Freitag, 16.11.2018

100 Jahre Freistaat: Bayern feiert sich selbst

Söder und Aigner rufen zu Optimismus auf

Als Bayern ein Freistaat wurde (© dpa)
München Mittwoch, 07.11.2018 - 15:06 Uhr

Es ist ein kleiner Moment des Innehaltens nach und möglicherweise vor weiteren turbulenten Wochen: Der Freistaat Bayern feiert sich selbst.

Zum 100. Jubiläum des Freistaats Bayern haben Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (beide CSU) zu Optimismus aufgerufen. Bei einem Staatsakt im Nationaltheater in München würdigten beide am Mittwoch die historische Entwicklung Bayerns hin zu einem traditionellen und zugleich modernen Land. Dies solle auch für die Zukunft so bleiben.

«Bayern ist irgendwie auch immer optimistisch, ein Stück weit gelassen, ein Stück weit modern, aber nicht übertrieben», sagte Söder. Diesen «Grundcharakter» wolle man auch künftig erhalten. Aigner betonte, Bayern habe «eine ganz stabile Basis für einen sicheren Weg in eine gute Zukunft». Sie forderte deshalb: «Stolz sein auf das Erreichte, aber auch optimistisch in die Zukunft schauen.»

Bayern feiert in diesem Jahr gleich zwei große Jubiläen: Am 7. November 1918 endete nach vier Jahren Weltkrieg die 800-jährige Herrschaft der Wittelsbacher über Bayern: Der Sozialist Kurt Eisner erklärte den König für abgesetzt und rief den Freistaat Bayern aus.

Das zweite wichtige historische Datum liegt nochmals weitere 100 Jahre zurück: 1818 hatte König Max I. Joseph dem Königreich eine aus damaliger Sicht moderne Verfassung gegeben, die zwar die Monarchie bestätigte, aber ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament vorsah.

Söder sprach von «ganz, ganz großen, prägenden Jubiläen für unser Land». Die Verfassung von 1818 sei eine der modernsten und fortschrittlichsten der damaligen Zeit gewesen. «Man wollte ein moderner Staat, ein modernes Vorbild sein.» Das sei auch heute noch so: Brauchtum und Tradition gehörten zusammen. Man wolle Bewährtes erhalten, sei aber auch offen etwa für modernste Technologien.

«Das Wort Freistaat bedeutet eigentlich Freiheitsliebe», sagte Söder. «Wir Bayern sind nicht anarchistisch, aber wir mögen es, ein bisschen selbstständig zu sein, ein bisschen unabhängig, ein bisschen anders als andere. Das ist so eine Form von modernem "leben und leben lassen".» Söder rief zu Optimismus auf, gerade wenn scheinbar Selbstverständliches bedroht werde, etwa durch internationale Entwicklungen. Für die Zukunft rief er dazu auf, mehr «einander zuzuhören, einander wertzuschätzen, einander zu respektieren».

Aigner sagte mit Blick auf den neu gewählten Landtag, der Dissens gehöre zum parlamentarischen Alltag dazu. Dennoch dürfe man nie das große Ganze aus dem Blick verlieren - etwa dass man dank der Demokratie seit 73 Jahren, also seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in Wohlstand, Frieden und Freiheit lebe, betonte sie.

Christoph Trost, lby

In Zahlen: 100 Jahre Freistaat Bayern

Doppelte Einwohnerzahl, 10 Mal so viele Touristen, 10 000 Mal so viele Autos auf den Straßen: Seit der Freistaat vor 100 Jahren gegründet wurde, hat sich das Gesicht Bayerns stark verändert. Das veranschaulichen Zahlen, die das Statistische Landesamt in Fürth anlässlich der Gründung des Freistaats am 8. November 1918 veröffentlicht hat. Es erinnert an eine Zeit, in der jeder fünfte Säugling im ersten Lebensjahr starb - heute ist es nur noch knapp jeder 350. Die bessere medizinische Versorgung hat damit auch das Leben der Bayern verlängert: Heute können sie sich im Vergleich zu früher über nahezu 20 weitere Lebensjahre freuen.

Das längere Leben der Menschen hat die Demografie des Freistaats grundlegend verändert. Während der Durchschnitts-Bayer nach dem Ende des Ersten Weltkriegs knapp 30 Jahre alt war, sind es heute knapp 44 Jahre. Das liegt auch daran, dass sich der Anteil der über 60-Jährigen verdreifacht hat - auf mehr als ein Viertel aller Bayern. Und von ihnen gibt es immer mehr: Mit 13 Millionen sind es fast doppelt so viele als noch bei der Staatsgründung. Entgegen des Bevölkerungs-Booms scheinen die Menschen nicht enger zusammenzurücken: Während sich in den 1950er Jahren im Schnitt noch etwas mehr als fünf Bayern eine Wohnung teilten, leben in der heutigen Durchschnitts-Wohnung nur noch zwei Menschen.

Bayern ist beliebtes Ziel für Touristen: Im Jahr 1924 zählten die Statistiker noch 9 Millionen Übernachtungen - im vergangenen Jahr waren es mit 94 Millionen Übernachtungen mehr als zehn Mal so viele. Die verhältnismäßig größte Veränderung lässt sich auf den bayerischen Straßen ablesen: Im Jahr 1907 ratterten 757 zugelassene Autos durch das damalige bayerische Gebiet - heute sind es mit 7,8 Millionen Autos mehr als 10.000 Mal so viele. dpa

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