Mittwoch, 24.07.2019

Tanzender Kakadu »Snowball«

Forschung: Ungewöhnliche Spontaneität bescheinigt

SCHERERVILLE
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Elegant: der tanzende Kakadu »Snowball«. Foto: Irena Schulz/Bird Lovers Only (dpa)
Foto: Irena Schulz

Der auf Youtu­be be­rühmt ge­wor­de­ne Ka­ka­du Snow­ball hat mit sei­nen läs­si­gen Tanz­be­we­gun­gen ei­ne für Tie­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Spon­tanei­tät be­wie­sen. Zu die­sem Er­geb­nis kom­men US-For­scher im Fach­ma­ga­zin »Cell Press«. Vö­gel sind dem­nach die ein­zi­gen Tie­re, die Be­we­gun­gen auf Mu­sik ab­stim­men kön­nen.

An Snowball sei beobachtet worden, dass er auch neue Tanzschritte eingeführt habe, so die Forscher. Das könne sogar für Kreativität sprechen.

Vor mehr als zehn Jahren wurden erstmals Videos hochgeladen, mit denen Snowball auf Youtube bis heute Millionen von Zuschauern fasziniert. Seine Besitzerin Irena Schulz filmte ihn in seinem Zuhause in Schererville im US-Bundesstaat Indiana. In den Videos steht er auf einer Stuhllehne, hinter ihm sind mehrere Vogelkäfige zu sehen. Sobald die Musik erklingt, startet der Kakadu Tanzbewegungen, die erstaunlich menschlich aussehen. Zu den Backstreet Boys stellt er seinen gelben Kamm auf, nickt wild mit dem Kopf, hebt abwechselnd die Beine und krächzt im Takt.

Frühere Untersuchungen mit Snowball hatten bereits gezeigt, dass der Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita eleonora) die Bewegungen nicht zu einem bestimmten Zweck ausführte - also weder für die Balz noch dafür, Futter zu bekommen. Für ihre neue Studie machten die Forscher im Jahr 2008 Filmaufnahmen, die die Fortschritte des damals zwölf Jahre alten Kakadus dokumentieren sollten. Snowball tanzte hierfür zu den Liedern »Another One Bites the Dust« von Queen und »Girls Just Wanna Have Fun« von Cyndi Lauper. Jeder Tanz wurde dreimal gefilmt. Snowball kannte die Lieder bereits, und die Besitzerin rief ihm während des Tanzes aufmunternde Worte zu. Die Menschen im Raum tanzten nicht.

14 Tanzbewegungen

Die Neurowissenschaftlerin und ausgebildete Tänzerin Joanne Keehn von der San Diego State Universität analysierte die Bewegungen des Kakadus. Dabei zeigte sich, dass Snowball insgesamt 14 Tanzbewegungen gemacht hatte - zum Beispiel eine Art Headbanging, Seitenschritte oder kreisende Kopfbewegungen. Auch zwei Kombinationen aus Kopf- und Fußeinsatz hatte der Vogel auf Lager. Im Gegensatz zu Menschen tanzte Snowball nicht die ganze Zeit, sondern abschnittsweise. Bei den Wiederholungen zeigte sich, dass der Kakadu nie dreimal genau die gleiche Bewegung zur selben Sequenz machte. Für die Forscher sind diese Erkenntnisse besonders interessant, weil Snowball damit Spontaneität bewies. Er entschied offenbar selbst, wie er sich gerade bewegen wollte. Auch das Erlernen der neuen Tanzschritte sei ungewöhnlich.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Papageien sich das Tanzen bei Menschen abschauen. Dabei bewältigen sie das sogenannte Korrespondenzproblem: Die Vögel müssen Bewegungen eines Körpers, der ganz anders aufgebaut ist als ihr eigener, auf die eigenen Bewegungsmöglichkeiten übertragen. Im Fall von Snowball halten es die Forscher allerdings für möglich, dass sich der Vogel die Moves sogar selbst ausgedacht hat, also zu echter Kreativität in der Lage war.

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