Montag, 19.04.2021
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Blog: Der Mordfall Mezgin

Um den Mord an der 16 Jahre alten Mezgin N. im Jahr 2017 geht es ab 4. März vor dem Landgericht Aschaffenburg. Angeklagt ist der Vater, Hashem N. Er soll auch verantwortlich sein für den versuchten Mord am Freund seiner Tochter.

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16.04.2021 | 16:32:16 Uhr
Beweisaufnahme ist beendet

Wie ist der Stand, Herr Krist?

16.04.2021 | 11:05:53 Uhr
Tag 11: 'Bitte Hilfe, bitte!' / Haftbedingungen / Urteil gegen Hashem N. aus 2017

Endspurt im Mordprozess: Der elfte Tag steht im Zeichen von Verlesungen, letzten Zeugenaussagen und noch einem Video.

Über die Haftbedingungen in der Türkei erfährt das Gericht nur etwas, weil es sich außergerichtlich erkundigt hat. Laut dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul war die Situation - zumindest vor Beginn der Corona-Pandemie - wie folgt: starke Überbelegung, fehlende medizinische Versorgung, schlechte Hygienebedingungen. Hashem N. selbst gibt keine Einblicke in die Zeit, immerhin fast ein Jahr, die er im türkischen Gefängnis verbrachte.

Weiterer Schwerpunkt: Die Vorgeschichte und das Amtsgerichtsurteil gegen Hashem N., weil er seine Tochter geschlagen und mit dem Tod bedroht hatte, das im Mai 2017 rechtskräftig wurde. Als die Bilder von Mezgin N. gezeigt werden, die nach durch die Schläge des Vaters entstanden sind, dreht sich der Angeklagte weg, würde laut seinem Dolmetscher am liebsten "seinen Platz verlassen", was ihm der Vorsitzende Richter aber nicht erlaubt.

Zum Komplex versuchter Mord zeigt das Gericht das Video, dass in der Nacht zum 2. Juni 2017 aufgenommen wurde. Zu sehen ist niemand, aber zu hören: Ein Brüllen und Hämmern und unbeantwortete Rufe:

Hallo, Polizei?

Bitte aufmachen, bitte!

Hallo, bitte aufmachen, bitte!

(Glas zerbricht)

Bitte Hilfe, bitte!

Dann trifft die Polizei ein, das Aufflackern des Blaulichts ist auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme zu erkennen.

16.04.2021 | 08:45:38 Uhr
Welche Strafen stehen im Raum?

Einmal Mord, einmal versuchter Mord - so sind die Taten vor dem Landgericht Aschaffenburg angeklagt. Wir haben Ingo Krist, Pressesprecher des Gerichts, gefragt, welche Strafen dafür infrage kommen.

15.04.2021 | 14:22:57 Uhr
Symbolbild: Gericht Aschaffenburg - Symbolbild
Falschaussage von Mezgin N.s Halbbruder

Der Halbbruder von Mezgin N. hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der gemeinsame Vater in diesen Tagen vor dem Landgericht Aschaffenburg verantworten muss: Der Jugendliche hatte angegeben, dass entweder Vater Hashem N. oder er selbst, damals strafunmündig, Mezgin N. im Mai 2017 erstochen haben soll. Wie glaubhaft die Aussagen des Halbbruders sind, hat am Mittwoch eine Gutachterin analysiert: »Das ist alles kompatibel mit einer bewussten Falschaussage.«

Dossier
14.04.2021 | 18:37:48 Uhr
Tag 10: Gutachterin zu den Aussagen von Mezgin N.s Halbbruder

Nachdem gestern die Inhalte von Vernehmungen des Halbbruders von Mezgin N. Thema waren, ging es an diesem zehnten Prozesstag darum, wie denn die Aussagen von Mezgin N.s Angehörigem überhaupt einzuschätzen sind. Dazu befragte das Gericht den Vormund des Jugendlichen, eine frühere Lehrerin und zum Abschluss eine Fachpsychologin für Rechtspsychologien. In der Summe sind sich die Zeugen einig: Mezgin N.s Halbbruder war ein äußerst schwieriger Jugendlicher.

Die Gutachterin erläuterte sehr ausführlich, was aus psychologischer Sicht von den Angaben des Halbbruders zu halten ist: Es handele sich um eine Person mit geringer Wahrheitsverpflichtung, hoher Taktier-Kompetenz und sozialer Störung. Die Situation der zwei Befragungen in Aschaffenburg beim Ermittlungsrichter im Januar und Februar 2019 sei "sehr ungünstig" gewesen, hierbei ging es unter anderem um suggestive Fragen, "Kuhhandel" mit dem Jugendlichen, Gesprächsführung und Besetzung des Raumes mit 5 Erwachsenen. Diese beiden Punkte ermöglichten aus Sicht der Sachverständigen eine Falschaussage. Und dass es sich um eine solche handeln könnte, legen die zahlreichen Widersprüche nahe, die nicht nur der Gutachterin, sondern auch den Beobachtern beim Anschauen der Videos an Tag 9 aufgefallen sind.

Der Halbbruder selbst wird nicht mehr als Zeuge erscheinen: Er verschwand nach den Befragungen im Jahr 2019 und soll sich nun in der Türkei bei seiner leiblichen Mutter aufhalten.

14.04.2021 | 08:55:09 Uhr
Um welche Mordmerkmale geht es?

Ingo Krist, Pressesprecher des Gerichts, erläutert in diesem Video, welche Mordmerkmale die Staatsanwaltschaft als verwirklicht betrachtet.

Ob die Anklage dabei bleibt, wird sich voraussichtlich kommende Woche zeigen, wenn Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh sein Plädoyer vorträgt.

14.04.2021 | 08:09:09 Uhr
Mordversuch: Angebliches Geständnis am Handy

Hashem N. soll Freund seiner Tochter Mezgin attackiert haben - Keine Zeugen der Tat im Juni 2017 - Laut Nachbar gab es ein Telefonat

Dossier
13.04.2021 | 18:53:43 Uhr
Tag 9: Fokus auf Mezgin N.s Halbbruder

Der neunte Tag vor dem Landgericht Aschaffenburg drehte sich um den Halbbruder von Mezgin N. Der Grund: Auf den Aussagen des damals Minderjährigen beruhen die Annahmen der Staatsanwaltschaft bezogen auf den Mord an Mezgin N. Die Anklage geht davon aus, dass entweder Hashem N. - der gemeinsame Vater des Jungen und von Mezgin - oder der Halbbruder den Mord an der Jugendlichen begangen hat.

