Samstag, 27.02.2021

Wie läuft's in Kita und Schule?

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Homeschooling
Während der Schulschließungen im Frühjahr waren es überwiegend Mütter, die neben ihrer beruflichen Arbeit den Heimunterricht geschultert haben.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Wie geht es weiter mit diesem Kindergarten- und Schuljahr 2020/2021? Was bedeuten die aktuellen Maßnahmen für Vorschulkinder und Viertklässler? Diese Fragen drängen sich betroffenen Eltern und Pädagogen mit den näher rückenden Terminen zu Einschulung und Übertritt nun verstärkt auf.

Wie geht es weiter mit diesem Kindergarten- und Schuljahr 2020/2021? Was bedeuten die aktuellen Maßnahmen für Vorschulkinder und Viertklässler? Diese Fragen drängen sich betroffenen Eltern und Pädagogen mit den näher rückenden Terminen zu Einschulung und Übertritt nun verstärkt auf. Die Folgen von ausfallendem Präsenzunterricht für die weitere schulische Laufbahn sind noch immer schwer greifbar, verunsichern sogar immer stärker.

Nachdem bereits das zweite Halbjahr des vergangenen Kindergarten- und Schuljahres durch die Pandemie und die erste, eher holprige Homeschooling Erfahrungen beeinträchtigt wurde, leidet das aktuelle Jahr 2020/2021 genauso sehr unter den derzeitigen Maßnahmen. Nach den Beschlüssen des letzten Corona-Gipfels von Bund und Ländern sollen Kitas- und Schulen bis 14. Februar weitestgehend geschlossen bleiben. Die Winterferien in Bayern sind vorläufig gestrichen worden. Mittlerweile gibt es für alle Schularten spätere Prüfungstermine. 
Besonders betroffen sind die Kinder und Jugendlichen, bei denen es in diesem nächsten Halbjahr »darauf ankommt«. Dazu zählen alle Abschlussjahrgänge – Abiturienten, Realschul- und Mittelschulabgänger. Aber selbstverständlich stehen auch Jahrgänge voller Motivation in den Startlöchern: etwa die Vorschulkinder, die einem besonderen ersten Schultag entgegenfiebern, und die Viertklässler, die den großen Schritt auf die weiterführende Schule wagen wollen. Kein Wunder also, dass viele Eltern mit ihren Sprösslingen im Hinblick auf diesen nächsten Schritt angespannt sind. 

Videogrüße an die Vorschulgruppe

Andrea Ackermann ist die Erzieherin der Vorschulkinder »Adlerbande« in der Kita Sonnenhügel in Obernburg (Kreis Miltenberg). Im Telefonat berichtet sie, dass zur Zeit etwa ein Drittel der Vorschulkinder zur Notbetreuung in die Kita kommt. Mit den anderen zwei Dritteln bleibt die Erzieherin beispielsweise über die Kita-App und zusätzlich vorbereitete Materialien für Zuhause in Verbindung. Denn gerade für die Vorschulkinder hat die Kita Sonnenhügel normalerweise all die Inhalte geplant, die auf die Herausforderungen des ersten Schuljahres vorbereiten sollen. In kurzen Videos verschickt die Erzieherin nun kleinere Arbeitsaufträge, Blätter zum Ausfüllen oder Bastelanleitungen an die zuhause gebliebenen Kinder.

Ob jedoch die Aktionen, die jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der örtlichen Grundschule organisiert werden – etwa Kennenlernbesuche, ein Sport- und Mathetag –, realisierbar sind, darüber sei man zum jetzigen Zeitpunkt noch im Ungewissen. Diese Tatsache scheint die Erzieherin besonders zu schmerzen, weiß sie doch, dass gerade der begleitete Übergang von ihrer Einrichtung zur Schule für die Vorschulkinder von großer Bedeutung ist.

Ab Januar, sagt Andrea Ackermann, fange man gewöhnlich mit den Übungen zum »Hören-Lauschen-Lernen« an, einer speziellen Vorbereitung auf das Lesen und Schreiben. Die Enttäuschung darüber, dass diese Übungen, die sehr vom persönlichen Miteinander profitieren, nun nicht gemeinsam umgesetzt werden können, spürt man der Erzieherin im Gespräch an. Allgemein, das bestätigt sie, fehlt der persönliche Kontakt zu Kindern und Eltern sehr. Die Erzieherinnen geben sich die größte Mühe, den Verlust der gemeinsamen Zeit wenigstens ein bisschen abzufangen. Dafür lohnt sich der viele Aufwand, der hinter jedem einzelnen Arbeitsblatt, jeder noch so kleinen Videobotschaft steckt.

Das Warten auf die Rückkehr zum Normalzustand ist schließlich für Erzieher und Pädagogen im ganzen Land eine Geduldsprobe. Gleichzeitig ist man sich in Obernburg bewusst, dass die eigene Berufsgruppe einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt ist. Neben Ungeduld gibt es großes Verständnis für Kolleginnen, die Angehörige in Risikogruppen schützen wollen.

Auf zur Einschulung

Die Kita Sonnenhügel würde in den nächsten Wochen gerne für jedes Vorschulkind einen Entwicklungsbogen ausfüllen und die Beobachtungen anschließend mit den Eltern besprechen. Wie soll es allerdings möglich sein, sich ein Bild von der Entwicklung der Kinder zu machen, fragt sich die Obernburger Erzieherin, wenn man die Kinder seit Wochen nicht gesehen hat? Mit dem Termin der Einschulung – in Obernburg geplant für Mitte März – rückt außerdem die für Vorschulkinder verpflichtende Schuleingangsuntersuchung näher.

