Samstag, 26.05.2018

Hilfe für die Helfer

Afrika-Engagement: Mehr als 20 regionale Initiativen bei Treffen in Aschaffenburg - Viele Bildungsprojekte

Aschaffenburg Montag, 19.02.2018 - 21:00 Uhr

Rein­hold Wis­sel vom Ve­r­ein »Hel­fen macht Schu­le« bringt es auf den Punkt: »Wir kön­nen viel hel­fen, aber wir brau­chen auch Hil­fe«, sagt der Leh­rer aus Möm­b­ris (Kreis Aschaf­fen­burg) bei dem Tref­fen von re­gio­na­len Ve­r­ei­nen und Pri­va­t­in­i­tia­ti­ven, die sich in Afri­ka en­ga­gie­ren. An die 40 Frau­en und Män­ner, die für mehr als 20 Grup­pen ste­hen, wa­ren da­zu in den Bach­saal in Aschaf­fen­burg ge­kom­men.

Das wohl erste Treffen dieser Art und Größe in der Region geht auf die Initiative eines noch jungen Afrika-Kreises zurück, den die Aschaffenburger evangelische Christuskirche um Pfarrer Hansjörg Schemann vor gut einem Jahr ins Leben gerufen hat. Dessen wesentliches Ziel sei die Vernetzung von Helfern, erklärte Schemann, der sich überrascht wie erfreut über den großen Zuspruch zeigte.
Die Vorstellungsrunde machte zweierlei deutlich - zum einen: Die Einsatzgebiete der Helfer sind quer über den Kontinent verteilt - vom Senegal über Sierra Leone und Togo in Westafrika über Kamerun, Namibia bis hinunter nach Südafrika. Dazu kommen weitere Länder in Ostafrika - neben den Schwerpunkten Kenia und Tansania sind Unterfranken auch in Eritrea sowie in Malawi im Süden und auf der Insel Madagaskar vor allem mit Schul- und Bildungsprojekten im Einsatz.
Probleme bei Visa-Beschaffung
Zu anderen wurde klar, dass die Ehrenamtler - unabhängig von der Region - ähnliche Probleme zu bewältigen haben. »24 Stunden zuverlässig Strom, das wäre toll«, sagte einer der Helfer. »Die medizinische Versorgung ist grauenhaft«, beschrieb eine Kollegin die Lage vor Ort.
Hörbar Zustimmung erhielt auch Michael Reichert aus Mainaschaff, der schilderte, wie schwierig es sei, bei den deutschen Botschaften ein Visum für Afrikaner zu bekommen. Der Verein »Schule der Zukunft - Freundschaft Schöllkrippen-Avéta«, den Reichert beim Treffen vertrat, hatte 2017 zwei Togolesen, Mitglieder des Vereins, an den Untermain eingeladen. Als langwierig, teils unwürdig und am Ende auch teuer, beschreibt Reichert das Verfahren. Dabei sei es doch wichtig, dass Betroffene hierzulande berichteten, wie Spendengelder aus Deutschland verwendet würden, so Reichert, der auch im Aschaffenburger Nord-Süd-Forum engagiert ist.
Bei allen geschilderten Schwierigkeiten hoben viele aber auch hervor, dass der Kontinent nicht nur ein düsterer Problemfall sei. Psychologin Beate Ebert aus Aschaffenburg, die mit ihrem Verein »Commit and act« traumatisierte Kriegsopfer und missbrauchte Frauen in Sierra Leone unterstützt, betonte: »Wir können von den Menschen viel lernen« - und meinte damit, wie in bestimmten Fällen Täter und Opfer in Afrika wieder aufeinander zugehen würden.
Rolf Göbel, Mitglied des Aschaffenburger Afrika-Kreises, zitierte wiederum Noch-Außenminister Sigmar Gabriel mit dessen Einschätzung, dass Afrika nicht nur als Problem gesehen werden sollte, sondern auch als Chance.
Die Kenianerin Bernadine Angalusha vom Verein »In Our Own Quiet Way« formulierte derweil einen Wunsch, den wahrscheinlich nicht nur viele deutsche Politiker haben: »Unsere Leute sollten in ihrer Heimat bleiben«, appellierte Angalusha an die Menschen in afrikanischen Ländern, denn dort würden sie dringend gebraucht.
Wie sinnvoll das Treffen in Aschaffenburg war, machte ein Fall beispielhaft klar. Ein Helfer schilderte die Softwareprobleme bei gespendeten Computern - und konnte gleich an Kai Büdel aus Karlstein (Kreis Aschaffenburg) verweisen werden. Der Informatiker hilft mit seiner Frau Claudia Büdel, einer Augenoptikerin, unter anderen in Malawi.
Auf Interesse stieß auch die Arbeit des Vereines »Eine Welt Netzwerk Bayern«. Er bietet auf Landesebene das, was der Aschaffenburger Afrika-Kreis für die Region schaffen will: dass sich die Helfer gegenseitig helfen.
Das Treffen wurde von den Anwesenden als sehr nützlich eingeschätzt. »Es hat Mut gemacht, die Arbeit fortzusetzen«, resümierte ein Teilnehmer. Nach Angaben von Pfarrer Schemann soll möglicherweise Anfang nächsten Jahres eine neue Runde folgen.
Andre Breitenbach

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