Bei einer ersten Vernehmung bei der Polizei in der Zeit nach Mezgin N.s Verschwinden hatte der Junge dazu noch gar nichts gesagt, wie ein Kripobeamter am Dienstag im Zeugenstand berichtete. Stattdessen habe er angedeutet, seine Halbschwester könnte Suizid begangen haben oder zu einer Cousine abgehausen sein. Der Vater liebe seine Tochter "zu viel", als dass er ihr hätte etwas antun können, so der Halbbruder laut Protokoll aus der Vernehmung.

Doch nach dem Fund der skelettierten Leiche im Jahr 2018 saß der mittlerweile Jugendliche wieder zur Aussage in Aschaffenburg: Zwei Mal machte er beim Ermittlungsrichter Angaben - und nahm die Schuld der Tatausführung auf sich - allerdings soll ihn Hashem N. mit dem Tod bedroht haben, sollte er seine Halbschwester nicht töten.

Wie er auf Mezgin N. eingestochen haben will, das demonstrierte er mittels einer lebensgroßen Puppe, die der Ermittlungsrichter aus seinem Büro in das Vernehmungszimmer holen ließ. Größere Emotionen bei der Ausführung ließen sich dabei bei ihm nicht erkennen, jedoch hatte er im Laufe der Vernehmungen mehrfach angefangen zu weinen und zu schluchzen.

Die Befragungen bei dem Richter wurden mit einer Videokamera aufgenommen, die Aufzeichnungen spielte das Gericht im Ridinger-Saal ab. Eine Einschätzung der Aussagen zu dem Mord an Mezgin N. stehen noch aus.

Der Halbbruder selbst - eigentlich aufgrund seiner Angaben und Beziehung zu den Beteiligten eine Schlüsselperson in diesem Mordverfahren - wird im Prozess nicht mehr im Zeugenstand erwartet. Er soll sich aktuell in der Türkei aufhalten, wo auch mutmaßlich seine leibliche Mutter lebt.

13.04.2021 | 18:30:16 Uhr
Mordfall Mezgin - Prozessauftakt
Wie kam es überhaupt zur Auslieferung von Hashem N.?

Eine richtige Antwort gibt es für die Frage gar nicht, denn die Staatsanwaltschaft gibt auf Nachfrage an, dass sie gar nicht weiß, was auf politischer beziehungsweise diplomatischer Ebene abgelaufen ist.

Dossier
13.04.2021 | 10:49:38 Uhr
Filme gucken im Schloss

Am heutigen Prozesstag sind insbesondere die (stundenlange) Abspielung von Videos vorgesehen: Es handelt sich um Aufnahmen von Vernehmungen von Mezgin N.s Halbbruder beim Ermittlungsrichter.

13.04.2021 | 09:05:29 Uhr
Wie die Auslieferung von Hashem N. ablief

Wir haben mit einem Aschaffenburger Kripobeamten gesprochen, der zusammen mti zwei Kollegen für die Überführung verantwortlich war.

Dossier
09.04.2021 | 20:00:05 Uhr
09.04.2021 | 19:09:44 Uhr
Der achte Tag, Teil II: Ja, Nein - oder keine Erinnerung mehr?

Neun Zuhörer verfolgten den Prozesstag, plus zwei Medienvertreter. Und die bekamen zu hören, vor welchen Schwierigkeiten Gerichte und die weiteren an Prozessen Beteiligten in dieser Verhandlung nicht zum ersten Mal standen.

Zwar belehrt der Vorsitzende Richter Sebastian Geis gewissenhaft jeden Zeugen, bevor die Befragung startet, und betont: Wer etwas nicht mehr weiß - immerhin sind seit 2017 schon fast vier Jahre vergangen -, soll das sagen, sonst handelt es sich um eine Falschaussage. Schon oft haben die Juristen im Ridinger-Saal darauf hingewiesen, dass es nicht schlimm ist, wenn sich jemand nicht mehr erinnern kann. Denn es liegen ja auch die Protokolle von Vernehmungen bei er Polizei vor, auf die zurückgegriffen werden können.

Mehrfach musste das Gericht bisherige Zeugen ermahnen, bei der Wahrheit zu bleiben, so auch am Freitag bei der Befragung eines Bekannten von Mezgin N.s Freund. Der hatte dem Freund nämlich 2017 ein Alibi hinsichtlich dem Tag von Mezgin N.s Verschwinden gegeben, die Männer machten damals übereinstimmende Angaben: Man sei gemeinsam im Jobcenter gewesen, der Freund habe dem Bekannten durch Übersetzen helfen wollen, das soll zwischen 11 und 12 Uhr gewesen sein. Danach sei man noch unterwegs gewesen: einkaufen, eine Wohnung besichtigen, am Ende zusammen zum Bekannten nach Hause gegangen und der Freund sei die ganze Zeit bei ihm gewesen. Vier Jahre später soll das alles nicht mehr stimmen: Der Zeuge bestreitet, nach dem Jobcenter mit dem Freund zusammen gewesen zu sein. Immer wieder wird ihm vorgelesen, was er bei der Polizei gesagt hatte. Richter Andreas Hartl: Es kann nicht beides richtig sein, entweder Sie haben bei der Polizei gelogen oder hier." Der Bekannte relativiert seine Angaben, wird zusehend nervöser, die Knie unter dem Tisch hören gar nicht mehr auf, hin und her zu wackeln.

Sichtlich gereizt ermahnt der Vorsitzende Richter Sebastian Geis den Zeugen: Es gibt einen Unterschied zwischen Ja, Nein und Ich weiß es nicht!" Auch Verteidiger Jürgen Vongries und Nebenklagevertreter Jens Goymann fühlen dem Endzwanziger auf den Zahn, kommen aber auch nicht weiter, so dass die Aussage des Zeugen am Ende wenig glaubhaft wirkt.

Entweder lag es daran, dass der Zeuge sich nicht erinnerte, das aber nicht ordentlich - per Umweg über den Dolmetscher - kommunizierte. Oder er macht tatsächlich damals oder heute falsche Angaben. Inwiefern dadurch das Alibi des Freundes tangiert wird, muss das Gericht entscheiden.

