82-Jährige in Elsenfeld umgebracht – Tochter in U-Haft

Polizeimeldung Kreis Miltenberg

Elsenfeld
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Symbolbild - Blaulicht
Foto: David Inderlied (dpa)
Eine 82 Jahre alte Frau aus Elsenfeld (Kreis Miltenberg) ist tot – und ihre Tochter sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. Sie soll ihre Mutter getötet haben. Staatsanwaltschaft und Polizei werfen der Frau Totschlag vor.

Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervor. Nach Informationen unseres Medienhauses soll die Seniorin erstochen worden sein. Von »sehr schwierigen Familienverhältnissen« ist im Ort die Rede, an anderer Stelle jedoch von einer »ganz normalen Familie«.

Familienangehörige fanden die Leiche der 82-Jährigen am Montag gegen 9.20 Uhr in ihrer Wohnung ebenso wie die Tochter, die nicht ansprechbar war. Sie verständigten Polizei und Rettungsdienst. Ein Notarzt versorgte die Tochter vor Ort, dann brachten Retter sie in eine Klinik.

Nach ersten Ermittlungen gehen Staatsanwaltschaft und Kripo davon aus, dass die offenbar psychisch erheblich belastete Tochter für den Tod der 82-Jährigen verantwortlich sein könnte. Sie soll anschließend versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen. Der genaue Tathergang und die familiären Hintergründe sind derzeit nicht abschließend geklärt, heißt es weiter in der Mitteilung. Beides sei Gegenstand der Ermittlungen.

Ein Ermittlungsrichter erließ am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Untersuchungshaftbefehl gegen die Tochter wegen des dringenden Verdachts des Totschlags.

Die Bewohner des Elsenfelder Ortsteils, in dem die Tat stattfand, sind betroffen. Etwa im Dorfladen, wo man die Verstorbene kannte – wenngleich eher aus früheren Jahren. Wegen Krankheit sei sie zuletzt kaum gesehen worden. 
»Die Tochter darf nicht verurteilt werden«, sagt eine Frau, die die Familienverhältnisse kennt, und die Mitleid mit der Tatverdächtigen hat. »Die konnte nicht mehr«, hört man. Die letzten Jahre habe man die Seniorin nicht mehr im Ort gesehen, auch nicht ihren kranken, pflegebedürftigen Mann. Die Tochter – das einzige Kind der Eltern – sei an manchen Tagen sieben oder acht Mal in ihr Elternhaus gekommen, um nach den Eltern zu sehen, berichtet eine Anwohnerin. Zwischenzeitlich soll die Tochter den Vater bei sich zu Hause gepflegt haben. Seit etwa einer Woche sei er in einem Heim gepflegt worden.

Grundsätzlich gilt: Wenn ein Angehöriger ins Heim kommt, ist das für Familien ein »Riesen-Schritt und -Einschnitt«, sagt eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige in Miltenberg. Nicht selten würde Kindern diese Verpflichtung abgerungen: »Du bringst mich mal nicht ins Heim, nicht wahr?« Oft zu einer Phase, in der noch keine Pflegebedürftigkeit bestünde, berichtet die Diplom-Sozialpädagogin. Für Kinder sei dies eine hohe moralische Verpflichtung. Dazu komme, dass die Pflegesituation oft eine sehr hohe physische und psychische Belastung darstelle, der Laien oft nicht gewachsen sind. Häufig scheuen sich Angehörige auch, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ob all dies im Fall der Bluttat eine Rolle gespielt hat, ist derzeit ungewiss. Eine entsprechende Anfrage unseres Medienhauses beantwortete die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

A. Namyslo, R. Ries, V. Schreck

Hintergrund: Suizid

Das Main-Echo berichtet in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche. Der Grund ist die hohe Quote an Nachahmern. In besonderen Fällen, wenn die Tat öffentlichkeitswirksam war oder durch die Umstände, wie in obigem Artikel, berichten wir dennoch.

Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge. Die Beratung ist anonym, kostenlos und unter den Telefonnummern 0800 1110111 oder 0800 1110222 rund um die Uhr erreichbar. 

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