Donnerstag, 15.04.2021

Schwerelos durch den Tag

Freizeit: Neue Yoga-Formen kommen hoch - Beim Aerial Yoga ist das Tuch Trainingspartner - Ein Selbstversuch

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Aschaffenburg, Hohenzollernring 4, Studio Zeitlos: Aerial Yoga im Selbstversuch mit Sandra Beer © Harald Schreiber Bildunterschrift 2018-10-10 --> Schwereloses Yoga: Bewegungstherapeutin Sandra Beer (links) zeigt Fee Berthold-Geis wie man im Tuch schwebend den Baum macht. Fotos: Harald Schreiber
Foto: Harald Schreiber
So muss sich ei­ne Fle­der­m­aus füh­len: Die Bei­ne klam­mern sich ans Tuch, das an der De­cke be­fes­tigt ist, der Kör­per schwingt hin und her, der Kopf hängt nach un­ten. Die Übung des Ae­rial Yo­ga kos­tet erst mal Über­win­dung: Kopf­über zu bau­meln und die Kon­trol­le ab­zu­ge­ben. Nicht so ver­kopft zu sein und vol­ler Leich­tig­keit zu schau­keln.

Rational weiß ich, dass das Tuch hält, schließlich trägt es bis zu 300 Kilogramm. Aber Mut kostet die Rückwärtsrolle Richtung Boden schon. Dann zurück in der Luft fühlt es sich an wie Schweben. Ziemlich lässig, sich einfach mal hängen zu lassen. Wenn nicht das ganze Blut in den Kopf fließen würde.

Einfach mal hängen lassen

Immer neue Yogaformen kommen auf den Markt und schwappen aus den Großstädten herüber (siehe Infokästen). Sup-Yoga, Bieryoga, Yoga für Schwangere, . . . So viele, dass sich der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland scheut, sie zu bewerten. »Saisonal entsteht so viel Neues, das sind zu viele Formen, die wir gar nicht alle ausprobieren können«, sagt Jessica Fink, Pressesprecherin des Berufsverbands. Als Einstieg eigne sich Aerial Yoga, »wenn es einen Reiz für die Interessenten darstellt, im Tuch zu schweben«.

Beim Aerial Yoga nutzt man ein 3,50 Meter langes, trapezförmiges Tuch als Trainingspartner. Nicht alle Übungen absolvieren die Teilnehmer in luftiger Höhe. Viele auch auf dem Boden. Aerial Yoga, das nicht nur in Aschaffenburg, sondern unter anderem auch bei Samana Yoga in Offenbach, Your Body your Soul in Frankfurt und im Studio 108 in Würzburg angeboten wird, ist herausfordernd und spielerisch zugleich. Mit Yogalehrerin Sandra Beer schwinge ich hin- und her wie ein Kind, turne waghalsige Übungen, forme Figuren wie ein Akrobat. Wir wickeln das Tuch um die Hüfte, legen uns hinein, umklammern es kopfüber mit den Beinen. Wir nehmen das Tuch doppelt und stellen uns wie ein Baum in die Tuchschlaufe. Beim Versuch, die Balance zu halten, schwingt es leicht hin und her. Viele Übungen führen wir in Umkehrhaltung aus. Der Vorteil: Bei den Übungen gibt man sein Gewicht ans Tuch ab. Kopfüber wird die Wirbelsäule entlastet, die Faszien werden massiert. Gekräftigt werde vor allem die Tiefenmuskulatur, sagt Beer. Die Übungen sollen bei Verspannungen helfen. Dadurch dass man im Tuch die Balance halten muss, beansprucht man Muskeln, von denen man nicht wusste, dass man sie hat.

Sich ins Seil zu hängen, erfordert Mut von Erwachsenen, die sonst lieber am Boden bleiben. Ein bisschen von dem Abenteuergeist, den man als Kind noch hatte, wird geweckt. »Loslassen hat viel mit Vertrauen zu tun«, sagt die staatlich geprüfte Bewegungstherapeutin und Tanzpädagogin. »Man muss sich dem Tuch anvertrauen.« Geborgenheit, Spiel, Leichtigkeit - darum geht es. »Beim Aerial Yoga entdeckt man sein inneres Kind neu«, sagt die 49-Jährige. »Zu mir ins Studio Zeitlos kommen Erwachsene, die sind jahrelang nicht geschaukelt. Bei den Übungen lachen sie dann viel.«

Entlastend für die Gelenke

Nicht geeignet sind die Kurse für Menschen mit hohem Blutdruck, hohem Augendruck und Schwangere. Mitmachen könne ansonsten jeder, auch ohne Vorkenntnisse. »Viele Teilnehmer machen in der ersten Stunde einen Handstand«, sagt Beer. Denn das Tuch übernimmt einen Teil der Arbeit. »Für Menschen mit Gelenk- und Knieproblemen kann Aerial Yoga entlastend sein«, sagt Jürgen Steinacker, Ärztlicher Leiter der Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm. »Auch für Menschen mit Übergewicht hat es Vorteile«, sagt der Experte der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Dennoch bezweifelt er, dass Normalsportliche vom Aerial Yoga stärker profitieren als von anderen Yogavarianten. Aber: »Es suggeriert Freiheit und bringt Spaß. Und Spaß ist eine gute Motivation, die man nicht unterschätzen darf.«

Am Ende der Stunde entspannen die Teilnehmer sitzend im Tuch, schließen es wie einen Vorhang. Tauchen ein in den Stoff. So muss sich ein Baby im Tragetuch fühlen. Völlig geborgen.

bSchnupperkurs: 21. 10., 11 bis 13 Uhr, Studio 108, Würzburg, 27.10., 15 bis 17 Uhr, Studio Zeitlos, Aschaffenburg (und 3.11., 15 bis 17 Uhr)

FEE BERTHOLD-GEIS
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