Mittwoch, 20.10.2021

Blog: Der Mordfall Mezgin

Um den Mord an der 16 Jahre alten Mezgin N. im Jahr 2017 geht es ab 4. März vor dem Landgericht Aschaffenburg. Angeklagt ist der Vater, Hashem N. Er soll auch verantwortlich sein für den versuchten Mord am Freund seiner Tochter.

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28.04.2021 | 17:09:27 Uhr
Mezgin N. nicht vergessen

Mezgin N.s Tod wurde in diesem Verfahren nicht aufgeklärt, niemand wird für das bestraft, was mutmaßlich ein Verbrechen war. Schon vor Rechtskraft des Urteils steht fest: Für Hashem N. als möglichen Täter gibt es schlichtweg keine stichhaltigen Beweise. Nina Lenhardt über den Ausgang des Mordprozesses.

Dossier
22.04.2021 | 20:38:17 Uhr
Plädoyers: Von Freispruch bis Lebenslänglich ist alles dabei

Einig waren sich Oberstaatsanwalt, Nebenklageanwalt und Verteidiger hinsichtlich des Mordes an Mezgin N.: Die Tat kann dem angeklagten Hashem N. nicht nachgewiesen werden. Insofern zeigten sie sich alle mit einem Freispruch in diesem Anklagepunkt einverstanden.

Dossier
22.04.2021 | 20:35:43 Uhr
Freispruch und Haftstrafe für Hashem N.

Das Landgericht Aschaffenburg hat Hashem N. am Donnerstag wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten verurteilt. Vom Vorwurf des Mordes an seiner Tochter Mezgin N. wurde der 46-Jährige im Aschaffenburger Schloss freigesprochen.

Dossier
22.04.2021 | 20:19:43 Uhr
Gericht: "Er wollte ihn töten"

Nach 13 Prozesstagen ist Hashem N. vielleicht der wahrscheinlichste Täter in Sachen tote Mezgin N.: »Aber das ist nicht der Maßstab«, sagt der Vorsitzende Richter Sebastian Geis gleich zu Beginn der Urteilsbegründung, als es vor dem Landgericht Aschaffenburg um den Freispruch des Angeklagten vom Mordvorwurf geht.

Dossier
22.04.2021 | 19:07:55 Uhr
Das bleibt vom Prozess in Erinnerung

Blaulicht-Redakteurin Katrin Filthaus schildert ihre Eindrücke.

22.04.2021 | 18:33:16 Uhr
Das sagt die Leitende Oberstaatsanwältin Monika Schramm

So kommentiert die Leiterin der Aschaffenburger Staatsanwaltschaft Monika Schramm das Urteil und den Vorwurf, dass im Mordfall Mezgin keine Anklage hätte erhoben werden dürfen.

22.04.2021 | 17:40:41 Uhr
Das sagt die Verteidigung zum Urteil

Verteidiger Jürgen Vongries kommentiert das Urteil gegen seinen Mandanten und sagt, wie es weitergeht.

22.04.2021 | 17:40:00 Uhr
Nebenklagevertreter: "Der Angeklagte kann sich nicht beschweren"

Jens Goymann, der den Freund Mezgin N.s als Nebenklageanwalt vertritt, sagt er sei froh darüber, wie das Gericht die "aberwitzige Darlegung" des Verteidigers bezüglich einer möglichen Täterschaft im Mordfall Mezgin oder einer Selbstverletzung seines Mandanten an jenem Abend im Juni 2017 eingeordnet hatte. Ihn freue es, dass die Aussage seines Mandanten, der bei Urteilsverkündung im Saal war, als "objektiv und glaubwürdig" festgestellt wurde. "Über die Strafe - acht Jahre und neun Monate - kann sich der Angeklagte nicht beschweren", findet der Nebenklageanwalt. (fka/nle)

22.04.2021 | 17:22:03 Uhr
Das Urteil wegen versuchten Mords

Landgerichtssprecher Krist erklärt, warum das Schwurgericht Hashem N. In diesem Anklagepunkt schuldig sprach.

22.04.2021 | 17:17:26 Uhr
Das Urteil im Mordfall Mezgin

Landgerichtssprecher Ingo Krist erläutert den Richterspruch bezüglich des Mordverwurfs gegen Hashem N. 

22.04.2021 | 15:11:05 Uhr
Freispruch im Mordfall Mezgin, Haftstrafe für versuchten Mord an ihrem Freund

Die Große Strafkammer als Schwurgericht spricht den Angeklagten Hashem N. vom Vorwurf des Mordes an seiner Tochter Mezgin frei.

