Mittwoch, 20.02.2019

Interview mit Paarberaterin aus Glattbach - "Frau Schurk-Balles, wie wird man schön?"

Serie "Auf der Suche nach der Schönheit", Teil 1

Goldbach Donnerstag, 08.01.2015 - 00:00 Uhr

Früh­er war sie haupt­be­ruf­lich Ju­ris­tin für Schei­dungs­recht. Heu­te hilft sie Frau­en und Män­nern in der Lie­be auf die Sprün­ge. Manuela Schurk-Balles be­zeich­net sich selbst als Lie­bes­coach, ist als Paar­be­ra­te­rin, Me­dia­to­rin und Selbst­hil­fe­trai­ne­rin tä­tig. Mit Ju­lia Prei­ßer sprach sie über in­ne­re Zu­frie­den­heit, Partn­er­wahl und warum Sc­hön­heit von vie­len Fak­to­ren ab­hängt.


Frau Schurk-Balles, wie wird man schön?
Indem man eine gesunde innere Einstellung zu sich hat. Man spürt ja sofort, ob jemand tot dahin vegetiert oder lebendig sein Leben rockt. Wenn ich mich in meiner Haut, mit meiner Kleidung und mit meiner Frisur wohlfühle, dann strahle ich. Wenn dieses Wohlfühlen und Strahlen allerdings nur an das Äußere geknüpft ist, lässt es bald wieder nach. Gerade bei Frauen ab dem mittleren Alter sieht man sehr gut, ob sie zufrieden mit sich und der Welt sind. Dann strahlen sie eine innere Harmonie und Entspannung aus. Das fehlt, wenn Frau unzufrieden ist - da kann man noch so viel drauf schmieren oder körperlich intervenieren. Wenn jemand eine Schachtel Zigaretten raucht und danach eine Feuchtigkeitsmaske auflegt, glaubt auch niemand ernsthaft, dass damit die Wirkung der Zigaretten aufgehoben ist.

Und wenn die Frau oder der Mann mit sich unzufrieden ist - Kann man das abtrainieren?
Natürlich - das üben meine Klienten in meinen Kursen. Mit unsicheren Frauen trainiere ich, sich wie eine Königin zu fühlen. Das heißt zunächst einmal Haltung einnehmen, thronen statt sitzen und schreiten statt gehen - einfach Souveränität zeigen. Das ist für die Klienten natürlich ungewohnt, aber so kann man auf Dauer sein Unterbewusstsein austricksen. Das Unterbewusstsein ist überhaupt entscheidend - nicht nur für die Sicht auf sich selbst, sondern auch darauf, wie Andere einen wahrnehmen. Man weiß inzwischen, dass es nur einen Bruchteil von Sekunden dauert, bis das Gegenüber einen eingeschätzt hat. Um attraktiv zu wirken, muss ich zunächst mir selbst und meinem Körper signalisieren: Ich bin die Herrscherin.

Kommt so eine Herrscherin bei den Männern gut an?
Herrscherin sein heißt ja nicht, den Mann zu dominieren. Eine Herrscherin ist zunächst Chefin über sich selbst und über unbegründet und ungute Einflüsse ihres Unterbewusstseins. Die meisten Beziehungsprobleme entstehen, weil die Kommunikation zwischen beiden nicht funktioniert. Der Mann weiß nicht, was die Frau will. Warum? Weil sie es selbst nicht richtig weiß und weil viel zu viele unterbewusste Sehnsüchte, Ängste und dergleichen. mitspielen. Wenn eine Frau ihr Unterbewusstsein kennt - das gilt im übrigen auf für den Mann - kann sie lernen es zu verstehen und ins Positive umzukehren. Man soll nicht gegen den Drachen kämpfen, sondern mit ihm fliegen.

Stehen Frauen bezüglich Schönheit heutzutage unter größerem Druck?
Nicht nur was Schönheit angeht. Früher war Heirat eine Versorgersache. Der Mann wollte gewaschene Socken und hat dafür das Geld nach Hause gebracht. Heutzutage muss eine Frau Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Berufstätige sein - und bei allem noch gut aussehen. Das ist ja zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Ich habe oft taffe und erfolgreiche junge Mütter bei mir sitzen, die kurz vor einem Burnout stehen, weil sie sich nicht vierteilen können. Der Satz den ich oft höre ist: »Aber die Anderen schaffen es doch auch.«

Wenn Frauen all das beherrschen müssen, warum steht dann bei vielen Männern die Attraktivität ihrer Partnerin so weit im Vordergrund?
Optische Eindrücke werden natürlich zunächst assoziiert mit Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Hier ist vieles hormongesteuert - bei Männern wie Frauen. Frauen wissen das übrigens genau und legen deshalb viel mehr Wert auf ihr Aussehen als Männer. Aber eine schöne Partnerin ist noch lange nicht gleichbedeutend mit einer glücklichen Partnerschaft. Es gibt Frauen, die keinem Schönheitsideal entsprechen und die tollsten Männer bekommen. Ein Mann beurteilt eine Frau danach, wie es ihm mit ihr geht. Männer brauchen vier Dinge: Ruhe, Sex, Service und das Gefühl, der Einzige für die Frau zu sein. Der Mann trennt deshalb äußerliche und innerliche Attraktivität. Ein großes Vorbild für den Mann bei der Partnerwahl ist übrigens die eigene Mutter.

Klingt nach einem Klischee.
Das sind eben die archaischen Strukturen, die in jedem Unterbewusstsein vorhanden sind. Die Mutter und der Vater sind ein unbewusstes Idealbild, das keiner erfüllen kann. Da sind wir wieder beim alten Thema - das Unterbewusstsein zu überlisten und mit sich selbst im Reinen zu sein. Denn wenn wir uns selbst satt machen, wollen wir das nicht von anderen.

bTeil 2 (Freitag), Stilberatung: Frische Farben für Frank - Wie sich ein Faulbacher modisch neu entdeckt
JULIA PREISSER
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