Mittwoch, 19.12.2018

Erneut Waldbrand in Amorbach: Brandstiftung, Festnahme

Amorbach
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Zu viele Waldbrände in zu kurzer Zeit auf zu engem Raum – der Verdacht, dass ein Feuerteufel in Raum Amorbach (Kreis Miltenberg) sein lebensgefährliches Unwesen treibt, hat sich am Mittwoch durch drei weitere Feuer bestätigt. Und: Es gab bereits eine Festnahme.

Die Polizei hat am Mittwochnachmittag einen Verdächtigen vorläufig festgenommen und ihn auf der Dienststelle in Miltenberg vernommen.

Ob der Verdächtige wirklich einen oder alle Brände der vergangenen Tage gelegt hat, darauf wollte sich bis Redaktionsschluss die Polizei noch nicht festlegen. »Wir stehen erst am Anfang unserer Ermittlungen«, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Miltenberg, Bernhard Wenzel, gegenüber unserem Medienhaus.

Der festgenommene Mann hatte Verdacht erregt, als er sein Fahrzeug beim Anblick einer Polizeistreife wenden wollte. In seinem Fahrzeug wurde ein halber Kanister einer brennbaren Flüssigkeit gefunden. Zudem habe der Verdächtige »Verschmutzungen« aufgewiesen, für die er in den ersten Vernehmungen keine »zufriedenstellende Erklärung« geben konnte. Die Vernehmungen wurden am Abend fortgesetzt, am Donnerstag soll der Haftrichter entscheiden, ob die Anhaltspunkte den Tatverdacht erhärten.

Aufgrund von Hinweisen der Feuerwehr sei der Brandstiftungsverdacht in den vergangenen Tagen so konkret geworden, dass Wenzel nach dem Waldbrand vom Dienstag an der B47 zwischen Amorbach und Boxbrunn dorthin gezielt Beamte auf Streife geschickt hatte. Erst am Dienstag standen in einem Waldstück bei Amorach mehrere tausend Quadratmeter Wald in Flammen. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern.

In höchster Alarmbereitschaft waren Feuerwehr, Förster und Mitarbeiter der Stadt Amorbach, sagte Bürgermeister Peter Schmitt. In der Odenwaldstadt ist der Großbrand des Jahres 2012 in schlimmer Erinnerung. Der hatte in einem ungewöhnlich warmen und trockenen April tagelang gewütet, Hunderte von Einsatzkräften an den Rand der Erschöpfung gebracht und große Schäden hinterlassen.

Brandstiftung: Erneut brennt es an mehreren Stellen im Wald in Amorbach
Quelle: Dominik Pagio (Video), Torsten Maier (Schnitt)

Gefahr einer Katastrophe
Die Besorgnis von Kreisbrandrat Meinrad Lebold hat das schlimme Feuer an der Bahnstrecke bei Bonn von Dienstag noch erhöht. »Dort waren viele Einsatzkräfte direkt vor Ort und konnten doch nicht verhindern, dass das Feuer von der Böschung auf die Siedlung übergegriffen hat«, so der oberste Brandschützer im Kreis Miltenberg. Welche Ausmaße ein Waldbrand in der derzeitigen Situation annehmen könnte, daran mochte Lebold am Mittwoch gar nicht denken. An die Gefahren für seine Feuerwehrleute schon gar nicht.

+15 weitere Bilder
Waldbrand Amorbach 08.08.2018
Fotograf: Dominik Pagio |  17 Bilder

Es waren gleich drei Brandherde, zu denen die Feuerwehr am Mittwoch gerufen wurde – am Morgen noch mal in die Nähe der Brandstelle vom Dienstag an der B47 und am Nachmittag zu zwei Brandstellen im Otterbachtal in der Nähe des Schafhofs.

Beide Feuer wurden glücklicherweise früh entdeckt, schnell gemeldet und konnten von der Feuerwehr rasch eingegrenzt und auch gelöscht werden. Erneut war wegen der akuten Gefahrensituation ein Großaufgebot von Kräften und Einsatzfahrzeugen der Wehren von Amorbach, Weilbach, Weckbach, Schneeberg, Miltenberg und Kirchzell ausgerückt, dazu gehörten auch Großtankfahrzeuge. Nicht benötigt, aber vorbereitet waren eine Pumpstation im Otterbachtal und der Aufbau einer kilometerlangen Schlauchleitung.

Den Verdacht, dass ein Brandstifter sein Unwesen treibt, hatten Lage und Art der Brände vom Montag und Dienstag geweckt. Dazu wurde man verspätet noch auf einen weiteren Brand von vergangener Woche an der B47 in der Nähe der hessischen Grenze aufmerksam. An eine zufällige Häufung wollten die Verantwortlichen da nicht mehr glauben.

Georg Kümmel

Hintergrund: Amorbacher Waldbrandkatastrophe von 2012

Fast zwölf Hektar wertvollen alten Baumbestandes hat im April 2012 ein verheerender Brand in Amorbacher Stadtwald an der B 47 vernichtet. Hunderte Einsatzkräfte kämpften tagelang gegen Flammen und verborgene Glutnester. Zur Unterstützung von Feuerwehren und THW löste der damalige Landrat Roland Schwing sogar Katastrophenalarm aus, damit auch die Bundeswehr zu Hilfe gerufen werden konnte. Zeitweise waren bis zu 350 Kräfte gleichzeitig im Einsatz. Die Schäden und Kosten waren enorm. Für die Feuerwehr war die Katastrophe Anlass sich taktisch und in Übungen besser auf Waldbrände vorzubereiten und ihr Material zu optimieren. Mit Erfolg, wie der Brände der vergangenen Tage zeigen. (kü)

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