Samstag, 20.10.2018

Was Sturm Fabienne im Mainviereck anrichtete

Flugzeug überschlagen, Friedhof verwüstet, Frau verletzt, Westfrankenbahn steht

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(© Ralf Hettler)

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Nach Fabienne: Das Dach der Bachgauhalle in Großostheim ist an zwei Stellen über 200 Quadratmeter abgedeckt (© Armin Lerch) Aschaffenburg Montag, 24.09.2018 - 08:18 Uhr

Am Sonntagnachmittag zog das angekündigte Sturmtief „Fabienne“ über unsere Region und sorgte für abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, Unfälle, Stromausfälle und Hunderte von Einsätzen. Ein Überblick:

* In Großostheim sind etliche Sturmschäden zu verzeichnen. Das Dach der Bachgauhalle wurde an zwei Stellen über 200 Quadratmeter abgedeckt. Feuerwehr und eine Fachfirma sichern das Dach und machen es provisorisch dicht. Auf dem Flugplatz Ringheim hatte sich ein Flugzeug überschlagen, Kraftstoff lief aus. Ein Schwimmbagger eines Kieswerkes wurde vom Sturm umgeweht, Betriebsstoffe gelangten in den Baggersee. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt. Bäume stürzten um und Keller liefen voll Wasser. Etliche Fahrzeuge und Gebäude wurden durch umgestürzte Bäume beschädigt. 

 

* Einsatzschwerpunkt im Landkreis Aschaffenburg war laut Kreisbrandrat Karlheinz Ostheimer Großostheim.  150 Einsätze seien hier zu verzeichnen gewesen. Mehrere benachbarte Löschzüge waren vor Ort, um zu helfen, unter anderem aus Alzenau, Kleinostheim, Großheubach, Kahl und auch aus dem Hessischen (Mainhausen, Erbach und Maintal). Bürger, welche die Hilfe der Feuerwehr benötigen, setzen sich bitte über die Telefonnummer 06026/9988292 mit der Feuerwehr in Verbindung.

 

Weiterer Einsatzschwerpunkt war neben Großostheim Stockstadt. Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr Stockstadt ab 17:05 Uhr zu insgesamt 39 Unwettereinsätzen gerufen. Stockstadt war neben dem sehr stark betroffenen Markt Großostheim, Schwerpunkt des Einsatzgeschehens im Landkreis. Bäume waren entwurzelt, Äste abgebrochen, Keller voll Wasser gelaufen und Dächer abgedeckt. Räumlich verteilten sich die Einsatzstellen auf die Autobahn A3, die Bundesstraßen B469 und B26 sowie in der Hauptsache auf das Ortsgebiet Stockstadt. Mit 30 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen gelang es bis in die Nacht alle Einsatzstellen abzuarbeiten. Gegen 23:30 Uhr konnten die letzten Helfer nach Hause gehen.

Auch zahlreiche andere Gemeinden im Landkreis Aschaffenburg sind betroffen. In Dammbach und Heimbuchenthal war erst gegen 19.30 Uhr die Stromversorgung wieder hergestellt. Bis gegen 22 Uhr gab es im Landkreis 355 Einsatzstellen. Davon alleine über 200 in Großostheim. Laut Feuerwehr gehen immer noch Meldungen von Bürgern ein.

Es waren noch in der Nacht über 600 Feuerwehrleute im Einsatz. Alleine in Großostheim waren 11 Drehleitern vor Ort, um abgedeckte Dächer zu sichern und provisorisch abzudichten. Auch das THW Alzenau und Miltenberg wurde 30 Kräften nach Großostheim beordert. Die landkreiseigene Verpflegungskomponente der Feuerwehr Hohl kümmerte sich um die Versorgung der Einsatzkräfte. Die Einsätze werden von der Kreiseinsatzzentrale im Landratsamt koordiniert, alle Abschnittsführungsstellen sind besetzt. Die Aufräumarbeiten wurden die ganze Nacht über fortgesetzt und werden sich vermutlich auch über die nächsten Tage erstrecken.