Bei der Kripo ist man sich indes sicher, dass der Freund nicht der Täter war: »Er hatte ein Alibi für die Zeit«, so der Kriposachbearbeiter am ersten Prozesstag. Nach der letzten Whatsapp-Nachricht am 4. Mai 2017 um 11.32 Uhr riss der Kontakt zwischen Mezgin N. und dem Freund ab, das ließ sich nachvollziehen. Die Polizei glaubt auch deswegen der Darstellung von Mezgin N.s Freund.

09.04.2021 | 11:26:24 Uhr
Der achte Tag, Teil I: Hashem N. kannte den Findberg, ein Mediziner entdeckte Mezgin N.s Leiche zufällig

Viele kürzere Aussagen waren an diesem Freitag Thema vor dem Landgericht Aschaffenburg. Zunächst befragten die Beteiligten Zeugen, die das Gebiet rund um den Findberg kennen, denn dort wurde die skelettierte Leiche von Mezgin N. im Dezember 2018 entdeckt. Mehrere Personen - Nachbarn aus dem ehemaligen Wohnort der Familie N. in Haibach-Grünmorsbach, ein Mountainbiker aus Aschaffenburg-Gailbach - gaben an, den Angeklagten auf den Waldwegen gesehen zu haben, entweder alleine, mit Sohn und Tochter oder nur einem der beiden Kinder. Eine Anwohnerin sprach der Polizei gegenüber von einem "fiesen Gesicht" des Angeklagten, aufgrund dessen ihr dieser aufgefallen sei.

Das Gericht verlas heute Vormittag zudem die Aussage des Mannes, der die Leiche ziemlich zufällig in einem Futtersilo auf dem Findberg entdeckt hatte. Der Zeuge ist Arzt, stammt aus der Region und kennt den Jagdpächter, mit dem er früher gemeinsam unterwegs war. Er war laut Aussage am 9. Dezember 2019 gemeinsam mit seiner Freundin in der alten Heimat und wollte ihr die Umgebung zeigen. Beim Spaziergang im Wald sei ihm das verfallene Wildtierdepot aufgefallen und er habe sich gefragt, ob noch Futter darin sei. Zunächst habe ich nicht erkannt, dass es sich um eine Leiche handelte", sagte der Mann, er habe erst nur Bekleidung erkannt. Dann aber habe er bemerkt, dass Kleidung und Schuhe bündig abschlossen, und mit einem Stock die Kleidung angehoben, so dass Knochen sichtbar wurden. "Da ich in meinem Medizinstudium öfter Leichen gesehen habe, war mir dann schnell klar, dass es sich um ein echtes menschliches Skelett handelt."

09.04.2021 | 08:52:00 Uhr
Wie ist das Gericht für diese Verhandlung besetzt?

Neben einer Schöffin und einem Schöffen besteht die Große Strafkammer des Landgerichts aus drei Berufsrichtern.

Wer am Richtertisch sitzt im Mordfall Mezgin, das haben wir den Sprecher des Gerichts, Ingo Krist, gefragt. Er erklärt auch, weshalb nicht Karsten Krebs, sondern Sebastian Geis in diesem Verfahren den Vorsitz eingenommen hat.

07.04.2021 | 18:46:23 Uhr
Der siebte Tag in der Zusammenfassung

Den kompletten Mittwochvormittag über befragten die Prozessbeteiligten einen ehemaligen Nachbarn der Familie N.

Der Nachbar der Familie in Goldbach, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hatte in der Vergangenheit bei Behördengängen als Dolmetscher für die Familie fungiert. Verwunderlich aber: Vor Gericht ließ er sich die Befragung von der Dolmetscherin nahezu komplett übersetzen und sprach ein eher einfaches Deutsch.

Gleich zu Beginn kam zur Sprache, dass gegen den Mann derzeit noch ein Ermittlungsverfahren läuft wegen Strafvereitelung - er soll verhindert haben oder versucht haben zu verhindern, dass Hashem N. nicht bestraft werden kann, es soll dabei um den Mord an Mezgin N. gehen. Der Nachbar hätte daher nichts sagen müssen zu dem Mord, entschied sich aber für die Aussage vor Gericht.

Laut den Schilderungen des Nachbarn missfiel Hashem N., dass Mezgin N. sich körperbetont kleidete, so dass sich etwa die Brustwarzen auf der Kleidung abzeichnete. Nach unserer Kultur, unserer Sitte sollte sie nicht herumlaufen wie ein Straßenmädchen", sagte der Zeuge. Der Angeklagte soll zu ihm gesagt haben, dass solche Mädchen" in Syrien nicht überleben würden. Laut dem Nachbarn soll Hashem N. jedoch gemeint haben, in Europa könne er nichts dagegen unternehmen.

Der Schöffe hakte nach: Was bedeutet es im türkischen oder syrischen Kulturkreis, sie werde nicht überleben? Der Zeuge antwortet: Die ganze Nachbarschaft wird keinen Kontakt mehr haben und wird nicht mehr mit der Familie sprechen wollen", es geht also um eine soziale Isolation.

Wichtig ist der Nachbar in diesem Verfahren unter anderem aus diesen Gründen:

- Er gab an, dass Hashem N. ihn am Tag von Mezgin N.s Verschwinden, dem 4. Mai 2017, besucht und gesagt haben, dass seine Tochter nicht mit ihm von der Schule mit nach Hause gefahren sei. Damit könnte er dem Angeklagten ein Teil-Alibi geben, was den Mord an N.s Tochter angeht. Der Angeklagte schweigt bisher.

- Der Nachbar sprach nach eigenen Angaben per Whatsapp-Anruf mit dem Hashem N., als sich dieser bereits in der Türkei aufhielt, wohin er nach dem Angriff auf Mezgin N.s Freund am Floßhafen in Aschaffenburg geflohen war: Er sagte mir, dass er Mezgins Freund in den Hals geschnitten hat." Mit dieser Angabe belastete der Nachbar den Angeklagten hinsichtlich der Messerattacke.

- Im selben Telefonat soll Hashem N. gesagt haben, dass der deutsche Staat" ihm Mezgin weggenommen habe. Ich glaubte, dass Mezgin beim Jugendamt oder in einem Frauenhaus ist", interpretierte der Nachbar im Zeugenstand.

