Prozess-Blog: Das Attentat von Würzburg

Am 22. April beginnt der Prozess gegen den Mann, der in der Würzburger Innenstadt drei Menschen getötet hat. Wir berichten in diesem Blog über die Entwicklungen im Gerichtssaal.

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22.04.2022 | 14:24:17 Uhr
Dossier: Die Bluttat in Würzburg

In Würzburg hat ein Mann am 25. Juni 2021 wahllos Menschen mit einem Messer attackiert. Drei Frauen starben, zehn Menschen wurden verletzt. Berichte und Hintergründe zur Tat und Information zum Gerichtsverfahren finden SIe in diesem Dossier.

24.06.2022 | 11:48:29 Uhr
Vorsitzender Richter will Beweisaufnahme Ende Juli schließen

Was sich schon andeutete, hat der Vorsitzende Richter Thomas Schuster zum Abschluss des Prozesstages am Freitag klar geäußert. Am 22. Juli sollen die beiden psychiatrischen Gutachten gehört werden. "Nach aktuellem Plan beabsichtige ich dann, die Beweisaufnahme zu schließen", sagte er. Weitere Anträge sollten die Prozessbeteiligten bis dahin stellen. Bisher sind danach noch vier Termine zwischen dem 25. und 29. Juli geplant. Somit könnte dann noch im Juli die Entscheidung im Unterbringungsverfahren gefällt werden.

24.06.2022 | 10:59:44 Uhr
Psychiater Bönsch: Keine Handhabung für dauerhafte Unterbringung vor Tat

Bei der Fortsetzung des Verfahrens stand die Frage im Mittelpunkt, ob die Tat des Beschuldigten hätte verhindert werden können. Dominikus Bönsch, Chef des Bezirkskrankenhauses Lohr, sagte dazu als Zeuge aus. Er ist auch verantwortlich für das Zentrum für seelische Gesundheit (ZSG), in welches der Täter im Januar 2021 und wenige Tage vor dem schrecklichen Geschehen eingewiesen wurde. Auf die Frage des Gerichts, welche Handhabung es gegeben habe, ihn dauerhaft in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, antwortete Bönsch: "Ehrlich gesagt gar keine." Dies wäre nur dann möglich gewesen, wenn sich durch die Behandlung keine Besserung seiner Situation ergeben hätte. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Er habe "extrem gut" auf die niedrige und kurzzeitige Medikamentengabe reagiert, führte Bönsch aus. Entsprechend habe er auch gegen den ärztlichen Rat entlassen werden müssen. Es gebe in Lohr und dem ZSG in Würzburg pro Jahr "weit über" 100 Patienten mit vergleichbaren Symptomen. Die vom ZSG angeregte Betreuung sei nicht zustande gekommen.

Ein Assistenzarzt sagte aus, dass der Beschuldigte im Januar eingewiesen wurde, nachdem er zwei Mitarbeiter in seiner Unterkunft mit dem Messer bedroht hatte. Er habe ihn als "letztlich unauffällig" erlebt. Bei seiner Einweisung habe der Somalier geäußert, dass der deutsche Geheimdienst ihm das Leben "zur Hölle mache". Entsprechend sprach der Zeuge von einer "wahnhaften Symptomatik." Eine Pflegerin schilderte den Zustand des Beschuldigten wenige Tage vor der Tat so: "Dass er Hilfe gebraucht hat, war offensichtlich, er wollte aber nicht dort bleiben". Am Tag seiner Entlassung habe er "etwas entlastet" gewirkt. Auf die Frage des Gerichtes nach seinem Verhalten in der ZSG antwortete sie: "Ich hatte Schlimmere."