Den Angriff auf ihren Freund am Aschaffenburger Floßhafen im Juni 2017, der Hashem N. vorgeworfen wird, wertet die Kammer als versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und verhängt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten. (fka)

22.04.2021 | 14:53:14 Uhr
Er ist da

Es kann losgehen.

22.04.2021 | 14:49:11 Uhr
Warten auf den Angeklagten

Alle warten gespannt auf den Urteilsspruch. Der Angeklagte wird gleich vorgeführt.

22.04.2021 | 12:13:14 Uhr
Das Urteil wird für 15 Uhr erwartet

So lange berät sich das Schwurgericht.

22.04.2021 | 11:32:07 Uhr
So plädierte Verteidiger Vongries
22.04.2021 | 11:10:00 Uhr
Angeklagter äußert sich

Erstmals in diesem Prozess äußert sich Hashem N., als der Vorsitzende Richter Sebastian Geis nach den Plädoyers sagt, dass der Angeklagte nun das "letzte Wort" habe. "Mein Verteidiger hat alles gesagt", übersetzt sein Dolmetscher. Damit könnte es gut sein. Aber der Angeklagte fährt fort: "Ich habe noch eine Bemerkung." Er führt aus, dass er den Freund seiner Tochter "bestimmt getötet hätte", wenn er an jenem Abend da gewesen wäre. "Aber ich war nicht da", sagt er. Es geht Hashem N. offenbar darum klarzustellen, dass der Freund ihm nicht entkommen wäre: "Ich war sportlich, bin fähig zu laufen, ich kann ihn erwischen. So kräftig ist er nicht." Er schließt mit dem Satz: "Ich bedanke mich." (fka)

22.04.2021 | 10:51:18 Uhr
Verteidiger: Versuchter Mord ebenfalls nicht nachweisbar

Der Verdacht des versuchten Mordes an Mezgins Freund sei ebenfalls nicht nachweisbar. "Wer im Sinn hat, jemanden abzustechen, der wird ein anderes Messer mitnehmen, als gerade dieses Cutter-Messer?" Welches Motiv soll er haben, fragt Vongries? Der Freund habe sich in der Familie bewegt, sei in die Suche eingebunden worden, N. habe ihn gebeten, sich um die Familie zu kümmern, während er im Gefängnis sei. Klar sei: Hashem N. saß auf gepackten Koffern. Grund sei die anstehende Haftstrafe, die er wenige Stunden später antreten sollte gewesen, nicht der geplante Angriff auf den Freund, führt Vongries seine Sicht der Dinge aus. "Vieles an der Schilderung dieses Abends passt nicht zusammen", so der Verteidiger. Er verweist auf fehlende Blutspuren am Main. Der Aussage des Zellengenossen, der am Mittwoch ausgesagt hatte, Hashem N. habe erzählt, dass er seinen Schwiegersohn in spe niedergestochen habe, sei nicht verwertbar. Der Zeuge habe selbst gesagt, dass man sich nur schwer habe verständigen können. Er habe aber beispielsweise gesagt, die Tat sei in einer Kneipe erfolgt, nachdem man gemeinsam getrunken und Drogen konsumiert habe.

Für mich ist dieser Versuch, wenn er denn stattfand, nicht gescheitert: "Er hat - wenn dann - davon Abstand genommen und dann sind wir bei gefährlicher Körperverletzung. "Der Freund habe eine Tatausführung behauptet, "die unmöglich ist", so Vongries. Er verweist darauf, dass er nicht wiedergeben konnte, wie Hashem N. den Schnitt an seinem Hals - laut Rechtsmediziner von links nach rechts" ausführte. "So einen Schnitt kann ich mir auch selbst beibringen, das tut zwar weh, aber es geht." Der Freund habe sich durch den geschilderten Angriff selbst als Tatverdächtiger aus dem Spiel genommen - was auch funktioniert habe. "Ich bin der Meinung, dass mein Mandant auch hier vom Tatverdacht freizusprechen ist", sagt Vongries. Die Haftbefehle seien aufzuheben. (fka)

22.04.2021 | 10:20:16 Uhr
Verteidiger Jürgen Vongries plädiert auf Freispruch von Mordvorwurf an Mezgin

