Dienstag, 27.10.2020
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Wenn die "Vollzugsbehörde Stuttgart" wegen Pfändung in Unterfranken anruft

Neue Betrugsmasche von Telefonbetrügern

Würzburg
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Telefonbetrug
Wird Rentnern am Telefon eine Rentenkürzung angedroht, stecken Trickbetrüger dahinter. Betroffene sollten daher niemals auf ein fremdes Konto Geld überweisen.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Mit einer neuen Masche versuchen offenbar Telefonbetrüger offenbar, Leute in Unterfranken abzuzocken. Was die Polizei dazu sagt.

Das Telefon klingelt, auf dem Display erscheint eine Stuttgarter Festnetznummer. Am anderen Ende meldet sich eine Vollzugsbehörde Stuttgart. Gegen den Angerufenen – wie einen unserer Leser – soll angeblich ein Pfändungsverfahren laufen. »Wenn ich die Pfändungsangelegenheit außergerichtlich regeln wolle, sollte ich die Eins drücken«, erinnert er sich an die Anweisung der weiblichen Telefonstimme. Um weitere Informationen zu bekommen, solle er die »Zwei« drücken.

Er wird misstrauisch und recherchiert während des Anrufes im Internet, wo er sehr schnell merkt, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt. Denn es existiert gar keine Vollzugsbehörde Stuttgart. Wer die »Zwei« drückt, wird umgeleitet an eine kostenpflichtige Servicenummer, die pro Minute abrechnet und landet erstmal in einer langen Warteschlange. »Je geduldiger man ist, desto höher wird die Rechnung«, fasst der Leser das Prinzip der Betrüger zusammen.

Dieses sogenannte »Call-ID-Spoofing«, bei welchem die Betrüger eine Festnetznummer am Telefon des Opfers anzeigen können, um die Echtheit des Anrufes vorzutäuschen, ist bei der Polizei bestens bekannt. Doch von der speziellen Vollzugsbehörde Stuttgart hat Pressesprecher Gerald Olma vom Polizeipräsidium Heilbronn ebenso noch nichts gehört wie sein Würzburger Kollege Enrico Ball. »Der Modus sagt uns noch gar nichts«, kommentiert Ball. Olma vermutet, dass die Anrufe ähnlich wie beim Enkeltrick aus Call-Centern im Ausland kommen. Auf jeden Fall, so beide, sollten Angerufene Anzeige erstatten. »Denn nur so können wir vielleicht die Täter ermitteln und warnen, damit nicht andere noch Opfer werden«, unterstreicht Ball.

Selbiges empfiehlt auch das Amtsgericht Stuttgart auf seiner Webseite. Dort warnt die Justiz explizit vor den betrügerischen Anrufen, die es bereits seit Anfang des Jahres gebe. »Es gibt da immer mal wieder Serienanrufe«, sagt eine Gerichtssprecherin.  Zahlungsaufforderungen würden von Behörden aber stets schriftlich auf dem Postweg versandt. Ob die Betrüger mit der Masche erfolgreich sind, konnte sie ebenso wenig sagen wie die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. 

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