Am Nachmittag sagten zwei junge Männer aus, ein Cousin von Mezgin N.s damaligen Freund und der Ex-Freund der Jugendlichen.

Der Cousin schilderte unter anderem, wie sehr sich der damals 23-Jährige nach dem Angriff verändert hatte, unter anderem Angst entwickelt habe.

Der andere Zeuge, damals 17 Jahre alt, war vor dem 23-Jährigen der Freund von Mezgin N. Nach seinen Angaben und einem Chatverlauf, der auf einen großen Bildschirm projiziert wurde, hatte Hashem N. ihn gedrängt, sich mit Mezgin zu verloben - oder sich von ihr zu trennen. Er habe sich daraufhin für die Trennung entschieden, so der Zeuge.

31.03.2021 | 13:41:29 Uhr
Zusammenfassung von Tag 6: Ein verworrenes Bild

Kurz gestaltete sich der sechste Prozesstag im Prozess gegen den Vater der getöteteten Mezgin N.: Ursprünglich sollte an diesem Tag die Mutter der Berufsschülerin aussagen, doch sie erschien nicht vor Gericht. Für die Große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Sebastian Geis kam das nicht unerwartet, deswegen hatten die Prozessbeteiligten schon zuvor beschlossen, bei Nicht-Erscheinen die Protokolle der Vernehmungen zu verlesen.

Das Bild, das sich dabei zeichnet, ist verworren: Traute die Frau ihrem Ehemann zu, etwas damit zu tun zu haben? Nein, ist sie laut Vernehmungsprotokoll vom 22. Mai 2017 sicher. Ihre Tochter ist zu diesem Zeitpunkt seit mehr als zwei Wochen verschwunden. Abgehauen aus Scham, weil sie mit ihrem Freund geschlafen habe, nimmt die damals 43-Jährige an. Zu ihrem Vater habe Mezgin eine sehr gute Beziehung gehabt, behauptet sie. Er habe sie nicht geschlagen. Zu dem Widerspruch, dass Hashem N. genau deswegen am 17. Mai 2017 zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, von der sie nach eigenen Angaben auch weiß, äußert sie sich nicht. Die Beamten haken nicht nach.
Ihr Mann habe Mezgin am 4. Mai von der Schule abholen wollen, sei aber ohne sie nach Hause gekommen, gibt sie an. Mezgin habe in der Schule bleiben wollen. Hashem N. sei wie gewohnt zur Arbeit gefahren und zurückgekommen, als die Tochter um 15.30 Uhr noch nicht zuhause gewesen sei.

Als die Beamten sie damit konfrontieren, dass der Rucksack ihrer Tochter am Main gefunden wurde, fragt sie: "Ist ihr etwas passiert?" und "Ist sie vielleicht ertrunken?". Sie weint. Ihr Mann habe "ein sauberes Herz, er würde ihr nie etwas antun", betont sie.

Dabei bleibt sie auch bei ihrer zweiten Vernehmung am 2. Juni 2017. Die Beamten befragen sie wenige Stunden, nachdem ihr Mann Hashem N. den Freund ihrer Tochter angriff, am Hals verletzte und floh. Ihr Mann habe wegen der anstehenden Haftstrafe fliehen wollen, gibt sie an. Deswegen habe er seine Koffer gepackt. Am Freund der Tochter habe er sich rächen wollen, weil dieser an Mezgins Verschwinden Schuld sei. "Mein Mann hat keinen Mut, sie umzubringen", betont sie laut Vernehmungsprotokoll.

Ganz anders ist die Situation laut Vernehmungsprotokoll am 19. Dezember 2018. Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass es sich bei der Leiche, die Spaziergänger im Wald fanden, um Mezgin handelt. "Was fühlen sie gerade?", fragen die Beamten. "Ich bin kaputt. Ich glaube nicht, dass sie weg ist", lautet die Antwort der Mutter. Erstmals äußert sie sich negativ über ihren Mann: Er habe zwei Gesichter, sei ein Mann, der "ganz böse sein kann". Er habe sie während ihrer Schwangerschaft mit Mezgin geschlagen, als er kein Geld fürs Glücksspiel bekam. Deswegen habe sie ihn verlassen und Mezgin zwölf Jahre lang allein großgezogen. Danach habe man sich wieder versöhnt und erneut geheiratet - nachdem er zwei Mal versucht habe, Mezgin zu entführen. Um die Tochter zu schützen, habe sie ihn wieder geheiratet. Sie habe "schon immer ein komisches Gefühl" bei ihm gehabt und ihm nicht vertraut. Sie habe vorgehabt, sich in Deutschland endgültig von ihm zu trennen. Über das Verhältnis zwischen Mezgin und ihrem Vater sagt sie: "Sie hatte Angst vor ihm, war aber auch frech zu ihm."

Am Tag von Mezgins Verschwinden sei ihr Mann Hashem "schlecht drauf" gewesen. Er habe Bilder von einem Chat-Gespräch zwischen Mezgin und ihrem Freund gehabt - offenbar von Mezgins Handy. "Schau mal, was sie für Scheiße schreiben", habe er gesagt. Wie er die Fingercode-Sicherung am Handy ihrer Tochter überwunden hatte, wusste sie nicht. Es könne sein, dass Hashem die Tat mit seinem Sohn geplant habe, räumt sie in dieser Vernehmung ein. "Ich traue Hashem die Tat zu." Zu ihrem Stiefsohn habe sie seit Hashems Verschwinden keinen Kontakt mehr. Ihren Mann habe sie zwischenzeitlich auf ihrem Handy blockiert, da er gedroht habe, die Kinder zu entführen. Sie hatte Anzeige wegen Bedrohung erstattet.

Das Protkoll enthält nicht nur Schuldzuweisungen, sondern hält auch die Verzweiflung der Mutter fest. Als "Vermerk" kennzeichnet die Polizei, was sich während der Vernehmung abspielt und was für die Einordnung relevant sein könnte. "Du bist Mezgin", sagt sie beispielsweise zu der Beamtin, die das Gespräch protokolliert, küsst ihr die Haare, streichelt und umarmt sie. Ein anderes Mal weint sie, küsst der Beamtin die Hand, schlägt sich selbst an den Kopf. "Ich träume immer von ihr, sie ist schwarz angezogen", sagt die Mutter an anderer Stelle. Offenbar will sie nicht wahrhaben, was die Obduktion erwiesen hat: "Sie ist nicht gestorben, sie lebt noch."

