Mittwoch, 26.01.2022

Impfappell an Schwangere

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Pregnant belly with medical protective mask on gray background. Concept of pregnancy in coronavirus epidemic, childbirth, maternity, In vitro fertilization, covid-19 pandemic illness, toxicosis.
Foto: Mariia Polskaia
Als »ein­schnei­dend« be­zeich­nen die Ärz­te Bar­ba­ra Nie­sigk und Chris­ti­an Wieg vom Kli­ni­kum Aschaf­fen­burg-Al­zenau die­sen Fall: Ei­ne schwan­ge­re Frau, die sich mit dem Co­ro­na­vi­rus in­fi­ziert hat­te, kam in der 26. Schwan­ger­schafts­wo­che in sch­lech­tem Zu­stand ins Kli­ni­kum.

Die niedrige Sauerstoffversorgung des Kindes habe die Ärzte beschäftigt, erinnert sich Niesigk. Letztlich sei das nur 800 Gramm schwere Kind per Notkaiserschnitt entbunden worden, während die Mutter nach Würzburg verlegt werden musste. Eine Impfung, sind die Ärzte überzeugt, hätte das verhindert.

Gerade unter werdenden und jungen Müttern gibt es aber eine gewisse Zurückhaltung. Denn erst am 17. September hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung gegen das Coronavirus mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna generell für Schwangere (ab der 14. Schwangerschaftswoche) und Stillende empfohlen. Zuvor hatte die Stiko lediglich Schwangeren mit Vorerkrankungen nach ärztlicher Beratung die Möglichkeit für eine Impfung eröffnet. Barbara Niesigk leitet am Klinikum die Geburtshilfe und spricht mit vielen werdenden Müttern über die Impfung. Dabei habe sie festgestellt, dass es schwer sei, manches aus den Köpfen zu bekommen, so auch die Tatsache, dass es zunächst in Deutschland keine generelle Empfehlung für die Impfung von Schwangeren gab. Sie und Frühgeborenenmediziner Christian Wieg raten Frauen zu dem schützenden Piks. »Ihr braucht keine Angst haben«, sagt Wieg. Niesigk spricht von einer »sicheren Impfung«: Das zeigten die Daten aus anderen Ländern, die schon früher die Impfung für Schwangere empfohlen haben. Die DeutscheGesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe habe sich schon früh zugunsten einer Impfung schwangerer Frauen positioniert. Dass die Stiko bis zur generellen Empfehlung im September zurückhaltend war, führt Niesigk darauf zurück, dass das Thema Schwangerschaft außer für Gynäkologen »relativ speziell« sei und wenige Gynäkologen in der Stiko vertreten seien. Wieg betont, dass Schwangere bereits in den Zulassungsstudien der Impfstoffe einbezogen gewesen seien, die Europäische Arzneimittelbehörde die Wirkstoffe also von Anfang an für werdende Mütter zugelassen habe.

HÖHERES RISIKO FÜR SCHWEREN VERLAUF

Dass die Stiko die Impfung nun empfiehlt, liegt am höheren Risiko schwangerer Frauen, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das zeigt auch die Erfahrung der Aschaffenburger Ärzte: »In den letzten neun Monaten waren fünf schwangere Frauen auf der Intensivstation«, berichtet Wieg, zwei von ihnen mussten maschinell beatmet werden. Er ergänzt, dass die Zahl der Totgeburten bei Schwangeren, die an Covid-19 erkrankten, höher gewesen sei als im Durchschnitt. Besteht ein Ansteckungsrisiko für die Kinder? Eine Übertragung von Covid-19 auf das Kind in der Gebärmutter habe es keine gegeben. Allerdings steckten sich Kinder bei ihren coronapositiven Müttern an, wobei die Babys keine schweren Krankheitssymptome hätten. Im Extremfall kann es passieren, dass die Mama ihr Kind nicht sehen kann, etwa wenn es als Frühchen auf der Intensivstation versorgt wird.

NESTSCHUTZ

Auch in der Stillzeit können sich Mütter impfen lassen. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Impfstoff in die Muttermilch übergeht, sagt Wieg. »Aber selbst wenn, wird das im Magen verdaut und hat keine Wirkung auf das Kind.« Niesigk ergänzt, dass über die Muttermilch jedoch Antikörper von der Mutter auf das Kind übergehen und so für »Nestschutz« sorgen.

Die Ärzte des Klinikums appellieren nicht nur an die Mütter, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Auch für Väter und Bezugspersonen sei das ratsam, allein schon, um Mutter und Kind besuchen zu können. Im Klinikum gilt für Besucher die 3G-Regel, sie müssen also geimpft, getestet oder genesen sein. Auch Frauen mit Kinderwunsch raten Niesigk und Wieg, sich jetzt immunisieren zu lassen, um geschützt zu sein, wenn sie schwanger werden. Die Behauptung, die Impfung mache unfruchtbar, sei falsch, betont Wieg. Im Augenblick sei es in jeder Hinsicht »sinnvoll, geimpft zu sein«, so Wieg.

Das Frühchen, das die schwer an Covid-19 erkrankte Mutter per Notkaiserschnitt entbunden hat, verbrachte seine ersten Wochen auf der Frühchen-Intensivstation in Isolation. Seine Mama habe der Säugling nach drei Wochen kennengelernt, als sie aus dem Uniklinikum zurückverlegt worden sei, erzählen die Ärzte. Die Mutter erhole sich von der Krankheit, habe aber noch Konditionsprobleme.

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