Donnerstag, 25.02.2021

Schwanger, und nun?

Familienzuwachs inmitten einer Pandemie

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Happy couple with positive pregnancy test. Happy excited couple making positive pregnancy test and celebrating. Cheerful couple finding out results of a pregnancy test sitting on bed
Foto: dragana991
Die Pan­de­mie um Sars-CoV-2 hält das Le­ben nun seit über ei­nem Jahr auf Trapp. Kein Aspekt bleibt da­von ver­schont, so auch nicht die Fa­mi­li­en­pla­nung. Ge­flachst wird über »Co­ro­na-Ba­bys« oder ei­nen be­vor­ste­hen­den »Co­ro­na-Ba­by­boom«. Doch wie steht es wirklich um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Nachsorge inmitten dieser langwierigen Pandemie? Klinikmitarbeiter, Hebammen und Sozialarbeiter aus Aschaffenburg und Miltenberg klären im Gespräch wichtige Fragen.

Auf was müssen Schwangere wegen Corona besonders achten? Das Robert-Koch-Institut fand bisher keinen Beleg, dass Schwangere durch Sars-CoV-2 besonders gefährdet sind. Doch sie sollten verstärkt auf die Einhaltung der geltenden Hygieneregeln achten. Dazu gehört neben regelmäßigem Händewaschen selbstverständlich auch die Reduzierung der Kontaktpersonen, Abstand halten und das Tragen einer FFP 2-Maske. Vorsorgetermine beim betreuenden Gynäkologen oder der Hebamme sollen weiter wahrgenommen werden. Ansonsten gilt wie bei jeder Schwangerschaft, »sich gesund [zu] ernähren, sich möglichst viel an der frischen Luft [zu] bewegen sowie auf genug Ruhe und Entspannung [zu] achten«, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Wie verhalte ich mich, wenn ich in der Schwangerschaft an Covid-19 erkranke? Fällt der Corona-Test positiv aus, rät die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), sich zuerst telefonisch an den betreuenden Gynäkologen zu wenden. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und dem eigenen Partner sollte dann die Selbstisolation oder, falls notwendig, eine stationäre Behandlung besprochen werden. »Die Mutterschaftsvorsorge soll in jedem Fall in Absprache mit [der/m] Frauenärztin/-arzt, Hebamme und Entbindungsklinik aufrechterhalten werden«, heißt es weiter.

Hilfe, das Geld wird knapp! Natürlich bewegen werdende Eltern neben gesundheitlichen auch finanzielle Fragen. Die Leiterin der katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen beim Sozialdienst katholischer Frauen in Aschaffenburg, Ursula Omer, sagt, dass sich seit Pandemiebeginn Anfragen rund um die Existenzsicherung bei ihrem Team häufen. Mal reicht das Kurzarbeitergeld nicht für Fixkosten, mal gestaltet sich der Bezug von Sozialleistungen oder Elterngeld schleppend. Die katholische Beratungsstelle erklärt, wie sich Ansprüche errechnen, und kann für Familien in Not finanzielle Unterstützung einleiten. Fit ist das Team bei weiteren rechtlichen Fragen, beispielsweise zu Mutterschutz oder Elternzeit und betrieblichen Beschäftigungsverboten. In einem sich ständig verändernden Dschungel aus Beschlüssen will das Team der Beratungsstelle mit verlässlichen Informationen parat stehen, zuhören und die werdenden Eltern auffangen.

Wie läuft eine Geburt im Lockdown ab? Dass werdende Eltern sich durch die Corona-Pandemie mehr Sorgen über die bevorstehende Geburt machen, fällt Ursula Omer in ihren Beratungsgesprächen ebenfalls auf.

Doch die Kreißsäle der Region geben Entwarnung: Vieles habe sich bei der Geburt nicht verändert, bestätigt Sandra Kern von der Helios Klinik Erlenbach. Einzig Wassergeburten würden aktuell nicht angeboten, ergänzt Hebamme Ursula Zöller. Allgemein gelten bei jeder Geburt für alle Beteiligten strenge Hygieneregeln. FFP 2-Masken und Schnelltests vor der Aufnahme in die Klinik sollen Sars-CoV-2 aus den Geburtsstationen fernhalten.

