Mittwoch, 19.09.2018

»Glückliche Fügung«: Den Kontakt nach Amorbach bewahrt

Klemens Schnorr:Der Musikprofessor, heute ein Münchner, bedauert wirtschaftliche Krise seiner Geburtsstadt - Zuletzt beim Abi-Jubiläum da

Amorbach Freitag, 24.08.2018 - 18:43 Uhr

Schon wäh­rend sei­ner Schul­zeit hat Kle­mens Schnorr die ba­ro­cke Stumm-Or­gel der Ab­tei­kir­che in sei­ner Hei­mat­stadt Amor­bach (Kreis Mil­ten­berg) ge­spielt. Auch heu­te, vier Jah­re nach sei­ner Eme­ri­tie­rung als Pro­fes­sor an der Mu­sik­hoch­schu­le Frei­burg, lebt der nun 69-Jäh­ri­ge von sei­nem Wohn­ort Mün­chen aus für die Or­gel:

So wird er im November ein Konzert und einen Vortrag in Italien geben und 2019 zu vier Konzerten nach Russland reisen. Vorher haben wir Klemens Schnorr nach seiner Perspektive auf die alte Heimat gefragt.

Was springt Ihnen bei Besuchen Ihrer alten Heimat ins Auge?

In Amorbach fällt mir der wirtschaftliche Niedergang der Stadt auf. Sobald man von der Bundesstraße auf die Ortsstraße kommt, ist das wie ein Stoßdämpfertest. Dann lese ich in Ihrer Zeitung, dass Amorbach keine Städtebaufördermittel beantragt und die Rathaussanierung verschieben muss, weil die Stadt den Eigenanteil nicht aufbringen kann. Das ist trist.

Sie sind in Amorbach aufgewachsen, haben lange in Freiburg gelebt, wohnen heute in München. Wo ist Heimat heute für Sie?

Amorbach ist nach wie vor meine Heimat, eine dauerhafte Rückkehr ist aber ausgeschlossen. München ist meine zweite Heimat. Das Wort Heimat hat für mich auf jeden Fall einen positiven Klang.

Wie kam es, dass Sie als Kind des Mainvierecks anderswo erfolgreich wurden?

Ich wollte Musik studieren, in Würzburg gab es damals nur das Staatskonservatorium. Die einzige Musikhochschule in Bayern war damals in München. Ich habe ja Kirchenmusik studiert. Das war kein Beruf, mit dem man im Mainviereck groß ankommen konnte.

Ist es Ihnen damals schwergefallen, aus der Heimat wegzugehen?

Eigentlich nicht. Ich war ja nicht auf Dauer weg, sondern nur zum Studium. Ich hatte immer noch meine Familie in Amorbach.

Was sind die Vorteile Ihrer heutigen Heimat München?

Das kulturelle Angebot ist mit dem im Raum Amorbach nicht zu vergleichen. Ich habe viele Freunde, Kollegen, ehemalige Schüler. Solche Kontakte innerhalb meiner Branche hätte ich anderswo nicht. Sehr wichtig für mich ist auch die Bayerische Staatsbibliothek, die die weltweit zweitgrößte Musiksammlung hat. Das ist ein unglaublicher Standortvorteil.

Was stört Sie an München - im Vergleich zu Amorbach?

Die negativen Begleiterscheinungen einer Großstadt: Stau auf der Straße, überfüllte U-Bahnen, überfüllte Geschäfte, Warteschlangen in den Ämtern.

Wie oft kommen Sie noch nach Amorbach?

Ein paar Mal im Jahr. Ich empfinde es als glückliche Fügung, dass ich über Jahrzehnte hinweg nie die Verbindung verloren habe. Zum einen wegen der Familie: Meine Mutter und meine Schwester leben dort. Zum anderen hatte ich 28 Jahre lang, bis 2017, als Konzertberater der Fürstlich Leiningenschen Verwaltung die Konzerte in der Abteikirche kuratiert. Da hatte ich jede Woche mindestens einen Kontakt.

Wann hatten Sie zuletzt mit Ihrer alten Heimat zu tun?

Ende Juli, da gab es ein Treffen »50 Jahre Abituria 1968«. Da hatten wir eine Führung am Johannes-Butzbach-Gymnasium Miltenberg, wo wir als erster Jahrgang im 1968 bezogenen Neubau Abitur machten. Außerdem hatten wir in Erlenbach am Main mit unserem Klassenkameraden, dem Jesuitenpater Karl Kern, einen Dank- und Gedenkgottesdienst, bei dem ich den Orgeldienst in der Kirche übernehmen durfte.

bIn dieser Rubrik fragen wir Menschen aus dem Mainviereck, die anderswo bekannt geworden sind, nach ihrer neuen und alten Heimat. Nächste Folge: Die Schauspielerin und Persönlichkeitstrainerin Maria Bachmann (Bürgstadt/München)

CLAUS MORHART

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