Laut Einschätzung von Kreisbrandinspektor Otto Hofmann war es am Sonntag für die Feuerwehren im Kreis Aschaffenburg ein außergewöhnlicher Einsatz, es hätten binnen kurzer Zeit sehr viele Menschen aus Stadt und Landkreis Aschaffenburg bei der Integrierten Leitstelle angerufen und um Hilfe gebeten. Dazu kamen hohe Regenmengen, starke Böen. 

* Auf der B26/Umleitungsstrecke zwischen Rothenbuch und Lohr lagen etliche Äste auf der Straße und behinderten den Verkehr.

* Im Stadtgebiet Aschaffenburg verzeichnete die Feuerwehr weit über 100 Einsätze: Umgestürzte Bäume, auf Fahrzeuge geprallte Baumteile, abgedeckte Dächer, abgestürzte Kamine. Einsatzschwerpunkt ist der Stadtteil Obernau, teilte Stadtbrandinspektor Dieter Göpfert mit. Dort hat der Sturm mehrere Dächer massiv beschädigt. Hier helfen auch das Technische Hilfswerk und Wehrleute aus dem Landkreis Aschaffenburg mit. Um 20.30 Uhr waren noch immer mindestens 40 Einsätze im Stadtgebiet am Laufen. Laut Kenntnisstand vom Sonntagabend wurden keine Menschen verletzt, sagt Göpfert. Auch in den von Baumteilen getroffenen Autos habe sich zum Unglückszeitpunkt niemand aufgehalten.

Bis Montagmittag wird es auf allen Westfrankenbahn-Strecken keinen Zugverkehr geben: Die Bahnstrecke Aschaffenburg- Seckach und Aschaffenburg - Lauda fällt bis 24. September mittags in beiden Richtungen aus (Quelle Polizei Unterfranken). Es gibt keinen Schienenersatzverkehr.

* Die Bahnstrecke Wiesbaden - Aschaffenburg ist zwischen Darmstadt und Babenhausen gesperrt (Stand 8 Uhr). Dort liegt ein Baum auf den Gleisen.

* Im Landkreis Miltenberg hat die Feuerwehr um die 150 Einsätze zu bewältigen, teilte Kreisbrandrat  Meinrad Lebold mit. Zahlreiche Straßen seien wegen umgestürzter Bäume nicht befahrbar. Zudem gebe es ungefähr 20 Stromausfälle im Landkreis. Main-Echo-Leser berichten von Stromausfällen in Kleinwallstadt, Hofstetten, Leidersbach, Eschau, Collenberg  und Klingenberg.

* Elsenfeld: Ein Autofahrer wurde leicht verletzt, als er auf der Erlenbacher Straße in Elsenfeld unterwegs war und ein Baum auf sein Auto fiel.

* Weilbach: Hier sind Keller vollgelaufen und auch der Strom war für zwei Stunden ausgefallen. Inzwischen ist die Versorgung wieder hergestellt.

* Niedernberg: Bürgermeister Jürgen Reinhard hat auf Facebook gepostet, dass es in der Gemeinde massive Sturmschäden gebe.  Feuerwehr und Bauhof seien im Einsatz, um die gröbsten Schäden zu beheben und die Wege zu sichern. Auf dem Friedhof habe der Sturm etliche Bäume umgeworfen. Eine für Montag, 24. September, vorgesehene Beisetzung müsse verschoben werden.

*Altenbuch: Der Ort war durch umgestürzte Bäume zeitweise komplett abgeschnitten.