Zu Beginn der Verlesung dieses Protokolls fällt die stoische Gelassenheit, die meist an den Tag gelegte Unbeteiligtheit, kurzzeitig von Hashem N. ab. Der Richter hat gerade die Schilderung seiner Frau verlesen, dass er sie während der Schwangerschaft geschlagen habe, da gestikuliert der Angeklagte heftig und bittet um eine Unterbrechung, um auf die Toilette zu gehen. Er wirkt geknickt, als die Beamten ihn hinausführen. Liegt es daran, dass seine Frau sich hier deutlich gegen ihn wandte? Oder daran, dass kurz zuvor erstmals beschrieben wurde, wie sie leidet? Geht ihm das doch nahe? Auch als er wieder hereingeführt wird, hat er sich noch nicht gefangen: An seinem Platz redet er energisch auf seinen Dolmetscher ein - ihm zufolge beschwert er sich, dass die Beamten ihm weh getan hätten. Nach diesem kurzen Ausbruch verhält sich der Angeklagte, wie in vorangegangenen Verhandlungen: Er hört aufmerksam seinem Dolmetscher zu, macht sich Notizen, zeigt keine weitere Gefühlsregung. Diese wären ohnehin hinter dem Mundschutz schwer zu erkennen.

Eine erneute Kehrtwende zeigt das Protokoll der Vernehmung vom 6. Februar 2019 auf. Die inzwischen 45-Jährige berichtet von Kopfschmerzen und Schlafstörungen seit dem Leichenfund. Zwischenzeitlich hat sie der Bild-Zeitung ein Interview gegeben, der Reporter bekam von ihr die Handynummer ihres in Istanbul lebenden Mannes. Sie habe den Beamten auch gesagt, dass ihr Mann in Istanbul sei, behauptet sie - diese verneinen das. Die Dolmetscherin habe dass wohl falsch übersetzt, ist ihre Erklärung. Hashem habe Mezgin nie bedroht, heißt es plötzlich wieder. Konfrontiert mit der Aussage ihres Stiefsohnes, er habe die Tat mit dem Vater geplant und begangen, sagt sie, sie habe "als Mutter gespürt", dass der Stiefsohn sie umgebracht hat. Für ihn habe sie nie viel übrig gehabt. Über Hashem hingegen sagt sie nun wieder, dass dieser die Beziehung und die anstehende Heirat Mezgin akzeptiert habe. Die Beamten weisen sie auf die Widersprüche hin - aufgeklärt werden sie nicht.

Auch das Gericht wird sie nicht aufklären können - das wäre nur in der persönlichen Befragung möglich gewesen. So aber endet die Verhandlung nach zwei Stunden. Am Mittwoch, 7. April, wird der Prozess fortgesetzt. (fka)

29.03.2021 | 14:27:00 Uhr
Autopanne auf dem Weg nach Aschaffenburg

Einer der beiden Ex-Kollegen erzählte am Ende der Verhandlung, sein Auto sei auf der Anfahrt von auswärts zum Gericht kaputt gegangen, da habe er ein Auto gemietet, um kommen zu können. Ob er diese Kosten erstattet bekommt, ist wohl abzuwarten.

29.03.2021 | 14:25:25 Uhr
Die Zusammenfassung von Tag 5

Die wichtigsten Themen von Tag 5 im Mordfall Mezgin:

- Google-Standortdaten: Ein Polizist erläutert, dass die Google-Funktion der Standortfeststellung auf dem Handy von Hashem N. am Tag des Verschwindens nichts aufgezeichnet hat. Dafür gibt es drei möglich Gründe, wie der Beamte ausführt: ein technischer Defekt, die Funktion war zuvor deaktiviert worden oder die Daten wurden nachträglich gelöscht.

- Ein rechtsmedizinischer Abgleich von DNA-Spuren hat eine zweifelsfreie Identifikation" Mezgin N.s ergeben. In der Verhandlung trug das Gericht alle Einzelteile vor, die sich in dem Leichensack mit Mezgin N.s Skelett befanden, das man im Dezember 2018 gefunden hatte. Äußere Gewalteinwirkung konnte das Landeskriminalamt Bayern nicht festgestellt werden

- Unter den Zeugen waren zwei Lehrer, zudem wurde verlesen, was eine Sozialpädagogin bei der Polizei ausgesagt hatte. Alle berichteten unter anderem, dass Mezgin N. ängstlich gewesen sei und der Vater seine Tochter kontrolliert habe.

- Auch zwei ehemalige Arbeitskollegen des Angeklagten sagten aus, dabei ging es um gemeinsame Autofahrten zur Arbeit und inwiefern Mezgin N. oder ihr Freund Thema in den Gesprächen gewesen sind.

29.03.2021 | 13:49:22 Uhr
Wieder etwas weniger Zuhörer

Nicht mehr ganz so viele Zuhörer sind an diesem Tag in den Ridingersaal gekommen, drei sind es bei Sitzungsbeginn, einer davon ein Jurastudent, später bleiben noch zwei Zeugen nach ihren Aussagen da, nach der Pause gesellt sich noch ein weiterer Zuhörer dazu.

26.03.2021 | 19:50:26 Uhr
Mordfall Mezgin - Prozessauftakt
Freund sagt aus - "Ich habe vor jedem Angst"

Der junge Mann steht vor der Richterbank, reckt seinen Kopf nach rechts oben und blickt an die Decke des Ridingersaals im Schloss Johannisburg. "Das sind schon knapp zehn Zentimeter", beschreibt der Vorsitzende Richter Sebastian Geis die Narbe, die er auf dem Hals des 27-Jährigen sieht.

Dossier
26.03.2021 | 15:08:37 Uhr
Was ein Rechtsmediziner aus Würzburg sagt

Ein rechtsmedizinischer Gutachter aus Würzburg hat seine Aussage vor Gericht gemacht: Die Verletzungen am Hals des Freundes waren "nicht akut lebensgefährlich", allerdings "abstrakt lebensgefährlich", was so viel heißt wie: Der Täter konnte nicht steuern, wie schwerwiegend die Verletzung wird. "Der Geschädigte hatte Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist", meinte der Sachverständige.