Wegen des Verdachts des Mordes an seiner Tochter Mezgin sei Hashem N. freizusprechen, greift Vongries die Einschätzung seiner Vorredner von Anklage und Nebenklage auf. Man hat sich sehr früh auf ihn eingeschossen und andere Tatverdächtige ausgeschlossen", sagt er über seinen Mandanten. Auch der Halbbruder oder der Freund Mezgins kommen nach Meinung des Verteidigers als Täter infrage, wenn es sich um einen Mord handelte. Ein mögliches Motiv wäre in beiden Fällen Eifersucht, so Vongries. Der Halbbruder habe den Lebensstil seiner Schwester nicht gemocht und sei möglicherweise neidisch gewesen, dass Mezgins Mutter bei ihr in Deutschland lebe, seine eigene Mutter in der Türkei. Laut Mezgins Mutter hatte diese ihrem Freund geschrieben "Es ist aus." Laut Vongries spricht vieles am Verhalten des Freundes für krankhafte Eifersucht. Er betont aber auch: "Wir kennen die Todesursache nicht. War es fremdverschuldet, fahrlässig fremdverschuldet, ein Unfall - all das wissen wir nicht." (fka)

22.04.2021 | 09:04:30 Uhr
Kameras richten sich auf Angeklagten

Heute, am vorausschtlichen Tag des Urteils, ist das Medieninteresse wieder groß. Kameras richten sich auf den Angeklagten, als er vorgeführt wird. Hashem N. versteckt sein Gesicht hinter einem braunen A3-Umschlag, sitzt dann mit dem Rücken zu den Prozessbeobachtern an seinem Platz die Jacke über den Kopf und wippt erneut heftig mit dem Bein. Alle warten gespannt auf den Prozessbeginn. (fka)

22.04.2021 | 08:59:59 Uhr
Was steht auf dem Blatt, das dem Gericht überreicht wurde?

Nach Ende des Verhandlungstages am Mittwoch hat der Vorsitzende Richter Anklage, Nebenklage und Verteidiger nochmal an den Richtertisch gebeten. Zuvor - mitten in den Plädoyers - hatte eine Urkundsbeamtin des Gerichts ihm ein Blatt Papier überreicht. Das ist eher ungewöhnlich.

Offenbar gibt es daher heute, am Donnerstag, also noch mal eine Unterbrechung des üblichen Ablaufs, und das Papier wird verlesen. Gibt es noch mal Neuigkeiten in dem Prozess?(nle)

Ergänzung: Das Papier wird an diesem Vormittag nicht thematisiert. Die Prozessbeteiligten haben sich offenbar darauf geeinigt, mit dem geplanten Programm fortzufahren. Andernfalls hätte die Beiweisaufnahme erneut eröffnet werden müssen. Anschließend hätten Anklage und Nebenklage ihr Plädoyer wiederholt oder gesagt, dass sie auf ihr gestriges Plädoyer Bezug nehmen. Erst dann hätte Verteidiger Jürgen Vongries plädieren können. (fka)

21.04.2021 | 16:21:30 Uhr
Das sagt die Nebenklage

Ingo Krist fasst das Plädoyer der Nebenklage zusammen.

21.04.2021 | 16:18:32 Uhr
So plädierte die Staatsanwaltschaft

Landgerichtssprecher Ingo Krist erläutert die Einschätzung der Anklage.

21.04.2021 | 15:49:51 Uhr
Nebenklagevertreter sieht keinen Minderungsgrund

"Im Zweifel für den Angeklagten", unterstreicht auch Jens Goymann, der den Freund Mezgins vertritt. Dazu, wie diese zu Tode kam, wann, wo und wer verantwortlich sei, sind keine gesicherten Feststellungen möglich", so der Nebenklagevertreter.

"Der Tatvorwurf wegen versuchten Mordes konnte hingegen geführt werden", stimmt er dem Oberstaatsanwalt zu. Sein Mandant habe den Tatablauf widerspruchsfrei geschildert - nach so langer Zeit nicht selbstverständlich. "Alles was er hier gesagt hat, war aus eigener Erinnerung, er kannte die Akte vor seiner Aussage nicht."

Erst nach der Aussage seines Mandanten habe er, Goymann, sich die Akte geben lassen. Sein Mandant habe vor Gericht keinen Belastungseifer gezeigt, betont Goymann. "Er hat und hatte Angst, aber er hat diese Aussage gemacht. Er sieht das auch als Verpflichtung gegenüber seiner verstorbenen Verlobten", erklärt Goymann. "Die Angst hat er nach wie vor - mit Sicherheit nicht unbegründet", nimmt er Bezug auf die Aussage von Hashem N.s ehemaligem Zellengenossen am Vormittag. Dieser hatte angegeben, Hashem N. habe im Gefängnis mehrfach gesagt, er wolle seine Tat vollenden und den Freund seiner Tochter töten, wenn er aus der Haft komme: "Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass dieser Tatvorwurf so ist, wie er von der Anklagebehörde erheben wurde."