23.06.2022 | 10:14:11 Uhr
Würzburger Messerstecherprozess endet früher

Eventuell schon im Juli könnte die Entscheidung im Würzburger Messerstecherprozess fallen. Wie Landgerichtssprecher Michael Schaller auf Anfrage sagte, seien bei den 27 ursprünglich bis September geplanten Sitzungstagen einige Ersatztermine dabei gewesen, etwa wenn Zeugen oder Sachverständige an der Verhandlung nicht teilnehmen können. "Weil bisher kein Verzug eingetreten ist, werden die wohl nicht benötigt", sagte Schaller. Somit könnte das Unterbringungsverfahren vor Ferienbeginn abgeschlossen werden. Vorausgesetzt, es fallen nicht doch noch an einzelnen Terminen Prozessbeteiligte aus, wie etwa Anfang Mai wegen Krankheit der Vorsitzende Richter Thomas Schuster.

27.05.2022 | 10:54:20 Uhr
Gedenkkonzert am Jahrestag des Attentats

Zum Gedenken an die Opfer der Messerattacke des 25. Juni 2021 veranstaltet die Stadt Würzburg am ersten Jahrestag dieses Ereignisses um 19.30 Uhr ein Konzert im Franconiasaal des Congress Centrums Würzburg. Das Polizeiorchester Bayern führt mit Unterstützung von 150 Sängerinnen und Sängern die Friedensmesse The Armed Man von Karl Jenkins auf, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Einritt ist kostenlos, die Besucher werden jedoch um Spenden gebeten, teilt die Stadt mit.
Diese gehen an die Vereine Würzburg zeigt Herz und Der Weiße Ring e.V.. Beide Vereine kümmern sich um Opferhilfe und Opferschutz und wollen Kindern und Familien helfen, die Schicksalsschläge erlitten haben. Unmittelbar nach der Tat war es Zielsetzung von Würzburg zeigt Herz, die Traumata zeitnah zu behandeln, um damit langfristige Folgen undseelische Erkrankungen zu vermeiden oder zu lindern.

Kostenlose Eintrittskarten für das Gedenkkonzert sind ab kommenden Mittwoch, 1. Juni, in der Tourist Information & Ticketservice, der Theaterkasse und der Stadtbücherei im Falkenhaus erhältlich. Zusätzlich können die Eintrittskarten dann ab Freitag in den Stadtteilbüchereien Heidingsfeld, Heuchelhof, Hubland, Lengfeld und Versbach zu den jeweiligen Öffnungszeiten abgeholt werden. Alternativ kann auch per Mail an gedenkkonzert@stadt.wuerzburg.de eine Zugangsberechtigung (die gedruckte Antwortmail gilt als Eintrittskarte) bestellt werden.

27.05.2022 | 09:22:15 Uhr
Fortsetzung am Freitag

Nach längerer Pause geht der Prozess am Freitag in die fünfte Runde. Es werden weitere Zeugen aus dem Kaufhaus gehört, zu Details äußert sich Gerichtssprecher Michael Schaller nicht. Offen bleibt weiter die Frage nach dem exakten Alter des Beschuldigten. Warum das so ist: https://www.main-echo.de/regional/franken-bayern/messerstecher-warum-das-alter-so-schwer-zu-bestimmen-ist-art-7581173

05.05.2022 | 15:01:26 Uhr
Vorsitzender krank: Prozess am Freitag fällt aus

Der vierte Prozesstag im Unterbringungsverfahren gegen den Würzburger Messerstecher am Freitag in den Mainfrankensälen Veitshöchheim fällt aus. Nach Angaben von Michael Schaller, Sprecher des Landgerichtes, ist der Vorsitzende Richter Thomas Schuster erkrankt. Der Prozess wird nun fortgesetzt am Dienstag, 10. Mai, in der Weißen Mühle Estenfeld.

27.04.2022 | 16:19:01 Uhr
Würzburger Messerstecherprozess: Opfer hatten "keine realistische Überlebenschance"

Der Messerstecher von Würzburg hat ihr die Mutter genommen. Vor ihren Augen. Damit sie nicht im Prozess gegen den 32-Jährigen aussagen muss, waren am dritten Verhandlungstag alle Beteiligten einverstanden, die damals Elfjährige nicht als Zeugin zu laden, wegen der zu erwartenden Belastung.