Auf Empfehlungen der Gespräche mit den Kita-Erzieherinnen und der Schuleingangsuntersuchung basieren viele Eltern die Entscheidung darüber, ob ihr »Korridor«-Kind wirklich eingeschult wird. Die unstete Situation könnte für Eltern schnell zum Grund werden, den Schulstart um ein Jahr zu verschieben. Aktuell ist, zumindest bei den Eltern der Vorschulkinder in der Kita Sonnenhügel, aber noch keine solche Tendenz erkennbar. Gut so, denn das könne nicht die Lösung sein, gibt Andrea Ackermann zu bedenken. Würden nun viele Vorschulkinder ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben, so führe das nur zu mehr Überbelegung in den bereits überfüllten Einrichtungen.

Sandra Woelk, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit an der privaten Montessorischule in Soden (Landkreis Miltenberg), berichtet, dass die Meinung der Eltern in ihrem Umfeld zur Einschulung etwas geteilt ist. Zuerst müsse diese Entscheidung natürlich von der Entwicklung des Kindes abhängen. Darin sind sich Pädagogen der Montessori Schule und Eltern einig. Doch manche Eltern macht die Vorstellung, ein Kind während der Homeschooling Zeit einzuschulen oder einen ersten Schultag mit Beschränkungen zu feiern, eher unglücklich. »Gerade nach der Kindergartenzeit, muss >Schulehome-schooling

Gut gerüstet für das Homeschooling

Bei den Lehrkräften der Montessorischule und den Eltern der Schüler schafft es das aktuelle Corona-Chaos aber ansonsten nicht, Furcht vor Wissenslücken oder Übertritt zu schüren. Wer sich mit den Ansätzen von Maria Montessori auskennt, weiß, dass in diesem Schulmodell bereits ab der ersten Klasse die Selbstorganisation besonders trainiert wird. In Zeiten von Distanzunterricht und Homeschooling sind die Schüler der Sodener Privatschule daher gut dafür gerüstet, ihre eigene Arbeit zu strukturieren, sich selbst Tages- und Wochenziele zu setzen – in anderen Worten, selbstständig zu lernen. Begleitet werden die Schüler dabei nach ihren individuellen Bedürfnissen von den Lehrkräften und über unterschiedliche Drähte; mal per Telefon, mal gemeinsam mit den Mitschülern per Videokonferenz, mal per Erklärvideo. Im Distanzunterricht sei es den Lehrkräften besonders wichtig, eine Methodenvielfalt, also das Lernen mit allen Sinnen, anzubieten, sagt Eva Schröner-Krug, pädagogische Leiterin der Schule.

Es ist auch hier der persönliche Austausch untereinander, zwischen Kindern und den Klassen, der derzeit fehlt. »Natürlich ist das Lernen in der Gemeinschaft im Präsenzunterricht jederzeit dem Distanzlernen vorzuziehen.« Die Herausforderung für die Pädagogen besteht vor allem darin, die Schüler nicht beim Erarbeiten der Lerninhalte beobachten zu können. »Diese Beobachtungen bilden die Basis unseres pädagogischen Handelns:«, erklärt die pädagogische Leiterin, »Danach können wir dem Kind je nach Bedarf passende Weiterarbeitsmöglichkeiten anbieten.«
Spezielle Sorgen zum Übertritt nimmt Eva Schröner-Krug direkt vorweg. Schüler, die hausintern in die fünfte Klasse wechseln, können sicher sein, dass sie genau dort von den Lehrkräften abgeholt werden, wo sie im Lernstoff stehen. Kinder, die nach der vierten Klasse auf eine Regelschule übertreten möchten, bereiten sich auch unabhängig von der aktuellen Situation »ganz explizit« auf die Übertrittsprüfungen vor. »Die Kinder und Eltern, die sich für diesen Weg entscheiden, wissen, dass sie im 4. Schuljahr viel Eigeninitiative aufbringen müssen«, sagt die Pädagogin. 
Die Mutter eines Viertklässlers der Montessori Schule macht sich keine Sorgen wegen des Übertritts. Sie fühlt sich von den Lehrern gut betreut und kann selbst beim Schulstoff noch helfen. »Sehr schade ist allerdings«, findet sie, »dass die Möglichkeit fehlt, sich weiterführende Schulen anzusehen...«

Was die Lehrkräfte der Montessori Schule im Moment ungemein motiviert, ist die Einstellung der Schüler, verrät Eva Schröner-Krug. Die Schüler nehmen gerne an den Videokonferenzen teil, liefern ihre Aufgaben termingerecht ab. Auch Sandra Woelk, selbst Mutter eines Schülers, ist begeistert, wie selbstverständlich der Sohn mit den neuen Medien umgeht und dieses Können für das Gelingen des Homeschooling einsetzt. »Die erreichten Ziele (des Wochenplans, Anm. d. R.) werden abgehakt und er fühlt sich dabei sehr gut und motiviert«, berichtet sie. Allen Herausforderungen der momentanen Situation zum Trotz zieht auch Eva Schröner-Krug ein recht positives Fazit: »Insofern sehen wir diese für alle schwierige Zeit auch als Chance, neue Lern-, Kommunikations- und Kooperationsmethoden auszuprobieren.«

 

Hintergrund

Der Über­tritt auf die wei­ter­füh­r­en­de Schu­le wird in Bay­ern durch drei Din­ge er­mög­licht: Das Übertrittszeugnis, bei dem die Schüler einen gewissen Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht erreicht haben müssen, die erfolgreiche Teilnahme am Probeunterricht an der aufnehmenden Schule, oder der Wunsch der Eltern. Bei der Wahl der Schulart empfiehlt das bayerische Kultusministerium Eltern, »das Anforderungsprofil (zu) wählen, das Erfolgserlebnisse wahrscheinlich macht«. (lml)

 

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