Auch der Nebenklagevertreter sieht bei der Tat gegen seinen Mandanten das Mordmerkmal der Heimtücke. Sein Mandant habe auf den Main geblickt und sei arg- und wehrlos gewesen, als er von hinten angegriffen wurde. "Niedere Beweggründe können wir als zusätzliches Mordmerkmal nicht zweifelsfrei annehmen. Ich könnte mir vieles vorstellen, aber entscheidend sind die belastbaren Beweise in der Hauptverhandlung." Auch er sieht - wie der Oberstaatsanwalt - den versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung als beweisen an. Anders als Bundschuh sieht er keinen Grund für eine Milderung, weil es bei dem Versuch blieb: Wennn das Gericht dieser Einschätzung folgen würde, bedeutete das eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Einen konkreten Antrag stellt Goymann aber nicht. Auch die Festlegung der Höhe eines Schadensersatzes für seinen Mandanten überlässt er der Kammer. (fka)

21.04.2021 | 14:52:14 Uhr
Oberstaatsanwalt von versuchtem Mord überzeugt

Überzeugt ist Bundschuh aber, dass Hashem N. versuchte, den Freund seiner Tochter umzubringen. Wegen des versuchten Mordes mit dem Mordmerkmal "Heimtücke" in Tatenheit mit gefährlicher Körperverletzung fordert der Anklagevertreter eine Freiheitsstrafe von elf Jahren. Für Mord drohe eine lebenslange Freiheitsstrafe, bei einem Versuch könne das Gericht die Strafe mindern, erklärt der Oberstaatsanwalt. Diese Minderung ist in seiner Forderung berücksichtig.

Nach einer Pause wird Jens Goymann, der den Freund Mezgins vertritt, die Forderungen der Nebenklage erläutern. (fka)

21.04.2021 | 14:49:01 Uhr
Oberstaatsanwalt: Freispruch von Mordvorwurf

Es gehe hier nicht um einen Freispruch erster Klasse, sagt der Oberstaatsanwalt in der Gesamtwürdigung: Viele Umstände könne man als Indiz dafür sehen, dass der Angeklagte mit dem Tod Mezgins etwas zu tun habe. "Ich halte ihn nicht für unschuldig, aber es geht darum, eine konkrete Tat festzustellen". Ein Schuldspruch sei nicht zu rechtfertigen. "Es ist höchst bedauerlich, wenn der Tod eines Mädchens nach so einer langen Hauptverhandlung ungesühnt bleibt", betont Bundschuh. Aber es gelte: Im Zweifel für den Angeklagten. (fka)

21.04.2021 | 14:48:14 Uhr
Anderer Tathergang?

In dem Auto, das Hashem N. fuhr, seien keine Spuren gefunden worden, die auf einen Leichentransport hindeuteten. Auch die Leichenspürhunde der Polizei schlugen nicht an. Weder Todeszeitpunkt noch Todesursache waren feststellbar, nur, dass das Skelett unbeschädigt war. Auch ein Unfalltod, etwa in Folge eines Schädel-Hirn-Traumas sei dem Sachverständigen zufolge denkbar. "Spekulativ, aber vorstellbar" sei, dass Mezgin von ihrem Halbbruder ohne Veranlassung des Angeklagten getötet wurde, so der Oberstaatsanwalt. "Möglicherweise wollte der Junge dem Angeklagten, der mit Mezgins Verhalten nicht einverstanden war, in vorauseilendem Gehorsam ein Problem abnehmen". (fka)

21.04.2021 | 14:47:35 Uhr
Oberstaatsanwalt plädiert: Tatnachweis für Tötung Mezgins nicht geführt

Den Anklagevorwurf des Mordes an Mezgin N. sieht Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh nicht durch Beweise bestätigt. Er zählt die bekannten Fakten auf: Den Schulbesuch Mezgins am Tag ihres Verschwindens, ein Treffen mit ihrem Vater auf einem Parkplatz nahe der Berufsschule, dessen Fahrt zur Arbeit, sein Arbeitsende sowie der Zeitpunkt der Vermisstenanzeige. "Wir wissen, dass ihr Freund Mezgin um 12.58 Uhr eine Nachricht schrieb, die nicht zugstellt wurde. Dass ihr Rucksack elf Tage nach ihrem Verschwinden gefunden wurde und ihre Leiche am 9. Dezember 2018." Um die Lücken zu füllen, habe es umfangreiche polizeiliche Ermittlungen gegeben und eine sehr sachliche Beweisaufnahme über mehrere Verhandlungstage. Um ihre Vorwürfe zu untermauern, habe die Anklage maßgeblich auf die Aussage des Halbbruders Mezgins gesetzt. Doch dessen Angaben stufte die vom Gericht beauftragte Gutachterin als Falschaussage ein. Laut Bundschuh eine nachvollziehbare Einstufung.