* Zur Situation der Stromausfälle: Laut Telefonat um 19.45 Uhr mit Maximilan Zängl, Pressesprecher vom Bayernwerk, hatte sich das Bayernwerk aufgrund der Sturmwarnung bereits vorab mit doppelter Mannschaft aufgestellt, um schnell auf Stromausfälle reagieren zu können.
Betroffen von den Stromausfällen sind laut Zängl derzeit hauptsächlich Ober- aber mehr noch Unterfranken. Mehrere Gemeinden und kleinere Ortschaften seien ohne Strom. Durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste seien Freileitungen beschädigt worden, die dazu führten, dass der Strom ausfalle.  Momentan sei die Lage noch etwas undurchsichtig, so Zängl, aber die Servicekräfte vom Bayernwerk seien aktuell allesamt vor Ort. Zunächst müssten sie die Fehler orten, dann könnten sie Schaltmaßnahmen einleiten. Wie lange das aktuell dauern wird, kann Zängl momentan nicht sagen. Es könne aber sogar mehrere Stunden dauern. Erschwerend komme hinzu, dass der Sturm stellenweise immer noch tobe, auch die Regenfälle erschwerten das Ganze. Die Techniker würden unter Hochdruck arbeiten.

Telefonat zu den Stromausfällen mit dem Bayernwerk, Pressesprecher Maximilian Zängl, um 21 Uhr: In Unter- und Oberfranken seien im ländlichen Netzgebiet vom Bayernwerk geschätzt zwischen 20.000 und 25.000 Haushalte ohne Strom. Die Servicetechniker in Unterfranken seien bislang gut vorangekommen, die Stromnetze seien zum größten Teil wieder in Betrieb.

Mil-Landrat Jens Marco Scherf zieht gegen 22.45 Uhr Stromausfall-Bilanz für den Kreis Miltenberg: Aktuell fehle der Strom noch in Kirschfurt, Watterbach, Breitenbuch, Gönz und Boxbrunn.


* In ganz Unterfranken  liefen laut Polizeipräsidium unzählige Einsätze. Zwischen 16:30 Uhr und 19:30 Uhr gingen in der Einsatzzentrale der Polizei insgesamt 359 Notrufe ein. Innerhalb von drei Stunden mussten unterfränkische Polizeistreifen 297 Einsätze abarbeiten, deren Ursache im Sturmtief ‚Fabienne‘ lag.

* Zwischen Babenhausen und Schaafheim gab es einen Unfall,  bei dem eine  46-jährige Autofahrerin aus Babenhausen, die auf der Bundesstraße 26 zwischen Aschaffenburg und ihrem Heimatort unterwegs war, schwer verletzt wurde, als ein Baum auf ihr Auto stürzte.

 
* Der Streckenabschnitt der Bahn zwischen Thüngersheim und Veitshöchheim war mehrere Stunden gesperrt. Die Züge aus Richtung Aschaffenburg verkehrten bis Retzbach-Zellingen und endeten dort vorzeitig. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr ein. Die Streckensperrug wurde gegen 22 Uhr aufgehoben. 

* Wertheim: Relativ glimpflich verlief der Sturm ersten Erkenntnissen zufolge in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) ab. Im Stadtgebiet gab es insgesamt 21 Einsätze, berichtet Frank Hofmann von der Feuerwehr Wertheim-Stadt. In den meisten Fällen ging es um auf Straßen gestürzte Bäume. Derzeit sind die Wehrleute im Stadtteil Bestenheid aktiv, wo der Sturm das Dach eines Firmengebäudes abgedeckt hat. Verletzt wurde nach bisherigem Stand niemand.

