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Sparwunder schaffen Weihnachtsflair

Technik: Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt ersetzt Sieben-Watt-Glühbirnen mit Ein-Watt-LED-Lampen

Miltenberger Weih­nachts­be­leuch­tung Mittwoch, 30.11.2011 - 00:00 Uhr

Wenn die Weih­nachts­be­leuch­tung die Mil­ten­ber­ger In­nen­stadt noch bis Drei­kö­n­ig in stim­mungs­vol­les Licht taucht, wird den Pas­san­ten au­ßer ei­nem et­was käl­te­ren Licht nichts Be­son­de­res auf­fal­len. Doch sind sie Zeu­gen ei­ner klei­nen En­er­gie­re­vo­lu­ti­on: 2600 LED-Lam­pen spie­len ih­re Stär­ken als En­er­gie­spar­wun­der aus.

Vor über zehn Jahren hatte die M-City-Werbegemeinschaft die Weihnachtsbeleuchtung angeschafft. Stolze 50 000 Mark kostete das damals, auch die Stadt Miltenberg leistete einen Zuschuss. Bestückt wurden Sterne und Girlanden mit insgesamt 3600 Sieben-Watt-Glühbirnen.
Es lässt sich leicht ausrechnen, welche Stromrechnung nach rund sechs Wochen die Folge war: Rund 2300 Euro, wenn man bei 10 500 Kilowattstunden einen Strompreis von 22 Cent pro Kilowattstunde zugrunde legt, musste die Stadt einer Vereinbarung mit EMB und M-City gemäß pro Jahr bezahlen. Dazu kam der Aufwand für den Austausch defekter Glühbirnen, den der örtliche Energieversorger EMB im Auftrag der M-City leistete.
In Zeiten wachsenden Energiebewusstseins genügt diese Beleuchtungsmethode aber modernen Maßstäben nicht mehr, begründet Hans Dieter Arnold von der EMB den gerade erfolgten Schritt, die alten Glühbirnen durch 2600 neue LED-Lampen mit einer Leistung von jeweils einem Watt zu ersetzen.
»Wir sparen damit rund 9000 Kilowattstunden Strom pro Jahr ein«, hat Arnold ausgerechnet und zieht einen eindrucksvollen Vergleich: »Das entspricht der Jahresleistung von zwei Photovoltaikanlagen auf zwei Einfamilienhäusern.« Künftig werde die Weihnachtsbeleuchtung mit 1500 Kilowattstunden pro Jahr auskommen, freut sich Arnold.
Finanziert werden die neuen Lampen von der EMB, die die Leuchtmittel für rund 3,50 Euro pro Stück vom Eichenbühler Unternehmen Essert bezog. Refinanziert werden die LED-Lampen innerhalb von vier Jahren: Laut Arnold zahlt die Stadt Miltenberg der EMB für die nächsten vier Jahre noch den »alten« Energieverbrauch, die M-City zahlt im gleichen Zeitraum pro Jahr 300 Euro, um den entfallenden Wartungsaufwand der EMB zu kompensieren.
Ab dem fünften Jahr kann die Stadt Miltenberg ihre Stromrechnung dann um über 2000 Euro pro Jahr reduzieren. Die neuen Lampen haben darüber hinaus noch einen weiteren großen Vorteil: Sie sind nahezu unzerstörbar. Beweis gefällig? Hans Dieter Arnold lässt eine Lampe auf den Boden fallen. Diese hüpft kurz hoch wie ein Gummiball und bleibt äußerlich und innerlich unversehrt.
Da die neuen Lampen laut Hersteller darüber hinaus eine Leuchtdauer von 50 000 Stunden haben, entfällt für die EMB auf viele Jahre der Wartungsaufwand: Früher mussten die Mitarbeiter mehrfach in der Vorweihnachtszeit defekte Glühbirnen austauschen.
Auf das wärmere Licht der Glühbirnen müssen die Miltenberger und ihre Gäste aber dennoch nicht verzichten: Vorerst wurde nur die Beleuchtung in der Hauptstraße umgestellt, Weihnachtsmarkt und Weihnachtsbäume werden weiterhin von Glühbirnen erleuchtet. »Wir wollen nicht Tausende Glühbirnen wegwerfen«, begründet Arnold diesen Schritt.
Auf Dauer aber werden die Glühbirnen keine Zukunft haben. »Nächstes Jahr werden wir dem Markt Bürgstadt die Umrüstung mit LED-Lampen anbieten, danach kommen Stück für Stück auch die restlichen Birnen in der Stadt dran«, kündigt Arnold an.
Vom Austausch der Beleuchtung hat auch der Miltenberger Musikverein profitiert: Dessen Mitglieder montierten in einer konzertierten Aktion an einem Tag alle LED-Lampen in die Weihnachtsbeleuchtung. Im Gegenzug sorgte die EMB mit einer Spende von 650 Euro für vorweihnachtliche Freude im Musikverein. Winfried Zang