Es gebe starke Indizien für ein mögliches Tatmotiv: Der Angeklagte sei mit dem Lebensstil seiner Tochter nicht einverstanden gewesen, er habe ihr zuvor Zeugen zufolge mehrfach mit dem Tod gedroht, sie geschlagen. Aber all das reiche nicht aus. (fka)

21.04.2021 | 13:00:46 Uhr
Was sind Plädoyers?

Der Aschaffenburger Landgerichtssprecher Ingo Krist erklärt.

21.04.2021 | 12:50:56 Uhr
So lief der Prozesstag bislang

Blaulicht-Redakteurin Katrin Filthaus fasst den Vormittag zusammen.

21.04.2021 | 11:20:35 Uhr
Zellengenosse sagt aus

Der Zeuge hatte einen weiteren Gefangenen angegeben, der die Unterhaltung angeblich gehört hatte. Es handelt sich um den ehemaligen Zellengenossen Hashem N.s. Dieser ist seit Anfang April rechtskräftig verurteilt - hat also kein Interesse an einem Handel, wie sein Vorrredner.

Von dem Mord wisse er nichts, gibt der ehemalige Zellengenosse an, der Name Mezgin sage ihm nichts. Er gibt aber an, Hashem N. habe mehrfach einen Namen erwähnt und gesagt, dass er den Betreffenden im Streit mit einem Messer verletzt habe und ihn töten werde, wenn er er aus dem Gefängnis komme. Bei dem Betreffenden handelt sich um den Freund von Mezgin N. (fka)

21.04.2021 | 11:05:34 Uhr
Alte Bekannte

Hashem N.s Verteidiger Vongries und der Zeuge sind alte Bekannte. Vongries hatte den jungen Mann bereits vertreten: und erlebt, wie er log. "Wenn ich gewusst hätte, dass Sie der Zeuge sind, der heute aussagt, hätte ich noch besser geschlafen", sagt er - und konfrontiert den Zeugen mit ihrer früheren Begegnung. Dieser hätte eine Bewährungsstrafe bekommen, aber keine der Auflagen eingehalten. Darum sollte er in Haft. Ihm, Vongries, gegenüber hätte der Angeklagte gesagt, er hätte die Auflagen nicht verstanden, man hätte diese auf Rumänisch sagen müssen. "Ich habe Sie damals darauf hingewiesen, dass es Ihnen ein Dolmetscher übersetzt hat -  und Sie sagten, dass er falsch übersetzt habe", führt Vongries aus. "Es war übrigens der gleiche, der jetzt neben Ihnen sitzt", fügt der Verteidiger hinzu.

Vongries wird deutlich: "Wissen Sie noch, was ich damals gesagt habe? Ich habe gesagt: Lügen Sie hier nicht rum! Und das sage ich Ihnen auch heute." Sonst würde die Strafe des Zeugen, derzeit zweieinhalb Jahre, sich erhöhen, wegen Falschaussage. Er werde sich persönlich dafür einsetzen, dass dem nachgegangen werde. Der Zeuge bleibt dabei: "Ich sage die Wahrheit." (fka)

21.04.2021 | 10:28:35 Uhr
Bitte um Verlegung

Der Zeuge hat ein deutliches Interesse an einem Deal mit dem Gericht: "Ich bin der Meinung, dass ich eine sehr hohe Strafe bekommen habe und dass diese reduziert wird. Mit zwei Jahren und sechs Monaten habe ich meine ganze Jugend zerstört", sagt der Zeuge. Er bittet außerdem, in eine andere JVA verlegt zu werden. Er habe keine große Angst vor dem Angeklagten, aber davor, im Gefängnis als Verräter dazustehen. "Das habe ich nicht zu entscheiden", sagt der Vorsitzende Richter. (fka)

21.04.2021 | 10:25:34 Uhr
Angeklagter wirkt mitunter fassungslos

Nachdem Vorsitzenden Richter Geis fragt der Beisitzer Andreas Hartl nach. Ob man im Gefängnis wisse, weshalb er, der Zeuge, sitze, fragt Hartl. So etwas spreche sich unter den Gefangenen herum, gibt dieser zurück. Hartl hakt ein: "Wenn das so ist, sind Sie sich sicher, dass Sie nicht wussten, wer da in der Zelle neben Ihnen sitzt?"

Oberstaatsanwalt Bundschuh möchte den genauen Wortlaut der Unterhaltung wissen. Die Antwort des Zeugen: "Ich habe kein Handy, ich kann die Worte nicht genau wiedergeben." Aber, so der Zeuge: Der Angklagte hätte gesagt, er hätte seine Tochter ermordet, weil ein muslimisches Mädchen keinen Sex vor der Ehe haben dürfe. Deswegen habe er auch versucht, ihren Freund umzubringen.

