Freitag, 22.01.2021

Weihnachten ist für alle da

Besondere Zeit für alle Familien

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Geschenke auspacken ist aufregend! Hat man doch tagelang gerätselt, was sich wohl unter dem bunten Papier verbirgt.
Foto: katiafonti
Die Vorfreude. Der Christbaum. Die Musik. Die Geheimnisse. Die Geschenke. Vieles ist schön an Weihnachten. Das schönste aber: Alle sind beisammen. Mama, Papa, die Geschwister, vielleicht auch Oma und Opa. Egal, wohin es einen im Lauf des Jahres verschlägt – Weihnachten wollen die meisten Menschen am liebsten mit der Familie feiern. Auch wenn man sich da so richtig in die Haare kriegen kann. Warum ist Weihnachten für Familien so wichtig? Und wie können sie es schaffen, dass sich alle auf und über das Fest freuen?

Kein anderes Fest vermittelt so viel Nestwärme wie Weihnachten. Vor allem für Kinder. Endlich dürfen sie das so lange ersehnte Spielzeug auspacken. Plätzchen naschen. Tolle Filme im Fernsehen schauen. Die Erwachsenen haben für sie Zeit zum Spielen, Kuscheln, Zuhören. Jede Familie pflegt ihre eigenen kleinen Traditionen, die das Fest so besonders machen: Der schöne Naschteller, der nur zum Fest aus dem Schrank geholt wird; das gemeinsame Christbaumschmücken; die Wiener Würstchen an Heiligabend. 
Viele große und kleine zauberhafte Momente geben einen Schatz an Erinnerungen, die sie ihr ganzes Leben bei sich tragen. »Wenn man mit den Leuten über Weihnachten spricht, haben sie ein Lächeln im Gesicht«, sagt Beata Rothenbücher, Psychotherapeutin aus Großostheim-Ringheim. Dieses Gefühl des Geborgenseins und des Geliebtwerdens führt auch Erwachsene an Weihnachten immer wieder zur Familie zurück. Keiner kennt uns so gut wie die eigenen Eltern und Geschwister. »Es ist wie eine Rückkehr in einen sicheren Hafen«, sagt Rothenbücher. 

Akzeptanz und Kompromisse

Doch Familien sind kompliziert. Patchworkfamilien müssen sich miteinander arrangieren. Großeltern und Schwiegereltern wollen nicht zu kurz kommen. Teenager haben auf die lieb gewonnen Traditionen so gar keine Lust. Jeder hat andere Erwartungen und Bedürfnisse. 
Was tun? Am wichtigsten ist es, die anderen so zu akzeptieren, wie sie sind, sagt Beata Rothenbücher. Und auch seine eigenen Grenzen zu kennen. Das sind die besten Voraussetzungen dafür, einen Kompromiss zu finden für ein Weihnachtsfest, von dem alle etwas haben. 

Den gan­zen Ad­vent und vi­el­leicht noch län­ger freu­en sich Kin­der auf die Weih­nachts­ge­schen­ke. Und dann heißt es noch am Hei­li­g­a­bend: War­ten bis zur Be­sche­rung. Wenn es end­lich so weit ist, kann sich die Span­nung in ei­ner hef­ti­gen Au­s­pack-Or­gie ent­la­den, Über­for­de­rung und Trä­nen in­k­lu­si­ve.

Religion: Wie Muslime Weihnachten feiern

Weihnachten hat für Muslime keine religiöse Bedeutung. Das heißt aber nicht, dass das Weihnachten-Feiern an muslimischen Familien in unserer Region völlig vorbei geht. »In meinen ersten Jahren in Deutschland wäre ich nie auf die Idee gekommen, Weihnachten zu feiern«, sagt Cigdem Deniz, Aschaffenburgerin mit türkisch-kurdischen Wurzeln. Das änderte sich, als ihre Kinder in die Schule kamen. »Ich habe gemerkt: Wenn meine Kinder Teil dieser Gesellschaft sein sollen, muss ich mit machen«, erinnert sich die 48-Jährige. Mittlerweile steht an Heiligabend ein prächtiger geschmückter Baum in ihrer Wohnung. 
Gerade muslimische Familien mit Kindern übernehmen nach ein paar Jahren in Deutschland einige Weihnachtsbräuche, hat Deniz beobachtet. »Für uns ist Weihnachten etwas Kulturelles, für christliche Familien etwas Religiöses«, sagt sie. Manches passe auch mit Bräuchen aus der alten Heimat zusammen: So gibt es in der Türkei nicht nur zu den beiden großen Festen Zuckerfest und Ramadan Geschenke, sondern auch zum Jahreswechsel.
Nilüfer Ulusoy aus Erlenbach (Kreis Miltenberg) feiert zwar nicht Weihnachten mit ihren Kindern. Doch auch sie schmückt zuweilen ihr Zuhause und backt Plätzchen. Die Weihnachtstage empfindet sie als eine schöne Zeit. »Die Ruhe tut mir gut. Ich spüre, dass diese Zeit etwas Besonderes ist.« Und schließlich spiele Jesus auch im Islam eine gewisse Rolle. »Jesus ist unser Prophet«, erklärt Ulusoy. Auch der Koran berichtet von seiner Geburt – allerdings nicht im Stall, sondern unter einer Dattelpalme. 

Wie viel Besuch soll's sein?

Während es an Heiligabend in den meisten Familien noch besinnlich zugeht, stehen an den Feiertagen die Besuche an. Alle Verwandten abzuklappern, kann ganz schön anstrengend sein. Viele Besuchsrunden bedeuten nicht nur viel Zeit im Auto, sondern auch: Weniger Zeit zu Hause. Babys und Kleinkinder brauchen ihren gewohnten Mittagsschlaf. Ältere Kinder wollen einfach mal in Ruhe ihre neuen Bücher lesen und Spielsachen ausprobieren und ganz viel Zeit mit Mama und Papa verbringen. Vielleicht lassen sich einige Einladungen auch auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. 

Geschenke: Nicht alles auf einmal

Den ganzen Advent und vielleicht noch länger freuen sich Kinder auf die Weihnachtsgeschenke. Und dann heißt es noch am Heiligabend: Warten bis zur Bescherung. Wenn es endlich so weit ist, kann sich die Spannung in einer heftigen Auspack-Orgie entladen, Überforderung und Tränen inklusive. 

Weniger oft mehr: Doch wer sagt eigentlich, dass alle Geschenke auf einmal ausgepackt werden müssen? Bevor die Kinder überdrehen, könnten sie schon vor der Bescherung ein kleines Geschenk bekommen und sich damit beschäftigen - das macht die Wartezeit erträglicher. Für ganz kleine Kinder ist weniger oft mehr. Da ist das Auspacken eines einzigen Päckchens schon so spannend (vor allem, wenn sie das Papier zerreißen dürfen), dass der Inhalt fast schon zur Nebensache wird. Wenn ein Kind dann schon Lust hat, loszuspielen - bitteschön! Die restlichen Geschenke können auch noch an einem anderen Tag geöffnet werden.

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