Dienstag, 26.01.2021
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

Falsche Polizisten: Aschaffenburgerinnen um sechstelligen Betrag betrogen

Der Kampf gegen Windmühlen

Unterfranken
Kommentieren
3 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Symbolbild Falsche Polizisten
Symbolbild Falsche Polizisten
Foto: Martin Gerten
Die Zahlen für Unterfranken sprechen eine deutliche Sprache: Jeden Tag in diesem Jahr zeigten sechs bis sieben Bürger Telefonbetrugsversuche bei den hiesigen Polizeien an, sagt Philipp Hümmer von der Polizei Unterfranken. Die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher sein, denn viele Betroffene melden sich nicht bei der Polizei. An im Durchschnitt jedem dritten Tag hatten die Betrüger Erfolg. Allein in den vergangenen Tagen zwei Mal in Aschaffenburg. Dazu kommen Fälle in Würzburg. Der Gesamtschaden liegt im sechsstelligen Bereich.

Am vergangenen Freitag übergab eine Aschaffenburger Seniorin an falsche Polizisten laut Ermittlern einen fünfstelligen Geldbetrag, Wertdokumente sowie ihr Auto samt dafür benötigte Dokumente. Zwei Tage zuvor, am Mittwoch, 18. November, waren die Telefonbetrüger im Raum Aschaffenburg besonders aktiv gewesen: Dutzende Bürger informierten die Polizei über Betrugsanrufe, die Behörde veröffentlichte am frühen Abend eine Warnung.

Maximale Angst erzeugen: Die Masche der falschen Polizisten ist immer gleich: Maximalen Druck auf ihre Opfer – Zielgruppe Senioren – ausüben, maximale Angst erzeugen. Die meist aus dem Ausland anrufenden Betrüger erzählen zum Beispiel die Mär von Einbrecherbanden, die sich gerade im Umfeld der Angerufenen herumtreibenden. Um diese zu schnappen und zugleich Wertsachen der Angerufenen zu schützen, sollen diese Geld und Wertgegenstände in Tüten packen und beispielsweise im Garten deponieren. Dort würden Polizeibeamte das teure Gut abholen und sicher verwahren, bis die Einbrecher festgenommen seien.

Was zunächst durchschaubar klingt, verpacken die Verbrecher umso überzeugender: »Die Betrüger gehen in ihrer Gesprächsführung äußerst geschickt vor«, sagt Hümmer. So geschickt, dass selbst die Kenntnis der Betrugsmasche nicht davor schützt, Opfer zu werden. Das zeigt das Beispiel einer weiteren Aschaffenburger Seniorin: Von ihr erbeuteten falsche Polizisten am bereits erwähnten Mittwoch laut Polizei 50 000 Euro. Auch in diesem Fall überzeugten die Anrufer ihr Opfer, dass ihre Ersparnisse akut in Gefahr seien. Am Nachmittag holten zwei Männer und eine Frau die Tasche mit dem Geld bei der Dame ab. Der Fall ist umso tragischer, als das die Frau bereits im Januar von Telefonbetrügern angerufen worden war. Damals hatte sie den Betrugsversuch durchschaut. Wie genau die Betrüger die Seniorin dieses Mal überzeugten, ist laut Hümmer nicht vollends geklärt.

Hintergrund: Informationen der unterfränkischen Polizei

Die unterfränkische Polizei berät Bürger unter anderem in Sachen Telefonbetrug.

Für Stadt/Land Aschaffenburg und den Kreis Miltenberg ist das die Beratungsstelle der Kripo Aschaffenurg, unter 0 60 21 - 857 1830 oder 1832.

Für den Landkreis Main-Spessart übernehmen das die Beamten der Kripo Würzburg, unter 0931 - 457 1830 oder 1831.

Ein ähnlicher Fall jüngst in Würzburg: Morgens las eine Seniorin in der Zeitung von der Masche der Telefonbetrüger, später am Tag fiel sie auf genau solche Betrüger herein. Was den Ermittlern auch in diesem Fall auffiel: Die Täter vermischen mittlerweile verschiedene Betrugsmaschen. Zuerst versuchten sich die Täter bei der Frau mit dem Enkeltrick. Anschließend riefen sie als Polizisten bei ihr an. Sie hätten Kenntnis darüber, dass Enkeltrickbetrüger eben bei ihr angerufen hätten. Vor denen müsste sie sich nun mit Hilfe der Polizei schützen. Die Masche funktionierte.