26.03.2021 | 12:38:13 Uhr
Themen der Vernehmung

Bisher hat nur die Kammer Fragen gestellt zu den Komplexen:

- Vorfall am Floßhafen, bei dem der damals 23-Jährige eine Schnittverletzung am Hals erlitt

- Beziehung zwischen dem Zeugen und Mezgin N., hierbei stellte sich heraus, dass es dem Zeugen zufolge nur Oralverkehr und keinen Geschlechtsverkehr gegeben haben soll. Die Getötete hatte gegenüber Vertrauenspersonen von Geschlechtsverkehr gesprochen.

26.03.2021 | 12:34:14 Uhr
Angst im Gerichtssaal

Da der Zeuge Angst hatte, ließ das Gericht auf Anfrage des Nebenklagevertreters zu, dass sich ein Kripobeamter schräg hinter Mezgin N.s Freund setzte.

26.03.2021 | 12:31:31 Uhr
Mezgin N.s Freund im Zeugenstand

Der komplette Vormittag war für die Befragung von Mezgin N.s Freund, den der Angeklagte zu töten versucht haben soll, reserviert.

Dieser bestätigte allgemein die Annahmen der Staatsanwalt.

26.03.2021 | 09:05:19 Uhr
Tag 4 beginnt: Wichtige Aussage und mehr Zuhörer als zuletzt

Heute geht es weiter im Mordfall Mezgin.

Es soll der Freund der Getöteten aussagen. Dieser habe schon Angst, sagt sein Anwalt, Nebenklage-Vertreter Jens Goymann, vor Sitzungsbeginn.

An diesem Freitag sind auch einige der Zuhörerplätze belegt, rund zehn Personen sind heute Vormittag in den Ridingersaal des Schloss Johannisburg gekommen. Zuletzt war das Interesse deutlich geringer gewesen.

19.03.2021 | 17:44:18 Uhr
Zusammenfasstung des dritten Prozesstags

Neben mehreren Polizisten sagte heute eine Berufschul-Freundin von Mezgin N. aus. Sie war die letzte Außenstehende, die die junge Frau am Donnerstag, 4. Mai 2017, sah. Gut eine Stunde lang stellte sich die 20-Jährige den Fragen der Prozessbeteiligten. Sie habe Mezgin N. an jenem Tag gegen 11.30 Uhr zu dem Parkplatz in der Nähe der Berufsschule begleitet, an dem ihr Vater auf sie gewartet habe. Mezgin habe am Nachmittag regulär keinen Unterricht gehabt, wollte aber in der Schule bleiben. "Ihr Vater erlaubte es aber nicht", erinnert sich die Zeugin. Sie selbst sei zurück in den Unterricht gegangen, als es klingelte. Mezgin, die ihren Rucksack geholt habe, der noch in der Schule lag, sei wieder in Richtung des Parkplatzes gegangen. Um 11.37 Uhr schrieb Mezgin N. ihrer Freundin eine Nachricht auf WhatsApp. Danach brach der Kontakt ab. Klar ist: Die Nachrichten, die ihr Freund an jenem Tag ab 12.58 Uhr an Mezgin schickte, wurden nicht mehr zugestellt. Das Handy der jungen Frau war zu diesem Zeitpunkt offenbar aus - und blieb es. Das erläuterte einer der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei.

Als "mutig, offen, gut gelaunt und sympathisch" beschrieb die Zeugin ihre Freundin Mezgin. Sie hätten aber nur in der Berufsschule, in den Pausen und auf der gemeinsamen Busfahrt zum Hauptbahnhof Kontakt gehabt. Nachmittags habe Mezgin sich nicht mit ihr treffen dürfen: "Ihr Vater erlaubte es nicht." Mezgin habe ihr erzählt, dass sie einen Freund habe, der auch aus Syrien und ein paar Jahre älter sei. "Aber ich habe nicht weiter nachgefragt", sagte die 20-Jährige vor Gericht aus. An jenem Donnerstag habe sie das einzige Mal erlebt, dass Mezgin von der Schule abgeholt wurde. "Wir sind sonst zusammen mit dem Bus gefahren", sagt sie.

Der Angeklagte Hashem N. verfolgte die Aussage äußerlich ruhig. Einzig sein heftig wippender Fuß zeugte von Anspannung und Nervosität. Das Verhalten des Vaters gab schon dem ersten Beamten, der in der Vermisstensache ermittelte, Rätsel auf. Er habe mehrfach vergeblich versucht, Hashem N. zu erreichen, nachdem dieser die Anzeige aufgegeben hatte, schilderte der Polizist. Er sei aber nicht ans Telefon gegangen. "Wenn meine Tochter weg ist, nehme ich das Telefon sogar mit unter die Dusche", beschrieb der Beamte beispielhaft, welches Verhalten er von einem besorgten Vater erwartet hätte. "Ich hatte das Gefühl, es interessiert ihn nicht."

Diesen Eindruck schilderte auch eine Polizistin, die Hashem N. ebenfalls in der Vermisstensache vernahm, bevor die Kripo involviert war. "Er wirkte sehr gefasst und ruhig. Ich hätte einen aufgeregteren Eindruck erwartet", sagte sie.

Der Prozess wird am Freitag, 26.März, 9 Uhr, fortgesetzt.

Katrin Filthaus

19.03.2021 | 10:07:23 Uhr
Prozesstag beginnt mit Überraschung

Überraschung zu Prozessbeginn: Ab heute ist der Platz des Nebenklagevertreters besetzt. Rechtsanwalt Jens Goymann vertritt den Freund Mezgins, den Hashem N. am 2. Juni 2017 am Aschaffenburger Floßhafen angegriffen und potenziell lebensgefährlich am Hals verletzt haben soll.

Der damals 23-Jährige war dem Vorsitzenden Richter Sebastian Geis zufolge bislang nicht auffindbar. Nun sei er gefunden. "er kann und wird nach derzeitigem Stand aussagen", so Geis. (fka)

19.03.2021 | 08:48:48 Uhr
Dritter Prozesstag beginnt in wenigen Minuten

Im Ridingersaal des Schloss Johannesburg beginnt in wenigen Minuten der dritte Prozesstag im Mordfall Mezgin. Heute wird es in erster Linie um den zweiten Anklagepunkt, den versuchten Mord an Mezgins Freund am Aschaffenburger Floßhafen gehen. Als Zeugen werden mehrere Polizisten erwartet. Wir halten Euch hier auf dem Laufenden beziehungsweise fassen den Prozesstag später hier für Euch zusammen. (fka)

18.03.2021 | 00:00:00 Uhr
Mordfall Mezgin - Prozessauftakt
»Spirale der Gewalt« in der Familie N.?