Mehr dazu

Dossier
27.04.2022 | 12:57:40 Uhr

Der dritte Verhandlungstag  im Prozess um die Würzburger Messerattacke ist beendet. Wir melden uns an dieser Stelle am Freitag, den 6. Mai, um 10 Uhr wieder, wenn die Verhandlung fortgesetzt wird.

27.04.2022 | 12:45:47 Uhr
Mädchen überlebte nur aus

Zum Abschluss des Prozesstages wird die richterliche Aussage einer damals Elfjährigen vorgespielt. Sie verlor bei dem Messerangriff ihre Mutter. Um ihr einen belastenden Auftritt in dem Prozess zu ersparen, reichte den Prozessbeteiligten das Video aus.
Darin schildert sie, dass sie auf der Rolltreppe mit ihrer Mutter gestanden habe und diese sei abwärts gegangen. "Als wir unten waren, hat er sich auf meine Mutter gestürzt, sagte das Mädchen aus. Der Täter habe gezielt in den Nacken gestochen. "Sein Gesicht war fast ohne Ausdruck". Sie sei dann schnell aus dem Laden gerannt.

Draussen haben sie eine Frau im Arm gehalten. "Ich habe angefangen, zu schreien nach meiner Mutter, schilderte sie den weiteren Ablauf. Dann sei der Täter aus dem Laden gerannt und die Frau mit ihr wohl aus Schrecken umgefallen. "Dann hat er versucht, mich umzubringen". Sie rannte jedoch weg, was ihr laut Gutachter Tatschner das Leben rettete. Denn die Stichverletzungen waren weniger schwer als bei ihrer Mutter. "Das war reiner Zufall", sagte der Experte. Sie erltt dennoch Stiche im Nacken und Schulterbereich, dabei auch eine Durchstichtsverletzung. Im Gegensatz zu ihrer Mutter waren bei ihr aber keine größeren Blutgefäße betroffen., führte der Gutachter aus. Nach einer Woche in der Klinik, wobei sie auch psychologische Betreuung bekam, wurde sie Anfang Juli 2021 entlassen.

27.04.2022 | 11:32:56 Uhr
Verkäuferin: "Er wollte wissen, wo die Messer waren"

Zu Beginn des Prozesstages hatte eine Verkäuferin des Kaufhauses ausgesagt. Sie erinnerte sich daran, dass ihr der Beschuldigte aufgefallen sei, weil er im Parallelgang schnell rannte. Dann sei er auf sie zugekommen. "Er wollte wissen, wo die Messer waren." Zudem habe er auch auf deutsch gesagt, sie solle mitkommen. "Irgendwas war ein bisschen komisch, aber ich hab ihm trotzdem gezeigt, wo die Messer sind", sagte sie. Der Somalier habe dann ein Messerset von unten genommen und aufgerissen. Sie sei dann weg, "das war Instinkt". Als sie wieder hinsah, habe der Täter eine Frau attackiert. Sie sei dann nur gerannt in Richtung Ausgang und habe zu den Kollegen an der Kasse gerufen: "Ein Mann mit einem Messer". Vermutlich hätten die es nicht ernst genommen, denn: "In dem Moment kann man das nicht glauben."

Dann habe sie aus Angst das Kaufhaus verlassen und sei nach Hause.

27.04.2022 | 11:25:25 Uhr
Gutachter: "Keine realistische Überlebenschance"

Am dritten Verhandlungstag im Würzburger Messerstecherprozess gab Thomas Tatschner die Ergebnisse der Obduktion der drei getöteten Frauen wider. Er berichtete von massiven Verletzungen, die zum Tode führen mussten. "Es gab keine realistische Überlebenschance", so der Gutachter. Bei der 24- und der 49-Jährigen habe eine Kombination von Verbluten nach Innen und Außen sowie Erstickung zum Tod geführt. Bei beiden hatte das Messer das Rückenmark durchtrennt, so dass auch noch eine Querschnittslähmung hinzukam. Bei der getöteten 82-Jährigen war dies zwar nicht der Fall, hier stach der Beschuldigte aber so wuchtig zu, dass das Messer mit der "ganzen Klinge" eindrang. Dabei wurden die Aorta und eine mittelgroße Lungenschlagader sowie Rippen durchtrennt. Laut Tatschner gab es bei keinem der Opfer Abwehrverletzungen.

