht's nicht.

Und was ist schlechter?

Es gibt weniger Parkplätze und die Mieten sind teuer.

Wie oft kommen Sie in Ihre alte Heimat - und was springt Ihnen dort ins Auge?

Alle paar Wochen oder Monate besuche ich Freunde und Verwandte. Wenn man von Freudenberg kommt, sehe ich zuerst die »Mainhölle«, den roten Sandsteinbruch auf der anderen Mainseite. Da weiß ich: Ich bin gleich da.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie irgendwann dauerhaft ins Mainviereck zurückkehren?

Es ist unwahrscheinlich, aber sag niemals nie! Die Ecke bietet viel, was ich als Kind und Jugendliche übersehen habe. Zum Beispiel wunderschöne Wanderwege. Und die Menschen sind bodenständig, das mag ich sehr.

b Hier fragen wir Menschen aus dem Mainviereck, die anderswo bekannt geworden sind, nach ihrer neuen und alten Heimat. Die nächste Folge: BR-Journalist Andreas Bachmann (Aschaffenburg/München)

CLAUS MORHART

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