Kampf gegen Windmühlen: Es ist so ein bisschen wie der Kampf gegen Windmühlen. Gebetsmühlenartig warnt die Polizei schon seit langer Zeit etwa mit Flyern, in sozialen Medien oder im Zusammenspiel mit den Medien vor den Telefonbetrügern. Das sind in der Regel Enkeltrickbetrüger, falsche Polizisten, falsche Gewinnversprechen – und Mischformen, erklärt Polizeisprecher Hümmer.

Falsche Polizisten am Telefon - Wie man sich vor der Betrugsmasche schützen kann
Quelle: Marcel Cichon

Regelmäßig sensibilisiert die Polizei auch Bankmitarbeiter für Situationen, in denen Senioren plötzlich hohe Geldbeträge von ihren Konten abheben wollen. Trotz aller Aufklärung sind die Betrüger immer wieder erfolgreich. Durch besagte geschickte Gesprächsführung üben sie einen derartigen psychischen Stress auf ihre Opfer aus, dass immer wieder welche hereinfallen. So lange diese Erfolge den Aufwand – unzählige gescheiterte Anrufe – rechtfertigen, bleiben diese Maschen für die dahinter stehenden Banden höchst attraktiv. Die geschulten Anrufer sitzen in Callcentern im Ausland, vor Ort lassen sich Abholer für ihre Dienste bezahlen.

Äußerst misstrauisch: Wie hoch die Aufklärungsquote solcher Telefonbetrügereien ist, kann Hümmer nicht sagen. In der polizeilichen Kriminalstatistik werden die Delikte nicht gesondert aufgeführt. Mitunter nehmen Ermittler aber in Unterfranken Täter fest. Dies geschieht etwa dann, wenn Opfer den Betrug durchschauen, die Polizei informieren und beide zusammen den Geldabholern eine Falle stellen. »Die Betrüger wissen um diese Gefahr. Sie sind äußerst misstrauisch und beenden bei dem kleinsten Verdacht ihren Betrugsversuch«, sagt Hümmer. An die organisierten Hintermänner zu gelangen sei ungleich schwieriger.

Letztlich bleibt für die Polizei nur: Weiterhin warnen und aufklären. Hümmer sieht besonders Angehörige alter Menschen, Kinder oder Enkel, in der Pflicht. Die Zielgruppe immer wieder in Gesprächen auf die Betrugsmaschen hinweisen sei gut, so Hümmer. Noch besser: Jeder Senior sollte einen Warnflyer mit Verhaltenstipps der Polizei neben dem Telefonapparat parat liegen haben. Irgendwann fällt dann hoffentlich niemand mehr auf die Betrüger herein.

Torsten Maier

>>> Auf dieser Internetseite der Polizei finden Sie Hinweise zu etlichen Betrugsmaschen

 

Download: Broschüren der Polizei
Dateiname : Polizeibroschüre: Vorsicht "Falscher Polizist am Telefon"
Dateigröße : 96.74 KBytes.
Datum : 24.11.2020 17:45
Download : Jetzt herunterladen
Hilfe : Um diese Datei öffnen zu können,
benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.
Dateiname : Polizei-Comic "Falscher Polizist"
Dateigröße : 5.98 MBytes.
Datum : 24.11.2020 17:48
Download : Jetzt herunterladen
Hilfe : Um diese Datei öffnen zu können,
benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.
Dateiname : Polizeibroschüre: Betrugsmasche "Falscher Polizeibeamter"
Dateigröße : 90.15 KBytes.
Datum : 24.11.2020 17:47
Download : Jetzt herunterladen
Hilfe : Um diese Datei öffnen zu können,
benötigen Sie den Adobe Acrobat Reader.
Kommentare

laden


Die Diskussion wurde geschlossen..

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!