27.04.2022 | 10:46:48 Uhr
Nächster Verhandlungstag:

In Würzburg geht seit 10 Uhr die Verhandlung um die Würzburger Messerattacke weiter. Laut unserem Reporter vor Ort macht die Verkäuferin, die dem Angeklagten die Messer gezeigt hat, derzeit eine Aussage.

25.04.2022 | 16:15:53 Uhr
Kaufhausdetektiv:

Hossein Moradi hat die Stunden nach der Tat gezählt: 2700 sind es nach seinen Angaben. "Ich kann das alles nicht vergessen. Es verfolgt mich, es beschäftigt mich, die Menschen, die vor meinen Augen ihr Leben verloren haben." Er wisse seit zehn Monaten nicht mehr wie er richtig lachen solle. "Ich bin genauso wie die gestorben.Mein Herz, meine Gefühle die Lebensfreude", sagt er laut der Übersetzerin. In seiner sehr emotionalen Aussage wendet er sich auch an den Beschuldigten: "Jetzt sitzt er wie eine Maus hier, da ist er wie ein wildes Tier gerannt", gibt er seine Eindrücke wieder.

Der Somalier sei ihm beim Beitreten des Kaufhauses aufgefallen, weil er barfuß war. Was noch nichts Aussergewöhnliches sei, denn in den Laden kämen öfter Obdachlose, die etwas kaufen wollten. Er habe mitbekommen, wie der Beschuldigte eine Verkäuferin nach etwas fragte und gedacht, der Mann wolle etwas kaufen. "Alles schien ganz normal zu sein", erinnert er sich. Dann habe er aber die Schreierei mitbekommen und Menschen, die Richtung Ausgang stürmten. "Ich habe versucht, alle Menschen, die sich im Kaufhaus aufhielten zu beschützen, sagt er. Sein Plan, den Täter zu beleidigen und von den Opfern abzulenken. Dazu bewarf er ihn mit allem Möglichen, was er in die Hand bekam. "Ich habe versucht, ihn zu beschimpfen, dass er aggressiv wird und zu mir kommt." Tatsächlich verfolgte er ihn auch noch kurze Zeit, ließ aber von ihm ab und ging auf sein nächstes Opfer los.

Auf dem Barbarossaplatz schleuderte er nach eigenen Angaben eine Baustellenabsperrung nach ihm, traf ihn aber nicht. Als dann die Polizei kam und einen Warnschuss abgab, habe er dem Täter einen Stuhl auf den Kopf geschlagen, sodass er das Messer fallen ließ und sich dann auf ihn gekniet bis ein Polizist dem Somalier die Handschellen anlegte.

25.04.2022 | 14:42:17 Uhr
Medizinischer Gutachter: Stiche mit "erheblicher Wucht"

Der medizinische Gutachter Thomas Tatschner fasst die Verletzungen der 40-Jährigen zusammen. Demnach wurde bei ihr das Rückenmark im Bereich der Brustwirbel komplett durchtrennt, im Halsbereich teilweise. Darum sei sie sofort nach der Attacke auch zusammengesunken. Bei ihr habe akute Lebensgefahr bestanden, ohne schnelle medizinische Versorgung hätte sie nach seiner Einschätzung den Angriff nicht überlebt. Die Stiche versetzte der Täter der Frau mit "erheblicher Wucht", so der Gutachter. "Sonst gelingt es nicht, mit dem Messer die Bögen der Wirbelkörper zu durchdringen", fügte er an.
Um 15 Uhr wird als Zeuge der Kaufhausdetektiv vernommen, der noch versuchte, den 32-Jährigen zu stoppen durch Werfen von Gegenständen.