* Lohr: 19 mal musste laut Kommandant Clemens Kracht, die Feuerwehr Lohr ausrücken, zumeist gab es umgestürzte Bäume wegzuräumen. Durch den starken Regen kam es zu Überschwemmungen, Gully-Deckel wurden angehoben. Bei der Grundschule Lohr deckte der Sturm das Dach ab, am Jugendzentrum durchschlug eine eingerissene Baumkrone ein Dach. Vom Friedhofsgelände stürzte eine Zypresse über die Mauer auf ein Nebengebäude. Die Straße nach Steinfeld war am Abend halbseitig gesperrt. Zusätzlich im Einsatz waren die Lohrer Ortsteilfeuerwehren, Wombach (3 Einsätze) Steinbach (1 Einsatz), Pflochsbach (1 Einsatz) und Rodenbach (1 Einsatz). Die Feuerwehr  Lohr war mit 7 Einsatzfahrzeugen und 27 Einsatzkräften vor Ort. Die Ortsteile Wombach, Steinbach, Pflochsbach und Rodenbach mit jeweils einem Einsatzfahrzeug. Die WF Bosch Rexroth mit einem Einsatzfahrzeug und 3 Einsatzkräften.

* Darmstadt-Dieburg: Die Feuerwehren und die Polizei in Südhessen waren laut Polizei Südhessen aufgrund der Sturmschäden am Sonntag pausenlos im Einsatz. Zwischen 15.15 Uhr und 18.30 Uhr wurden alleine bei der Einsatzleitstelle der Polizei in Südhessen, die Meldungen aus Darmstadt, den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße, Odenwald und von den Autobahnen entgegennimmt, über die Nummer 110 mehr als 160 Notrufeinsätze eröffnet. Hinzu kamen unzählige Notrufe, die sich auf bereits bekannte Vorfälle bezogen. Die nachfolgende Übersicht stellt deshalb nur einen unvollständigen Teil der Meldungen dar. Hinzu kommen die Meldungen über die Rufnummer 112 bei den Leitstellen der Feuerwehren. Aktuell dauern die Aufräumarbeiten weiterhin an. Zahlreiche Straßensperrungen sind noch aktiv und können teilweise erst am Montag aufgehoben werden. Ein Schwerpunkt der Sturmschäden ist im nördlichen Landkreis Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg zu erkennen. Auffallend ist die hohe Zahl umgestürzter Bäume, die nach ersten Einschätzungen deutlich höher als bei bisherigen Unwettern war. Ein Grund dürfte in der noch vorhandenen Belaubung liegen, die dem Sturm eine große Angriffsfläche bot.
In Darmstadt-Eberstadt stürzte ein großer Ast eines Baumes auf ein Hausdach und zwei Autos. Wegen der Gefahr, die von dem noch stehenden Baum ausging, mussten umliegende Gebäude geräumt werden. Insgesamt wurden 36 Personen evakuiert und in die Hirtengrundhalle verbracht. Die Personen werden betreut.

Starke Verkehrsbeeinträchtigungen:
Komplettsperrung der L 3106 zwischen Höchst und Rimhorn (Odenwald) seit 18 Uhr. Straße bleibt gesperrt
Zwischen Ober-Roden und Eppertshausen liegen auf der B 459 ca. 50 Bäume auf der Fahrbahn. Straße bleibt voraussichtlich bis Montag gesperrt.
Radheim, K 105, Straße durch Feuerwehr gesperrt

Baum auf Auto, Frau schwer verletzt:
Schaafheim, zwischen Babenhausen und Schaafheim, 17.05 Uhr Baum auf Auto gestürzt, eine 46 Jahre alte Frau aus Babenhausen schwer verletzt.
Weitere 17 der Polizei gemeldete umgestürzte Bäume auf Autos.

Baum auf Fahrbahn:
67 der Polizei gemeldete umgestürzte Bäume in Südhessen Dachabdeckungen
Dieburg, abgedecktes Dach
Münster bei Dieburg, Dachteile von der John-F.-Kennedy-Schule weggeflogen

von Manuela Klebing/Ralf Hettler/Nina Lenhardt/
Armin Lerch/Sabine Dreher/Jochem Hauck/
Anja Keilbach/Monika Büdel/Bettina Kneller

 

Unwetter im Raum Miltenberg: So kommentierten unsere Leser mit Bildern unseren Facebook-Post auf dem Kanal "Bote vom Untermain" - zum Post:

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