Dienstag, 01.12.2020
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

Polizei deckt versuchten Auftragsmord auf

Drei Männer sollten Ehemann töten
Mordversuch Röllbach
Kommentieren
2 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Die Aschaffenburger Polizei hat in der Nacht zum Dienstag einen versuchten Auftragsmord aufgedeckt. Eine Frau aus Röllbach hatte drei Männer angeworben, ihren Ehemann gegen Bares zu töten. Die Frau wurde verhaftet. Es war nicht ihr erster Versuch, ihren Ehemann umzubringen. (Mit Audiobeitrag der Polizei)

Zufällig, nämlich bei einer, laut Polizei Unterfranken, "routinemäßigen Personenkontrolle der Aschaffenburger Polizei" sei der versuchte Auftragsmord aufgedeckt worden. Bei der Kontrolle, die nichts mit dem Auftrag der Männer zu tun hatte, überreichten sie den Beamten einen Zettel, der auf den Auftrag und die Frau hindeutete. Ob den Männern angesichts der zufälligen Polizeikontrolle schlicht die Nerven versagten, weil sie dachten, die Polizei wisse von dem Morfauftrag, ist nicht bekannt.

Die 50 Jahre alte Frau hatte drei Männern (alle 21 Jahre alt) 2.000 Euro für den Mord versprochen. Vor etwa vier Wochen seien sie in Aschaffenburg von der ihnen unbekannten Auftraggeberin kontaktiert worden, haben die Männer nach Polizeiangaben ausgesagt. "Zum Schein" seien sie auf das Angebot eingegangen, hätten 1000 Euro Anzahlung genommen und diese dann in einer Frankfurter Nobeldisco verjubelt.

Am Montagabend (3. Oktober) kam es dann offenbar zu einem erneuten Treffen mit der Frau. Dabei habe sie erklärte, "die weiteren 1000 Euro würden nach Erledigung des Auftrags ausgezahlt", berichtet die Polizei. Nach Aussage der Männer hatten sie sich ohnehin an die Polizei wenden wollen, die zufällige Personenkontrolle einen Tag darauf kam diesem Entschluss aber zuvor.

Bereits kurz nach der Kontrolle und der Aussage der Männer hatte die Polizei sowohl die Auftraggeberin als auch das potenzielle Opfer ermittelt. Gegen die festgenommene Frau erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen versuchter Anstiftung zum Mord. Während ihrer Ermittlungen stellten die Beamten schnell fest, dass die Frau schon im Jahr 2008 versucht hatte, ihren Ehemann zu töten.

Im November 2008 hatte sie in Röllbach frühmorgens auf ihren Mann geschossen. Die damals 47-Jährige war aus einem Gebüsch an das Auto ihres Mannes herangetreten, als dieser zur Arbeit fahren wollte. Sie öffnete die Beifahrertür und schoss sofort. Das Projektil verfehlte den Mann und durchschlug die Fahrerscheibe. Die sofort geflüchtete Frau wurde wenige Stunden später an ihrer Arbeitsstelle festgenommen.

Versuchten Auftragsmord aufgedeckt
Quelle: Karl-Heinz Schmitt

Schwere psychische Störungen: Während des Prozesses gegen die Frau im Jahr 2009 stellte sich heraus, dass sie schwere psychische Probleme hat. Gutachter hatten festgestellt, dass die Frau an einer Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Strömungen und an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Vor Gericht hieß es damals: Die Persönlichkeitsstörung der Angeklagten sei "dauerhaft". Das zeigten Straftaten aus der Vergangenheit. Sie habe mehrfach aggressive Gedanken ausgelebt. Bei dieser "schweren seelischen Abartigkeit" sei zu vermuten, dass die Angeklagte weiter Gewalt gegen sich oder andere richtet.

Der psychiatrische Gutachter Detlef Blocher während der Verhandlung: Persönlichkeitsstörungen mit paranoiden Strömungen zu behandeln, sei "schwierig, aber nicht unmöglich". Um dabei zuverlässig arbeiten zu können, sei eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik am besten. Das Gericht folgte dem Gutachten, verurteilte die Frau zu einem Jahr Haft und ließ sie in die Lohrer Psychiatrie einweisen.

Dem Wunsch, ihren Mann zu ermorden, scheint die im Bezirkskrankenhaus folgende Therapie allerdings nichts entgegengesetzt zu haben.

mai (Quellen: Polizei Unterfranken, Main-Echo-Archiv)
 

Hintergrund:

Vor fünf Jahren stand die Frau zum ersten Mal vor Gericht, weil sie Lederhandschuhe gestohlen hatte. Als der Prozess nicht nach ihren Vorstellungen lief, zog sie eine Flasche Benzin und ein Feuerzeug, um sich anzuzünden. Eine geistesgegenwärtige Dolmetscherin konnte der Frau die gefährlichen Gegenstände entreißen.
 


O-Ton zum versuchten Auftragsmord: Karl-Heinz Schmitt (Polizei Unterfranken)

Kommentare

laden


Die Diskussion wurde geschlossen..

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!