25.04.2022 | 14:20:35 Uhr
Erstes Opfer: "Ich brauche für fast alles Hilfe"

Als erste Zeugin sagt eine damals 39-Jährige aus. Sie erinnert sich im Woolworth gehört zu haben, wie ein Mann nach Messern fragte. Dann habe sie auch schon Stiche gespürt. "Ich habe gemerkt wie das Blut aus mir gelaufen ist", sagte sie. Ein Mann habe ihr dann einen Rucksack auf den Rücken gedrückt. Dann weiß sie nach eigenen Angaben nur noch, wie der Notarzt kam. Sie lag danach zwei Tage im künstlichen Koma. Durch Stichverletzungen an der Wirbelsäule könne sie nicht mehr laufen, die Beweglichkeit von Armen und Händen sei auch eingeschränkt. "Ich brauche für fast alles Hilfe", sagte sie. Aktuell werde geklärt, ob und in welcher Form sie künftig wieder arbeiten kann. Aufgrund der Querschnittelähmung musste sie umziehen. Nach ihrer Aussage verfolgt sie das Verfahren als Nebenklägerin.

25.04.2022 | 13:38:05 Uhr
Video der Überwachungskamera vorgeführt, absolute Stille im Saal

Im Saal wird das Video der Überwachungskamera vorgeführt. Schuster warnte zuvor nochmals, ob man sich das anschauen wolle. Der Beschuldigte tut es eben so wie eine Nebenklägerin nicht, sieht auf die Tischplatte vor sich. Der Rest sieht die teilweise herausgezoomten Szenen wie der Somalier seine Opfer attackiert und niedersticht, auf eine 24-Jährige aus Partenstein siebenmal. Sie ist sein erstes Todesopfer. Darin ist zu sehen, wie er offenbar gezielt Frauen als Opfer sucht. An zwei Männern geht er nach seiner ersten Attacke einfach vorbei und sticht auf eine Krankenschwester aus dem Main-Tauber-Kreis ein.
Die Betroffenheit im Saal ist zu spüren, es ist absolut still, nur das Geräusch des Beamers zu hören. Alle Prozessbeteiligten sind sich einig, auf das Vorführen der ungeschnittenen Videosequenzen zu verzichten. "Dann machen wir Pause. Die nächste Zeugin ist für 14 Uhr geladen, und die können wir brauchen", sagt der Vorsitzende Richter Thomas Schuster.

25.04.2022 | 13:17:58 Uhr
Beschuldigter erträgt Videos nicht, Verhandlung kurz unterbrochen

Nach wenigen Mnuten ist die Verhandlung am zweiten Tag im Prozess um den Würzburger Messerstecher kurz unterbrochen worden. Pflichtverteidiger Hans-Jochen Schrepfer führte seinen Mandanten aus dem Saal, weil dieser anscheinend die zuvor gezeigten Videos vom Barbarossaplatz nicht verkraftete. Auf diesen war zu sehen, wie der Somalier mit dem Messer umherläuft und Passanten versuchen, ihn zu stoppen. Der Vorsitzende Richter Thomas Schuster kündigte an, danach auch die Aufnahmen der Überwachungskamera aus dem Woolworth zu zeigen. "Überlegen sie sich genau, ob sie sich das anschauen wollen im Publikum", warnte er.

Schrepfer erklärte die kurze Unterbrechung. Dem Beschuldigten gehe es "sehr schlecht" beim Betrachten der Videos. "Wenn er das sieht und hört kommt er nicht damit klar", fügte er an. Darum habe er seinem Mandanten geraten, bei den folgenden Aufnahmen der Überwachungskamera aus dem Woolwort nicht nach vorne zu sehen, sondern auf den Tisch "damit er das übersteht".