Ob Hashem N. der Mord an seiner Tochter Mezgin nachgewiesen werden kann, erscheint bislang äußerst fraglich: Die Todesursache ist unklar. Es gibt keine Mordwaffe.

Dossier
18.03.2021 | 00:00:00 Uhr
Psychologe Jan Ilhan Kizilhan
Interview zum Thema Ehrenmorde: »Denkmuster müssen verändert werden«

Der Psychologe Jan Ilhan Kizilhan hat untersucht, wer in Deutschland sogenannte Ehrenmorde begeht und wie es zu den Taten kommt.

Dossier
18.03.2021 | 00:00:00 Uhr
"Die Fremde"
Wenn der Angriff auf die Ehre mit Tod bestraft wird

Er soll seine Tochter Mezgin ermordet und versucht haben, ihren Freund zu töten: Wegen dieser Vorwürfe muss sich derzeit Hashem N., der aus Syrien geflüchtet war und zu den Tatzeitpunkten im Jahr 2017 mit seiner Familie in Goldbach (Kreis Aschaffenburg) lebte, vor dem Aschaffenburger Landgericht verantworten.

Dossier
11.03.2021 | 17:58:13 Uhr
Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige

Zu Ehrenmord, Zwangsheirat sowie Gewalt gegen Frauen und Männer gibt es verschiedene Informations- und Hilfsangebote. Eine Auswahl:

o Hilfe-Telefon "Gewalt gegen Frauen" des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag kostenlos erreichbar unter Telefon 08000 116 016. Funktioniert auch bei Handys ohne Guthaben. Die Beraterinnen sind ausgebildete Fachkräfte. Eine Beratung ist in 17 Fremdsprachen möglich. Online-Infos gibt es unter www.hilfetelefon.de.

o Anlaufstellen für Frauen und Mädchen führt die »Osthessische Initiative gegen Gewalt im Namen der Ehre« auf. Hier sind auch Mädchenhäuser als Zufluchtsorte benannt: ehre-gewalt.de

o Liste mit Beratungsstellen, zusammengestellt vom Verein »Terre des Femmes - Menschenrechte für Frauen« auf der Internetseite www.zwangsheirat.de. Die vom bayerischen Untermain aus nächstgelegenen Einrichtungen befinden sich in Frankfurt und Darmstadt.

o Männer-Hilfe-Telefon des Gleichstellungsministeriums in Nordrhein-Westfalen: Von Gewalt oder Zwangsheirat betroffene Männer finden Unterstützung unter Telefon 0800 1239900 und auf der Internetseite maennerhilfetelefon.de. (nle)

09.03.2021 | 17:17:17 Uhr
Zusammenfassung Tag 2

Der zweite Prozesstag hat mehrere Themen angerissen, die im Laufe der Verhandlung sicherlich noch weiter beleuchtet werden:

- Hashem N. macht keine Angabe zu seinen persönlichen Verhältnissen, daher wissen wir wenig über ihn und die Familienverhältnisse.

- Beweislage gegen Hashem N. bezüglich der Tat am Floßhafen: Es gibt keine Videoaufnahmen, die ihn im Zusammenhang mit dem versuchten Mord zeigen.

- Mezgin N.s Freund war offenbar schon einmal verheiratet.

09.03.2021 | 17:04:15 Uhr
Erste Infos zu Mezgin N.s Freund

Im Laufe des zweiten Verhandlungstages erhielten die Beobachter erste Informationen zu dem damals 23 Jahre alten Freund von Mezgin N., den Hashem N. angegriffen haben soll. So sollen sich der 23-Jährige und zumindest Teile der Familie N. schon aus Syrien kennen. Inwiefern eine Bekanntschaft oder Verwandtschaft besteht, vermochten die Befragten aber nicht auszumachen und auch die Frage, ob sich Mezgin N. und ihr Freund erst in Deutschland kennenlernten, bleibt zunächst eher eine Annahme.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Geis erwähnte eine Beiakte: In einem anderen Verfahren gab der 23-Jährige - wohl bevor er eine Beziehung zu Mezgin N. hatte - gegenüber der Polizeiinspektion an, dass er nach islamischem Recht verheiratet zu sein. Der dazu befragte Kripobeamte konnte dazu jedoch keine Angaben machen, das es diese Akte nicht kannte.

09.03.2021 | 16:52:01 Uhr
Auswertung von Daten, sofern sie vorliegen

Für den Dienstagnachmittag hatte das Gericht weitere Polizeibeamte in den Ridingersaal geladen. Wenig trivial erschien dabei, zutreffende Aussagen über die Kommunikation zwischen diversen Handys nachzuvollziehen: Ein Polizist, der für die Auswertung der Daten, die er von Providern erhalten hatte, erläuterte, dass etwa Whatsapp-Nachrichten, die über eine W-lan-Verbindung gesendet wurden, unsichtbar" seien, weil solche Nachrichten keine Kosten verursacht hätten.

Zudem waren offenbar Standortdaten zum Handy des Angeklagten über die Einwahl in Funkmasten analysiert worden, nicht aber solche Standortdaten, die über Google gespeichert worden sein könnten. Diese hätte gesondert gemacht werden müssen - was offenbar nicht erfolgt ist.

09.03.2021 | 16:41:04 Uhr
Textile Defekte

Wie schon am vergangenen Donnerstag wurden noch einmal Fotos in Augenschein genommen, unter anderem vom Auffindeort auf dem Findberg zwischen Haibach-Grünmorsbach (Kreis Aschaffenburg) und Aschaffenburg-Gailbach und von der Obduktion bei der Rechtsmedizin. Der Polizist machte noch einmal deutlich, dass die textilen Defekte" an den Überbleibseln der Kleidung von Mezgin N. keine Hinweise geben auf Messerstiche. Denn laut Anklage soll Mezgin so gestorben sein, entweder durch die Tat ihres Vater, dem angeklagten Hashem N., oder ihres Halbbruders.

09.03.2021 | 12:41:28 Uhr
Wer ist Hashem N.?

