Samstag, 05.12.2020
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Nach Überholmanöver: Motorradfahrer prallt gegen Auto und stirbt

Zwischen Rohrbrunn und Hessenthal
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Am Dienstagmorgen ist es gegen 10.35 Uhr zwischen Hessenthal und Rohrbrunn zu einem tödlichen Verkehrsunfall gekommen. Nach neuesten Erkenntnissen der Polizei war ein 22-jähriger Motorradfahrer auf der Staatsstraße 2312 vermutlich in Richtung Rohrbrunn unterwegs und setzte in einer langgezogenen, unübersichtlichen Rechtskurve zum Überholen an. Auf der Gegenspur kollidierte er mit einem entgegenkommenden Renault.

Bilderserie: Ralf Hettler

Der junge Mann war auf seinem Motorrad in Richtung Rohrbrunn unterwegs, als er im Auslauf einer langgezogenen, unübersichtlichen Rechtskurve einen vorausfahrenden Klein-Lkw überholen wollte. Dabei übersah er einen entgegenkommenden Renault und kollidierte frontal mit dem Pkw auf dessen Fahrspur.

Durch den Zusammenstoß verstarb der Motorradfahrer noch an der Unfallstelle. Der 45-jährige Renault-Fahrer erlitt mittelschwere Verletzungen. Seine Ehefrau, die als Beifahrerin im Pkw unterwegs war, wurde leicht verletzt. Die beiden Fahrzeuginsassen wurden durch den Rettungsdienst ins Klinikum nach Aschaffenburg gebracht.

Beide Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Zu einer Berührung des Klein-Lkw ist es nicht gekommen. Nach ersten Erkenntnissen wurde der Fahrer des Lastwagens nicht verletzt. Im Bereich der Unfallstelle kam es zu einer Vollsperrung der Staatsstraße für etwa zwei Stunden.

Umleitungen wurden an der Abzweigung Hessenthal in Richtung Weibersbrunn und an der Staatsstraße 2317, nahe der Rastanlage Rohrbrunn, eingerichtet. Die örtlichen Wehren und Rettungsdienste waren zum Zwecke der Bergung, Verkehrslenkung und Erstversorgung vor Ort. Ein Unfallsachverständiger sowie ein Kriseninterventionsteam wurden ebenfalls hinzugezogen.

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Motorradfahrer tödlich verunglückt
Foto: Ralf Hettler |  11 Bilder

Polizei Aschaffenburg/cku



Drei Fragen - drei Antworten: "Es verunglücken meistens die Adrenalin-Junkies"

Interview mit dem Unfallforscher Siegfried Brockmann. Enge Kurven, lange Geraden und immer die Hand am Gas: Siegfried Brockmann kann die Faszination am Motorradfahren gut nachvollziehen. Der Leiter des Instituts Unfallforschung der Versicherer (UDV) war selbst leidenschaftlicher Biker, bis er vor ein paar Jahren seine Kluft an den Nagel hängte - zu gefährlich.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt er, welchen Risiken sich die Zweiradfahrer aussetzen und was die Forschung tut, um das Motorradfahren sicherer zu machen.

Welche Zweiräder verunglücken am häufigsten?

Siegfried Brockmann: »Je sportlicher das Motorrad, also je mehr PS und je leichter, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrer damit verunglückt. Das hat aber natürlich weniger mit der Maschine selbst zu tun als mit dem Fahrer und seinen Gründen, warum er sich ein solches Motorrad gekauft hat. Es verunglücken meistens die Adrenalin-Junkies, die auch genauso gut mit einem Bungee-Seil irgendwo hätten runterspringen können, um ihren speziellen Kick zu bekommen, aber stattdessen das Motorrad gewählt haben.«

Wer ist öfter schuld, wenn es kracht – Auto oder Motorrad?

Brockmann: »Bei rund zwei Dritteln aller Kollisionen zwischen Motorrädern und Autos sind die Autofahrer schuld. Betrachtet man aber alle Motorradunfälle, also auch die ohne Beteiligung von Autofahrern, ergibt sich ein anderes Bild. In der überwiegenden Zahl der Unfälle insgesamt haben die Motorradfahrer ihr Schicksal selbst mit in der Hand. Das heißt, sie hätten den Unfall zum Beispiel vermeiden können, wenn sie defensiver und vorausschauender gefahren wären.«

Warum werden Motorradfahrer so oft übersehen?

Brockmann: »Der Motorradfahrer hat eine sehr schmale Silhouette und das macht es für das menschliche Auge schwer, seine Bewegung genau zu erkennen. In zwei Dimensionen kann das Auge Geschwindigkeiten nicht einschätzen. Es braucht immer dreidimensionale Bezugspunkte, die bei einem breiten Auto eher wahrgenommen werden als bei einem schmalen Motorrad. Außerdem werden A- und B-Säulen neuer Autos immer dicker, was die Sicht der Fahrer noch zusätzlich einschränkt. Es laufen aber Forschungen dazu, die Silhouette der Motorräder zu verbreitern, zum Beispiel durch zwei zusätzliche Leuchten ein Dreieck zu erzeugen. dpa

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