Hashem N. lauscht seinem Dolmetscher aufmerksam, während der Zeuge seine Angaben macht. Er wirkt zwischenzeitlich fassungslos, hält die offenen Handflächen nach oben, zuckt mit den Schulter und sucht den Blick seines Verteidigers Jürgen Vongries. Je länger die Aussage dauert, desto angespannter wirkt er. Sein rechtes Bein wippt unablässig, er versucht, das Gesicht des Zeugen zu sehen. Der Blick auf ihn wird durch den Dolmetscher, der neben dem Zeugen sitzt, verdeckt. (fka)

21.04.2021 | 10:06:59 Uhr
Mordfall Mezgin - Prozessauftakt
Podcast
Wie Blaulichtredakteurin Nina Lenhardt den Mezgin-Prozess erlebt hat

Ein ermordeter Teenager und ein Vater vor Gericht: Bevor das Urteil fällt, schauen wir in diesem Podcast auf den Mezgin-Prozess, auf Unklarheiten und unerwartete Wendungen zurück.

21.04.2021 | 09:53:35 Uhr
Hoffnung auf Gegenleistung für Aussage

Hat der Zeuge wirklich bis Mitte März nicht gewusst, warum Hashem N. In Haft ist? "In der JVA liegen Zeitungen aus", sagt Geis. Ob sich der Zeuge nicht mit anderen unterhalten habe? Schließlich errege ein Prozess im Schloss Aufmerksamkeit. Und: "Sie sagen, Sie kannten sich kaum, und dann erzählt er Ihnen ausgerechnet etwas so Massives?", hakt Geis nach.

Fraglich ist auch: Warum wartete der Zeuge mehrere Wochen, bevor er das Gericht informierte? Das betreffende Gespräch habe kurz nach dem 12. März stattgefunden - Anfang April schrieb der Zeuge einen Brief ans Gericht, dass er wichtige Informationen habe und mit dem Gericht zusammenarbeiten wollte. Er habe sich im Gegenzug eine geringere Strafe erhofft, gibt er an. "Wir sind hier nicht auf dem Basar", wirft Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh ein. Auch Geis wird laut: "Wenn Sie hier lügen, dann ist das eine Straftat und eine Frechheit. Und wenn Sie die Wahrheit sagen, ist das auch eine Frechheit, weil Sie wichtige Informationen so lange zurückhalten." Der Zeuge solle sich gut überlegen, ob er bei der Aussage bleiben wolle. (fka)

21.04.2021 | 09:50:22 Uhr
Keine persönlichen Gespräche, aber Angaben zum Mord?

Der Vorsitzende Richter Sebastian Geis fragt eindringlich nach, wie das Verhältnis zu dem Angeklagten war, was man sich erzählte, auf welcher Sprache man sich unterhielt. Der Zeuge, ein Rumäne, gibt an, man habe sich auf Deutsch beziehungsweise, weil Hashem dies nicht gut verstand, "mit Händen und Füßen" unterhalten.

Über den Angeklagten weiß der Zeuge nichts Persönliches, scheint es. Hashem N. habe zwei Frauen, eine in Deutschland, eine in der Türkei, und zwei bis drei Kinder, meint er über ihn zu wissen. Was er beruflich gemacht habe, wisse er beispielsweise nicht. (fka)

21.04.2021 | 09:48:50 Uhr
Geständnis beim Kaffeetrinken?

Ein Mann, der mit dem Angeklagten in Untersuchungshaft saß, hatte am Dienstag in einer Berufungsverhandlung in anderer Sache vor dem Aschaffenburger Landgericht angegeben, dass er mit Hashem N. Kaffee in seiner Zelle getrunken habe. Dabei habe dieser gesagt, dass er seine Tochter umgebracht habe. Ein weiterer Zeuge habe das ebenfalls gehört.

Die Polizei hatte die Zeugen daraufhin am Nachmittag in der JVA befragt. Beide Männer sagen nun vor dem Landgericht aus. (fka)

21.04.2021 | 08:49:26 Uhr
Planänderung: Neue Zeugen werden gehört

Geplant waren für diesen Prozesstag die Plädoyers, also die rechtlichen Einschätzung und daraus folgenden Strafvorstellungen von Anklage, Nebenklage und Verteidigung. Stattdessen hat das Gericht die Beweisaufnahme noch einmal eröffnet und hört weitere Zeugen. Worum es geht, berichten wir im Laufe des Vormittags. (fka)

16.04.2021 | 16:32:16 Uhr
Beweisaufnahme ist beendet

Wie ist der Stand, Herr Krist?

