Mittwoch, 25.11.2020
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Die Gleitwand hat gefehlt - Polizei ermittelt

Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung

Zwei Autos stürzen in Schlammgrube
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Wie kann das passieren? Gleich zwei Autos stürzen am Sonntagfrüh auf der A 3 bei Bessenbach über zwei Meter tief in eine Baugrube – im Abstand von Minuten, unabhängig voneinander. Ein Mann und eine Frau werden schwer verletzt. »Es gibt nichts, was es nicht gibt«, sagt Robert Staab von der Autobahnpolizei Hösbach und schiebt nach: Es werde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

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A3, Zwei Autos stürzen in die Tiefe
Foto: Ralf Hettler |  24 Bilder

Bilderserie, "Zwei Autos stürzen in die Tiefe", Ralf Hettler

Außerdem steht der Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr im Raum, so Staab. »Wir müssen fragen, wer das Loch einfach offen gelassen hat.« So sei die langgezogene Behelfsausfahrt Bessenbach, die seit 1. Februar auf mehreren Hundert Metern parallel zur Autobahn Richtung Würzburg führt, zwar ordnungsgemäß ausgeschildert und auch weitgehend gesichert gewesen. Nur in einem Punkt nicht: Die Betongleitwand kurz vor der Baugrube habe gefehlt.

Autofahrer umkurvten Warnbaken: Staabs Einschätzung zufolge wird nun bei drei Verantwortlichen geprüft, wo der Fehler gemacht worden sein könnte: bei der Baufirma, die die Fahrbahn an der Behelfsausfahrt Bessenbach offenbar erst am Freitag rund 2,20 Meter tief abgetragen hatte; bei der vom Bauunternehmen beauftragten Verkehrssicherungsfirma, die unter anderem für das Aufstellen von Warnbaken und Absperrungen zuständig ist; und bei der Autobahndirektion Nordbayern, die einen Bauleiter vor Ort einsetzt und in letzter Instanz verantwortlich für die Baustelle ist.


Polizeisprecher Staab stellt auf Nachfrage klar: »Die Autobahnpolizei jedenfalls ist keine Baupolizei.« Darüber hinaus betont er das Fehlverhalten der verunglückten Autofahrer: Nach derzeitigem Ermittlungsstand hätten beide gar nicht die Behelfsausfahrt Bessenbach nehmen wollen, die seit 1. Februar eingerichtet ist. Vielmehr hätten beide Autofahrer die Warnbaken regelrecht umkurvt, jedenfalls seien diese nicht beschädigt worden.

»Den Blick aufs Alter richten«:
Kurz: Die Vermutung liegt nahe, dass beide Autofahrer - als sie merkten, dass sie falsch sind - noch rasch nach links auf die Autobahn Richtung Süden ziehen wollten, dazu die Warnbaken umfuhren und in der Baugrube landeten. Zum Unfallzeitpunkt am Sonntag um 6.30 Uhr war es neblig und nass, das könnte ein weiterer Grund für den Fahrfehler sein.


Polizeisprecher Staab sagt außerdem: »Man muss auch den Blick auf das Alter der Fahrzeuglenker richten.« Der Limburger Fahrer des Audi, der zuerst in die schlammige Tiefe stürzte, ist 76 Jahre alt; er und seine 73 Jahre alte Ehefrau blieben unverletzt. Der Fahrer des kurze Zeit später abgestürzten Mercedes aus dem Westerwaldkreis ist 81 Jahre alt; er und seine 72-jährige Beifahrerin wurden schwer verletzt und mussten von der Feuerwehr aus dem Auto befreit werden.


Fahrfehler hin oder her : Es bleibt die Frage nach der fehlenden Betonwand als effektive Absperrung. Die Baugrube soll erst am Freitag ausgehoben worden sein. Könnte es sein, dass sich kurz vor dem Abschied ins Wochenende auf der Baustelle niemand zuständig dafür gefühlt hat, noch schnell die Wand aufzubauen? Bei der Polizei will sich niemand auf Spekulationen einlassen.


Bei der Autobahndirektion Nordbayern hieß es gestern Mittag, man werde nun »prüfen«, ob sich an der Baustellensicherung etwas ändern muss. »Es gibt ja entlang der Baugrube eine Gleitwand. Die Frage ist, ob auch in der Anfahrt zur Grube eine nötig gewesen wäre«, so Direktionssprecherin Diana Kosok. Am Nachmittag war eine kleine Wand aufgebaut.
Jens Raab
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