Mittwoch, 25.11.2020
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Nach Havarie Main komplett blockiert

Gütermotorschiff »Karin« läuft auf Grund
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Das Gütermotorschiff »Karin« ist am Donnerstagmorgen auf Trennfelder Gemarkung, etwa 300 Meter oberhalb der A3-Autobahnbrücke bei Bettingen, auf Grund gelaufen. In der Folge hat sich das 85 Meter lange Schiff aus Regensburg quer gestellt und blockiert seitdem den Main auf seiner gesamten Breite. Die Bergung wird am Freitagmorgen fortgesetzt


Bilderserie von Christian Weyer

Laut Polizei war der 50-jährige Kapitän aus Ungarn kommend stromabwärts unterwegs, als er gegen 7 Uhr kurz vor der Autobahnbrücke auf ein Längsbauwerk auffuhr. Hierbei handelt es sich um eine im Fluss installierte Mauer zur Stromregulierung.

Kein Leck festgestellt: Das mit 1000 Tonnen Stahl beladene Schiff legte sich in der Folge quer und fuhr sich mit Bug und Heck fest, so dass der Main vollständig blockiert wurde. Verletzt wurde bei Vorfall niemand. Die Polizei hat auch keine Erkenntnisse, dass Kraftstoffe ausgelaufen wären.

Wie es zu dem Unfall gekommen ist, steht bislang noch nicht fest. Die entsprechenden Ermittlungen hat die Wasserschutzpolizei Würzburg aufgenommen. Eine Gefahr gehe von dem Havaristen nicht aus; das Schiff liege stabil zwischen den Uferböschungen. Ein Leck sei nicht festgestellt worden.

Zwei Versuche misslungen: Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg hat nach der Havarie die Schifffahrt im Mainabschnitt zwischen den Schleusen Eichel und Lengfurt gesperrt. Die Behörde schickte daraufhin ihr Schiff »von Pechmann« zum Unfallort. Der Eisbrecher, der auch zu Schlepp- und Bergungsvorgängen eingesetzt wird, sollte den Havaristen freischleppen, was gegen die Strömung jedoch misslang. Auch ein zweiter Versuch, das Gütermotorschiff frei zu drücken, brachte keinen Erfolg.
Motorschiff auf dem Main havariert
Quelle: Karl-Heinz Schmitt


Die Bergungsaktion wird dadurch erschwert, dass der Main einen leicht erhöhten Wasserstand und somit eine verstärke Strömung aufweist. Das ist auch der Grund, warum die momentan festliegenden Schiffe für die Bergung nicht eingesetzt werden können.

Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben sich bei der Diskussion hinsichtlich der verschiedenen Möglichkeiten, das Schiff wieder frei zu bekommen, darauf geeinigt, zwei weitere Schlepper von Würzburg anzufordern. Diese hatten allerdings gut 80 Kilometer Anfahrt und wurden daher erst am späten Nachmittag am Einsatzort erwartet. Der Eisbrecher »von Grassmann«, der auf dem Weg Richtung Marktbreit war, drehte sofort um, als er die Nachricht erhielt, dem Havaristen Hilfe zu leisten. Der Eisbrecher »Angermünde« verließ in Würzburg den Bauhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes und begab sich ebenfalls zur Unfallstelle.
+13 weitere Bilder
Havarie im Main
Foto: Christian Weyer |  15 Bilder


Bergung wird Freitag fortgesetzt: Da die Bergung wegen der langen Anfahrt der beiden Schlepper nicht bis zum Eintritt der Dunkelheit abgeschlossen werden konnte, wurde sie unterbrochen und soll Freitagmorgen fortgeführt werden.

Nach den Erkenntnissen der Polizei lagen wegen der Sperrung für die Schifffahrt gestern Nachmittag bereits elf Schiffe fest. Diese Zahl werde sich in den Abendstunden allerdings noch erhöhen, sagte ein Polizeisprecher voraus.

Christian Weyer
 

Hintergrund: Ladung des havarierten Güterschiffs »Karin«

Das havarierte Schiff »Karin« hat nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts Aschaffenburg 1000 Tonnen Stahlrollen, sogenannte Coils, die häufig in der Automobilproduktion verwendet werden, sowie eine 25 Tonnen schwere Turbine geladen. Das Schiff liegt bei dieser Beladung etwa 2,10 Meter tief im Wasser. Aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeit müssen Bergungsschiffe viel Kraft aufbringen, um den Havaristen freizuschleppen.
Die »Karin« ist nach Angaben im Binnenschifferforum im Internet 85 Meter lang, 9,20 Meter breit und hat einen Tiefgang von 2,33 Metern. Die Tonnage beträgt 1170 Tonnen, die Maschinenleistung liegt bei 750 PS. Das Schiff wurde 1927 in den Niederlanden erbaut. Es war bis zum vergangenen Jahr unter dem Namen »Fiducia« unterwegs. (chw)


Audiokommentar von Karl-Heinz Schmitt (Polizeipräsidium Unterfranken)

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