16.04.2021 | 11:05:53 Uhr
Tag 11: 'Bitte Hilfe, bitte!' / Haftbedingungen / Urteil gegen Hashem N. aus 2017

Endspurt im Mordprozess: Der elfte Tag steht im Zeichen von Verlesungen, letzten Zeugenaussagen und noch einem Video.

Über die Haftbedingungen in der Türkei erfährt das Gericht nur etwas, weil es sich außergerichtlich erkundigt hat. Laut dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul war die Situation - zumindest vor Beginn der Corona-Pandemie - wie folgt: starke Überbelegung, fehlende medizinische Versorgung, schlechte Hygienebedingungen. Hashem N. selbst gibt keine Einblicke in die Zeit, immerhin fast ein Jahr, die er im türkischen Gefängnis verbrachte.

Weiterer Schwerpunkt: Die Vorgeschichte und das Amtsgerichtsurteil gegen Hashem N., weil er seine Tochter geschlagen und mit dem Tod bedroht hatte, das im Mai 2017 rechtskräftig wurde. Als die Bilder von Mezgin N. gezeigt werden, die nach durch die Schläge des Vaters entstanden sind, dreht sich der Angeklagte weg, würde laut seinem Dolmetscher am liebsten "seinen Platz verlassen", was ihm der Vorsitzende Richter aber nicht erlaubt.

Zum Komplex versuchter Mord zeigt das Gericht das Video, dass in der Nacht zum 2. Juni 2017 aufgenommen wurde. Zu sehen ist niemand, aber zu hören: Ein Brüllen und Hämmern und unbeantwortete Rufe:

Hallo, Polizei?

Bitte aufmachen, bitte!

Hallo, bitte aufmachen, bitte!

(Glas zerbricht)

Bitte Hilfe, bitte!

Dann trifft die Polizei ein, das Aufflackern des Blaulichts ist auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme zu erkennen.

16.04.2021 | 08:45:38 Uhr
Welche Strafen stehen im Raum?

Einmal Mord, einmal versuchter Mord - so sind die Taten vor dem Landgericht Aschaffenburg angeklagt. Wir haben Ingo Krist, Pressesprecher des Gerichts, gefragt, welche Strafen dafür infrage kommen.

15.04.2021 | 14:22:57 Uhr
Symbolbild: Gericht Aschaffenburg - Symbolbild
Falschaussage von Mezgin N.s Halbbruder

Der Halbbruder von Mezgin N. hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der gemeinsame Vater in diesen Tagen vor dem Landgericht Aschaffenburg verantworten muss: Der Jugendliche hatte angegeben, dass entweder Vater Hashem N. oder er selbst, damals strafunmündig, Mezgin N. im Mai 2017 erstochen haben soll. Wie glaubhaft die Aussagen des Halbbruders sind, hat am Mittwoch eine Gutachterin analysiert: »Das ist alles kompatibel mit einer bewussten Falschaussage.«

Dossier
14.04.2021 | 18:37:48 Uhr
Tag 10: Gutachterin zu den Aussagen von Mezgin N.s Halbbruder

Nachdem gestern die Inhalte von Vernehmungen des Halbbruders von Mezgin N. Thema waren, ging es an diesem zehnten Prozesstag darum, wie denn die Aussagen von Mezgin N.s Angehörigem überhaupt einzuschätzen sind. Dazu befragte das Gericht den Vormund des Jugendlichen, eine frühere Lehrerin und zum Abschluss eine Fachpsychologin für Rechtspsychologien. In der Summe sind sich die Zeugen einig: Mezgin N.s Halbbruder war ein äußerst schwieriger Jugendlicher.

Die Gutachterin erläuterte sehr ausführlich, was aus psychologischer Sicht von den Angaben des Halbbruders zu halten ist: Es handele sich um eine Person mit geringer Wahrheitsverpflichtung, hoher Taktier-Kompetenz und sozialer Störung. Die Situation der zwei Befragungen in Aschaffenburg beim Ermittlungsrichter im Januar und Februar 2019 sei "sehr ungünstig" gewesen, hierbei ging es unter anderem um suggestive Fragen, "Kuhhandel" mit dem Jugendlichen, Gesprächsführung und Besetzung des Raumes mit 5 Erwachsenen. Diese beiden Punkte ermöglichten aus Sicht der Sachverständigen eine Falschaussage. Und dass es sich um eine solche handeln könnte, legen die zahlreichen Widersprüche nahe, die nicht nur der Gutachterin, sondern auch den Beobachtern beim Anschauen der Videos an Tag 9 aufgefallen sind.