Am Vormittag ging es zunächst um Persönliches von Hashem N., der selbst keine Angaben gemacht hatte, daher fragte das Gericht den Kripobeamten. N.s Sohn - der mögliche zweite Tatverdächtige - hatte den Beamten gegenüber angegeben, sein Vater habe in Syrien zwei Gewaltdelikte begangen: er soll seinen damaligen Chef erschossen und einen weiteren Mann schwer verletzt haben. "Ob das stimmt, weiß man nicht", so der Polizist, denn eine Anfrage im Kriegsland Syrien zu möglichen Vorstrafen N.s sei unbeantwortet geblieben. Hinzukommt: "Wir können nicht mal sagen, ob er wirklich Hashem N. heißt, wir haben keine Möglichkeit, das behördlich zu prüfen."

09.03.2021 | 09:33:05 Uhr
Mordmerkmale

Nachfrage an den Sprecher des Landgerichts: Was hat es mit den angesprochenen Mordmerkmalen auf sich?

09.03.2021 | 09:30:00 Uhr
Welche Motive sieht die Staatsanwaltschaft?

Gerichtssprecher Ingo Krist zum Thema Motive, Teil 2.

09.03.2021 | 09:29:00 Uhr
Welche Motive sieht die Staatsanwaltschaft?

Gerichtssprecher Ingo Krist zum Thema Motive, Teil 1.

09.03.2021 | 08:55:02 Uhr
Der zweite Prozesstag

An diesem Dienstag findet der zweite Verhandlungstag im Schloss Johannisburg statt.

Laut derzeitiger Planung kommt heute unter anderem noch einmal einer der beiden Polizisten, die schon am Donnerstag vor Gericht waren. Er wurde erneut geladen, damit die Verfahrensbeteiligten Fragen stellen können, am ersten Prozesstag war dafür keine Zeit geblieben.

Ansonsten ist mit weiteren Zeugenaussagen von Polizisten zu rechnen, die mit einem der beiden angeklagten Fällen zu tun hatten.

04.03.2021 | 21:43:25 Uhr
Das war der erste Prozesstag: Wie wurde Mezgin N. getötet?

Als auf dem großen Bildschirm zu sehen ist, wie die Leiche seiner Tochter Mezgin aus dem Loch gehoben wird und dabei ein Teil des Skeletts bricht, tränen Hashem N.s Augen.

Dossier
04.03.2021 | 20:59:22 Uhr
Zusammenfassung Tag 1

Der erste Prozesstag hat eine Reihe von neuen Aspekten zutage gefördert, darunter:

- Halbbruder von Mezgin N.: Er gab einmal an, der gemeinsame Vater habe Mezgin ermordet, ein anderes Mal sagte er, er sei der Mörder gewesen.

- Todesursache: Offen ist noch, wie Mezgin N. zu Tode kam.

- Familiengeschichte: Offenbar gehörte in der Familie N. Gewalt zur Tagesordnung, ein Polizist sprach von einer "Spirale der Gewalt".

04.03.2021 | 20:53:36 Uhr
Zeuge Nummer zwei kommt ebenfalls von der Kripo

In der zweiten Prozesshälfte sagte ein weiterer Aschaffenburger Kriminalpolizist aus. Dieser war vorallem mit dem zweiten angeklagten Delikt - versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung zum Nachteil von Mezgin N.s Freund - betraut. Der Beamte schilderte, dass das Opfer noch im Klinikum vernommen worden war. Die Angaben des 23-Jährigen ordnete er als nachvollziehbar ein, es gab offenbar keinen Grund Zweifel an der Darstellung zu haben. Demnach entsprach der Tatablauf den Ausführungen in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Hashem N. hatte den 23-Jährigen am 1. Juni 2017 kontaktiert, um ihn zu treffen, was dann auch geschah. Die Männer liefen dann stundenlang durch die Stadt und landeten schließlich am Mainufer, wo sie sich auf eine Treppe setzten und rauchten. Im Gespräch soll es darum gegangen sein, dass Mezgin N. und ihr Freund aus Hashem N.s Sicht dafür verantwortlich gewesen sein, was ihm widerfuhr: Er sollte nämlich am 2. Juni eine Haftstrafe antreten, weil er wegen Misshandlung von Mezgin verurteilt worden war. 
Wie Hashem N.s Frau laut dem Polizisten später aussagen sollte, hatte N. vor dem Treffen mit dem 23-Jährigen bereits eine Tasche gepackt und schon von einer Flucht gesprochen. Diese Tasche fand die Kripo in Aschaffenburg in einem Auto, als Hashem N. sich schon auf der Flucht befand.

04.03.2021 | 16:26:37 Uhr
Mordfall Mezgin: Von der Vermisstensuche zum Prozess
04.03.2021 | 16:14:48 Uhr
04.03.2021 | 13:34:53 Uhr
Familiengeschichte

Zentral sind die Geschehnisse in der Familie N., die sich vor den Taten ereigneten: Die Zuhörer im Ridingersaal erfahren, dass nach Aussagen des Polizisten viel Gewalt geherrscht hat, immer wieder war die Tochter das Opfer, aber auch ihr Halbbruder. Mezgin N. war zwischenzeitlich auch nicht bei ihrer Familie untergebracht, Hintergrund waren Verletzungen, die ihr der Vater beigebracht hatte.

04.03.2021 | 13:23:53 Uhr
Polizist: Sie wurde wie Müll entsorgt

Der Beamte der Kriminalpolizei Aschaffenburg, der als erster Zeuge aussagt, zeigt auch Videos vom Fundort: Die Leiche war in einem Betonschacht abgelegt worden, nach den Worten des Polizisten wurde Mezgin N. wie Müll entsorgt", anders könne er das nicht ausdrücken.

04.03.2021 | 13:21:34 Uhr
Neue Details: Zweiter Tatverdächtiger?

In der ersten Hälfte des Sitzungstages kommen dann aber doch sehr viele neue Details zu dem Fall ans Licht: Vor allem, was eine mögliche Beteiligung von Mezgin N.s Halbbruder anbelangt. Dieser soll laut Anklage bei dem Mord dabei gewesen sein. Der Bruder - Mezgin und er haben denselben Vater - war damals wohl noch nicht strafmündig. Wer die Tat letztlich beging, Vater oder Sohn, das ist derzeit noch offen.