Darf der Partner bei der Geburt dabei sein? Sind alle Hygienevorschriften eingehalten und ist der Corona-Test negativ, können die Partner bei der Geburt anwesend sein. Das bestätigen die Ansprechpartner der Helios Klinik Erlenbach und der Klinik am Ziegelberg in Aschaffenburg. Besonders wichtig findet Sabine Lein, Hebamme in der Klinik am Ziegelberg, dass die Partner den gesamten Geburtsprozess begleiten können, nicht etwa nur die Endphase. Denn die Partner, ergänzt sie, fungieren immer als Unterstützung.

Die Wehen setzen ein, aber ich bin mit Corona infiziert. In einem solchen Fall sollen sich Betroffene einer Empfehlung der DGGG zufolge telefonisch an die Entbindungsstation und das Geburtsteam wenden. Sie geben Auskunft, wie hygienekonform weiter verfahren werden soll. Denn wie Hebamme Sabine Lein berichtet, können in ihrem Haus zurzeit nur negativ getestete Schwangere aufgenommen werden. Positiv Getestete werden an größere Krankenhäuser in der Umgebung weitergeleitet. Hebamme Ursula Zöller bestätigt auf Anfrage, dass das Team der babyfreundlichen Geburtsklinik in Erlenbach dafür gerüstet ist, Covid-19 Patientinnen zu entbinden.

Wie lange muss ich in der Klinik bleiben? Diese Frage ploppte in der Klinik am Ziegelberg zuletzt häufiger auf. Viele werdende Eltern nutzten das Beratungsangebot rund um das Thema ambulante Geburt. Man merke ihnen an, dass sie den Aufenthalt in der Klinik gerne so kurz wie möglich halten wollen, mutmaßt Sabine Lein. Dabei weiß die Hebamme, »Einfach mal anrufen« helfe, dumme Gedanken und unnötige Sorgen aus dem Weg zu räumen - egal zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft.

Darf mich meine Hebamme im Wochenbett weiterhin betreuen? Ja, sagt Hebamme Sabine Lein. Denn im Wochenbett gibt es Dinge, die nicht per Ferndiagnose oder über Videochat geklärt werden können. Dazu zählen zum Beispiel die Tastbefunde zur Rückbildung. Unterstützung finden die Hebammen bei ihren Berufsverbänden, die mit Hygienekonzepten, Vorgaben und Ratschlägen für hygienegerechte Hausbesuche zur Seite stehen.

Kann ich trotz Corona-Pandemie gefahrenlos stillen? Beim Thema Stillen hat sich durch das Corona-Virus eigentlich nichts verändert, sagt die Hebamme aus der Frauenklinik. Sie berichtet vom Fall einer Covid-19-Erkrankten, der das zuständige Gesundheitsamt riet, weiter zu stillen. Das bestätigt auch ein Expertenkonsens verschiedener Fachgesellschaften, unter anderem der DGGG: »Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen.«

Kann ich mich gegen Corona impfen lassen? Eine Impfung empfehlen Experten eher vor der Schwangerschaft, also Frauen mit Kinderwunsch. Schwangere Frauen können sich im Individualfall und nach einem Risikogespräch mit dem Arzt zwar impfen lassen, »Eine generelle Impfung aller Schwangeren wird derzeit mehrheitlich von den Fachgesellschaften nicht befürwortet«, schreibt die DGGG in einer Pressemitteilung vom Februar 2021.

Gibt es seit Pandemiebeginn wirklich einen Anstieg an Geburten in der Region zu verzeichnen? Gefühlt ja, sagt Hebamme Sabine Lein. Aber ob das wirklich auf die Pandemie zurückzuführen sei oder vielmehr den Trend der letzten Jahre bestätige, dazu fehle ihr eine aussagekräftige Statistik. Am Ziegelberg läutete jedenfalls ein stattlicher Neujahrsjunge um 1.40 Uhr das neue Geburtsjahr ein. Einem so glücklichen Ereignis kann auch ein Virus namens Corona nicht in die Quere kommen.

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