24.04.2022 | 11:53:28 Uhr
Erste Zeugen am Montag - Rätsel um Geburtsdatum des Somaliers

Am Montag um 13 Uhr wird der Prozess gegen den Würzburger Messerstecher fortgesetzt. Erstmals wird es dabei in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen zur Konfrontation von Opfern, die als Zeugen aussagen, mit dem Beschuldigten kommen. Die Aussage einer Frau, die seit dem Attentat am 25. Juni 2021 in der Würzburger Innenstadt arbeitsunfähig ist, war am Freitag verlesen worden. Sie sah sich außer Stande, vor dem Landgericht Würzburg persönlich zu erscheinen. Psychologen befürchteten eine Verschlechterung ihrer posttraumatischen Belastungsstörung.

Eine Frage blieb auch am Freitag offen, das genaue Geburtdstaum des Beschuldigten. Er gab an, im Jahr 1989 geboren zu sein. Genau konnte er das Datum nicht angeben. Er meine sich zu erinnern, dass seine Mutter ihm einmal etwas gesagt habe von Dezember, lautete seine Antwort auf die Frage des Vorsitzenden Richters Thomas Schuster nach seinem Alter.

22.04.2022 | 15:55:42 Uhr
Beginn Sicherungsverfahren gegen Messerstecher
Somalier entschuldigt sich bei Opfern

Beim Auftakt am Freitag in den Mainfrankensälen Veitshöchheim (Kreis Würzburg) entschuldigte sich der Täter über seinen Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer für das Leid, welches er den Opfern und den Angehörigen angetan habe. Mehr dazu

1 Fotoserie
Dossier
22.04.2022 | 13:03:03 Uhr
Das sagt Verteidiger Hanjo Schrepfer zum Prozessauftakt

Verteidiger Hanjo Schrepfer äußerst sich im Gespräch mit unserem Reporter zum Zustand seines Mandanten.

22.04.2022 | 12:12:13 Uhr
Gerichtssprecher: Beweisaufnahme soll Tat möglichst genau klären

Michael Schaller, Sprecher des Landgerichts Würzburg, zur Länge des Verfahrens

22.04.2022 | 12:03:35 Uhr
Generalstaatsanwaltschaft: "Keine Anhaltspunkte für terrorsitische Motivation"

Florian Weinzierl erklärt, warum die Generalstaatsanwaltschaft München für das Verfahren zuständig ist.

22.04.2022 | 11:55:03 Uhr
Erster Prozesstag beendet

Nach der Verlesung der Aussage einer Nebenklägerin - welche der Beschuldigte mit gesenktem Kopf verfolgte - beendet der Vorsitzende Richter Thomas Schuster den ersten Prozesstag. Das Sicherungsverfahren wird fortgesetzt ebenfalls in den Mainfrankensälen am Montag um 13 Uhr. Dann sind die ersten Zeugen geladen.

22.04.2022 | 11:52:01 Uhr
Nebenklägerin sieht sich nicht in der Lage, vor Gericht zu erscheinen

Das Opfer, welches sich mit einem Einkaufskorb schützte und so wohl überlebte, ist laut Gutachten der Universität Würzburg nicht in der Lage, vor Gericht zu erscheinen und dem Täter zu begegnen. Sie habe eine posttraumatische Belastungsstörung und sei arbeitsunfähig. Eine Aussage in dem Prozess lasse eine "deutliche Verschlechterung" der Symptomatik erwarten. Darum wird die Aussage gegenüber der Polizei verlesen.

Die Frau aus dem Main-Tauber-Kreis meidet seitdem die Würzburger Innenstadt, sie habe Angst, wenn sie ausländisch aussehende Männer sehe oder Sirenen höre. Sie träume nachts, dass ihr das Erlebte wieder passiere. Neben den psychischen Folgen - sie ist noch immer in Behandlung - hat sie auch körperliche: Sie sei sehr vergesslich geworden, habe seit dem Angriff Beschwerden am rechten Arm, ihre Rücken- und Kopfschmerzen hätten sich deutlich verschlechtert. Ihr Finger fühle sich taub an.