Der Halbbruder selbst wird nicht mehr als Zeuge erscheinen: Er verschwand nach den Befragungen im Jahr 2019 und soll sich nun in der Türkei bei seiner leiblichen Mutter aufhalten.

14.04.2021 | 08:55:09 Uhr
Um welche Mordmerkmale geht es?

Ingo Krist, Pressesprecher des Gerichts, erläutert in diesem Video, welche Mordmerkmale die Staatsanwaltschaft als verwirklicht betrachtet.

Ob die Anklage dabei bleibt, wird sich voraussichtlich kommende Woche zeigen, wenn Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh sein Plädoyer vorträgt.

14.04.2021 | 08:09:09 Uhr
Mordversuch: Angebliches Geständnis am Handy

Hashem N. soll Freund seiner Tochter Mezgin attackiert haben - Keine Zeugen der Tat im Juni 2017 - Laut Nachbar gab es ein Telefonat

Dossier
13.04.2021 | 18:53:43 Uhr
Tag 9: Fokus auf Mezgin N.s Halbbruder

Der neunte Tag vor dem Landgericht Aschaffenburg drehte sich um den Halbbruder von Mezgin N. Der Grund: Auf den Aussagen des damals Minderjährigen beruhen die Annahmen der Staatsanwaltschaft bezogen auf den Mord an Mezgin N. Die Anklage geht davon aus, dass entweder Hashem N. - der gemeinsame Vater des Jungen und von Mezgin - oder der Halbbruder den Mord an der Jugendlichen begangen hat.

Bei einer ersten Vernehmung bei der Polizei in der Zeit nach Mezgin N.s Verschwinden hatte der Junge dazu noch gar nichts gesagt, wie ein Kripobeamter am Dienstag im Zeugenstand berichtete. Stattdessen habe er angedeutet, seine Halbschwester könnte Suizid begangen haben oder zu einer Cousine abgehausen sein. Der Vater liebe seine Tochter "zu viel", als dass er ihr hätte etwas antun können, so der Halbbruder laut Protokoll aus der Vernehmung.

Doch nach dem Fund der skelettierten Leiche im Jahr 2018 saß der mittlerweile Jugendliche wieder zur Aussage in Aschaffenburg: Zwei Mal machte er beim Ermittlungsrichter Angaben - und nahm die Schuld der Tatausführung auf sich - allerdings soll ihn Hashem N. mit dem Tod bedroht haben, sollte er seine Halbschwester nicht töten.

Wie er auf Mezgin N. eingestochen haben will, das demonstrierte er mittels einer lebensgroßen Puppe, die der Ermittlungsrichter aus seinem Büro in das Vernehmungszimmer holen ließ. Größere Emotionen bei der Ausführung ließen sich dabei bei ihm nicht erkennen, jedoch hatte er im Laufe der Vernehmungen mehrfach angefangen zu weinen und zu schluchzen.

Die Befragungen bei dem Richter wurden mit einer Videokamera aufgenommen, die Aufzeichnungen spielte das Gericht im Ridinger-Saal ab. Eine Einschätzung der Aussagen zu dem Mord an Mezgin N. stehen noch aus.

Der Halbbruder selbst - eigentlich aufgrund seiner Angaben und Beziehung zu den Beteiligten eine Schlüsselperson in diesem Mordverfahren - wird im Prozess nicht mehr im Zeugenstand erwartet. Er soll sich aktuell in der Türkei aufhalten, wo auch mutmaßlich seine leibliche Mutter lebt.

13.04.2021 | 18:30:16 Uhr
Mordfall Mezgin - Prozessauftakt
Wie kam es überhaupt zur Auslieferung von Hashem N.?

Eine richtige Antwort gibt es für die Frage gar nicht, denn die Staatsanwaltschaft gibt auf Nachfrage an, dass sie gar nicht weiß, was auf politischer beziehungsweise diplomatischer Ebene abgelaufen ist.

Dossier
13.04.2021 | 10:49:38 Uhr
Filme gucken im Schloss

Am heutigen Prozesstag sind insbesondere die (stundenlange) Abspielung von Videos vorgesehen: Es handelt sich um Aufnahmen von Vernehmungen von Mezgin N.s Halbbruder beim Ermittlungsrichter.

13.04.2021 | 09:05:29 Uhr
Wie die Auslieferung von Hashem N. ablief

Wir haben mit einem Aschaffenburger Kripobeamten gesprochen, der zusammen mti zwei Kollegen für die Überführung verantwortlich war.

Dossier
09.04.2021 | 20:00:05 Uhr