Ausländer als Bewährungshelfer für Ausländer

Justiz: Migranten zur ehrenamtlichen Unterstützung bei Nachhilfe, Wohnungssuche und Gang zum Amt gesucht

Offenbach
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Wirbt um ehrenamtliche Bewährungshelfer: Atila Karabörklü.
Foto: Monika Hillemacher (dpa)
Wer klaut oder prügelt, kommt vor Gericht oft mit einer Bewährungsstrafe davon und unter professionelle Aufsicht. Ehrenamtliche Bewährungshelfer unterstützen die Profis. Doch rund 100 für ganz Hessen sind zu wenig. Im Rhein-Main-Gebiet ist jetzt ein Projekt angelaufen, das Ausländer als Freiwillige für die Bewährungshilfe gewinnen will.
»Überall arbeiten Migranten mit. In Schulen, Kindergärten, Altenheimen, Krankenhäusern. Warum nicht auch in der Bewährungshilfe?«, fragt Mitinitiator Atila Karabörklü. Um die Idee unters Volk zu bringen, haben sich die Interkulturelle Freiwilligenagentur, die Polizei, die Türkische Gemeinde Rhein-Main und andere Organisationen zusammengetan.
Gemeinsam werben sie bei ausländischen Vereinen um Mitarbeit. Zum Auftakt kamen knapp 20 Leute nach Offenbach; in diesen Wochen sollen die ersten Helfer geschult werden. Es ist der zweite Anlauf, nachdem in Kassel ein Versuch mit Mitgliedern des Ausländerbeirats scheiterte.
Das Abrutschen stoppen
Unter den Probanden der Bewährungshelfer sind viele mit ausländischen Wurzeln. In der Region Offenbach ist es etwa die Hälfte allein der jugendlichen Klientel, schätzt ein Fachmann. Im Schnitt begleiten die Helfer ihre Schützlinge nach dem Urteil zwei bis drei Jahre - in der Hoffnung, gerade das Abrutschen Jugendlicher in die Kriminalität zu stoppen und ihren Aufenthalt hinter Gittern zu verhindern. Diebstahl, Raub, Drogen, Körperverletzung, Alkohol am Steuer - das sind Straftaten, bei denen Richter Bewährungshilfe anordnen.
Neues Terrain
Unterstützung von Landsleuten sei wichtig, weil »sie von ihrer Biografie her bestimmte Probleme hinter sich haben, Vorbild sind und vielleicht eher akzeptiert werden«, glaubt Karabörklü. Die Ehrenamtlichen sollen tun, wozu den 193 professionellen Bewährungshelfern mit ihren 13 410 Straffälligen meist die Zeit fehlt: Nachhilfe geben, mit zum Amt gehen, eine Wohnung suchen oder »einfach zuhören, da sein«, sagt Projektkoordinator Jakob Schlink vom Verein »Förderung der Bewährungshilfe in Hessen«.
Die ausländischen Vereine betreten »vollkommen neues Terrain«, wie Erhan Songün von der Türkischen Gemeinde Rhein-Main sagt. »Aber wenn wir hier leben, müssen wir uns um die Belange der Gesellschaft kümmern.« Dominique Antonie Sockmack aus Kamerun versteht ehrenamtliche Bewährungshilfe als »Vermittlerrolle zwischen Behörden und Afrikanern«. Er und der afrikanische Verein wollen sich vor allem derjenigen annehmen, die auf der Durchreise am Frankfurter Flughafen im Fahndungsnetz hängen bleiben. Monika Hillemacher (dpa)
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