22.04.2022 | 11:26:43 Uhr
Helden im und vor dem Kaufhaus


Ähnlich wie später beim Eingreifen der Passanten auf dem Barbarossaplatz gab es einen weiteren Helden, im Woolworth. Der Kaufhausdetektiv bewarf den Somalier mit Gegenständen wie Dekogläsern, um ihn vom weiteren Morden abzuhalten. Auch ihn wollte der Täter erstechen, ihm gelang aber die Flucht durch den Hauptausgang. Später auf dem Platz versuchte er mit einer Leiter, den Angreifer zu stoppen und von weiteren Morden abzuhalten.

22.04.2022 | 11:24:52 Uhr
Protokoll des Schreckens

Bei jedem einzelnen Opfer hat die Staatsanwaltschaft genau ermittelt, wo es sich zum Zeitpunkt des Angriffes befand. Daraus ergibt sich ein Bild der schrecklichen Ereignisse im Kaufhaus. Demnach waren viele der späteren Opfer geschockt als sie den ersten Messerangriff mitansehen mussten. Die damals 39-jährige Frau überlebte, ist aber seitdem querschnittsgelähmt.
Sein zweites Opfer, die den Angriff ebenfalls überlebte - wohl dank eines Einkaufskorbes, den sie schützend über ihren Kopf hielt - leidet bis heute unter den Folgen. Sie ist arbeitsunfähig und in Behandlung wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Keine Chance hatten dagegen die drei Frauen, auf die der Täter danach einstach. Er traf eine 24-Jährige, eine 82-Jährige und eine 49-Jährige im Brustkorb und am Hals. Alle drei erlagen ihren Verletzungen. Sie hatten teilweise noch versucht, zu flüchten, doch der Täter kannte keine Gnade. Auf die Mutter stach er noch ein, als sie schon am Boden lag. Ihre elfjährige Tochter überlebte.

22.04.2022 | 11:14:15 Uhr
Täter gesteht und entschuldigt sich über Verteidiger

Über seinen Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer entschuldigt sich der Beschuldigte für das Leid, das er den Opfern und Angehörigen angetan hat. Innere Stimmen hätten ihn zu  diesen "grausamen Taten" getrieben. Es gebe keinerlei terroristischen Hintergrund. Er sei angesichts des großen öffentlichen Drucks auf ihn nicht in der Lage, sich persönlich zu äußern. Schrepfer verwies hier auf die Aussage gegenüber der Polizei vom 30. September 2021. Dort habe sich sein Mandant "schonungslos offen" geäußert.

22.04.2022 | 10:50:00 Uhr
Oberstaatsanwältin: Tat war "persönliche Abrechnung"

Die Verlesung der Antragsschrift durch Obersaatsanwältin Judith Henkel von der Generalstaatsanwaltschaft München ist beendet. Auf zehn Seiten fasst das Papier zusammen, wie brutal der Beschuldigte mit einem 32 Zentimeter langen Küchenmesser auf seine wehrlosen Opfer einstach. Sein Motiv sei Hass gewesen, er vollzog eine persönliche Abrechnung, heißt es in der Schrift.
Er sei der Auffassung gewesen in den letzten drei Jahren vor der Tat in Deutschland keine Gerechtigkeit bekommen zu haben, die deutschen Sicherheitsbehörden hätten ihn drei Jahre lang gequält. Deswegen fasste er schließlich den Entschluss, in möglichst kurzer Zeit so viele Menschen wie nur möglich zu töten, schreibt die Genealstaatsanwaltschaft.
Am Tattag habe er in seinem Kopf Stimmen gehört, die ihn anwiesen zu Woolworth zu gehen und sich dort ein Messer zu beschaffen. Die Anweisungen der Stimmen hätten schlichtweg gelautet, alle zu töten - zuerst im Geschäft und anschließend draußen. Es sei ihm darum gegangen, den Opfern keine Chance zu geben, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen.
Henkel wirft ihm dreifachen Mord, versuchten Mord in elf Fällen, dazu gefährliche und schwere Körperverletzung vor. Die Tat dauerte nur vier Minuten.

22.04.2022 | 10:07:42 Uhr

Der Beschuldigte und die Dolmetscherin haben Platz genommen, der Prozess beginnt.

22.04.2022 | 09:49:01 Uhr

Warten auf den Beschuldigten

22.04.2022 | 09:26:26 Uhr

Blick in den Saal, wo um 10 Uhr der Prozess beginnt.

21.04.2022 | 13:49:55 Uhr
Verteidiger kündigt für Auftakt "kurze Erklärung" an - Beweisaufnahme ab Montag

Der Countdown läuft, am Freitag um 10 Uhr beginnt das Sicherungsverfahren gegen den Würzburger Messerstecher. Wie Landgerichtssprecher Michael Schaller auf Anfrage sagte, wird die Beweisaufnahme am Montag starten. Beim Auftakt in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen sei nur die Verlesung der zehnseitigen Antragsschrift geplant sowie eine mögliche Einlassung des beschuldigten Somaliers.

Ihm wird vorgeworfen im Zustand der Schuldunfähigkeit am 25. Juni um kurz nach 17 Uhr drei Frauen in einem Kaufhaus am Würzburger Barbarossaplatz getötet zu haben, zehn weitere verletzte er durch Messerstiche, sechs davon schwer. Informationen unseres Medienhauses, wonach der Beschuldigte vor dem Prozess von einer Psychiatrie außerhalb Unterfrankens in das Bezirkskrankenhaus Lohr verlegt wurde, wollte er nicht kommentieren: "Zu Sicherheitsfragen äußern wir uns nicht." In dem Verfahren treten 14 Nebenkläger auf.

Der Prozess trifft auf ein großes Medieninteresse in ganz Deutschland. Laut Schaller sind 18 Zeitungen und Sender - darunter das Main-Echo - dauerhaft akkreditiert, viele weitere hoffen auf freie Plätze im Zuschauerbereich. Im Saal gelte am Freitag eine FFP2-Maskenpflicht. "Wir sind vorsichtig, die Zahlen sind noch hoch", begründete er. Für normale Zuhörer gebe es 50 Plätze.

Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer kündigte auf Nachfrage an, im Namen seines Mandanten eine "kurze Erklärung" abzugeben. Er rechnet nicht vor Juni oder Juli mit dem Auftritt der psychiatrischen Gutachter vor Gericht. Diese bescheinigen dem Somalier paranoide Schizophrenie.

21.04.2022 | 13:01:48 Uhr
Messerattacke in Würzburg
Fragen und Antworten zum Verfahren: Die Bluttat von Würzburg

Fast 30 Verhandlungstage an 3 Orten, 55 Ordner Ermittlungsakten, 13 Nebenkläger: Der Prozess um den tödlichen Messerangriff eines Flüchtlings auf Passanten in Würzburg ist eine Herkulesaufgabe für das Landgericht. Mehr dazu

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21.04.2022 | 13:00:33 Uhr
Verfahren um Messerangriff ab 22. April

Das Verfahren gegen den Messerstecher von Würzburg beginnt am 22. April. Geplant sind etwa 30 Prozesstage bis Ende September. Beschuldigt ist ein Somalier. Er soll laut Generalstaatsanwaltschaft am 25. Juni 2021 in der Würzburger Innenstadt drei Frauen mit einem Küchenmesser getötet und neun Menschen verletzt haben. Nach Erkenntnis zweier psychiatrischer Gutachter war der Flüchtling während der Tat schuldunfähig, er sei paranoid schizophren. Stimmen in seinem Kopf hätten ihm die Tat befohlen.

Dem vermutlich 33 Jahre alten Mann - die Ermittler wissen es nicht mit letzter Sicherheit - werden unter anderem Mord in drei Fällen sowie versuchter Mord in elf Fällen vorgeworfen. Bei einem Sicherungsverfahren geht es um die zeitlich unbegrenzte Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses. dpa