Donnerstag, 17.06.2021

Es geht vorbei

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Angry girl looking at the camera.
Foto: Leylaynr
Das Tol­le am El­tern­sein: Es wird nie lang­wei­lig. Im­mer wenn man sich an et­was ge­wöhnt hat, kommt was Neu­es. Und manch­mal macht das Kind Sa­chen, die El­tern völ­lig rat­los zu­rücklas­sen. Das ist dann meis­tens ei­ne Pha­se. Und das Gu­te an ei­ner Pha­se: Sie geht vor­bei.

Phasen während des Kindergroßziehen können Eltern echt fordern - manchmal möchte man sich dann selbst im Supermarkt auf den Boden werfen und toben. Aber Phasen sind einfach wichtig für die Entwicklung eines Kindes.

Ein Zweijähriger wütet nicht, um seine Eltern zu ärgern. Sondern weil er in diesem Moment gar nicht anders kann. Zu viele Sinneseindrücke, zu viele Reize fluten das Kindergehirn. Erwachsene können in so einer Situation auf komplexe Verbindungen im Vorderhirn zurückgreifen. Kinder müssen diese Verschaltungen erst entwickeln. Das ist wie bei einem Baum: Ein kleiner Baum entwickelt erst nach und nach viele kleine Äste - bei einem Kind entwickeln sich die neuronalen Bahnen im Gehirn erst nach und nach und verbinden sich miteinander.

GEFÜHLSGEWITTER

Was bei einem Gefühlsgewitter hilft? Gelassenheit. Schreibt sich so leicht, ist aber oft schwer. Manchmal hilft es, die Situation zu verlassen und in einem anderem Raum bis zehn zu zählen und einfach zu atmen. Manchmal hilft auch nur Lachen. Umarmen. Oder was völlig Absurdes machen, um das Kind zu verwirren und aus der Wut zu holen. Etwa auf einem Bein im Kreis hüpfen. Klingt schräg? Mag sein. Immer noch besser als zu schreien. Denn das verbessert die Situation auf keinen Fall. Denn, wie der dänische Familientherapeut Jesper Juul immer betonte: Für die Atmosphäre in einer Familie sind stets die Erwachsenen verantwortlich.

Kein Satz passt besser in die aktuelle Zeit als »Es ist nur eine Phase!« Es! Ist!Nur!Eine!Phase! Alles geht irgendwann vorbei - eine Pandemie genauso wie ein Trotzanfall eines Zweijährigen. Das wird zum bekanntesten Eltern-Mantra: »Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase.«

Diese Phasen kommen einfach so - da kann man auch nichts machen. Die kommen (meist sehr überraschend) und da muss das Kind durch und die Eltern mit. Denn es wird groß, es entwickelt sich, es macht abertausende Entwicklungsschritte, es entdeckt die Welt mit Neugier, Wut und Angst. Und es braucht dabei Begleitung, Sicherheit und Halt. Unseren Halt. Ist das nicht wunderbar?

Auf den nächsten Seiten sind ein paar Phasen aufgelistet mit Tipps, wie Eltern da besser durchkommen. Wie heißt es so schön: Auf Stress muss man mit Liebe reagieren.

Hintergrund

Macht euch locker: Phasen gehen vorbei und sind wichtig fürs Großwerden.Foto: Leylaynr/

Getty Images

Terrible Two

Manchmal hat der Milchbecher die falsche Farbe oder das Käsebrot ist statt in Reiterchen in Dreiecke geschnitten - und schon verwandelt sich der niedliche Zweijährige in einen tobenden Wutzwerg. Willkommen in der Trotz- und Autonomiephase, auch gerne Terrible Two genannt, die übrigens bis zum sechsten Lebensjahr gehen kann. Kleinkinder fangen mit etwa 18 Monaten an, sich von den Eltern zu lösen. Sie entdecken ihren eigenen Willen, wollen die Welt erobern und sich ausprobieren und nicht durch für sie unverständliche Regeln gebremst werden. Stoßen sie auf Widerstand, kann dasheftigen Trotz auslösen. Denn ein Kleinkind versteht die meisten Regeln nicht, da es sich noch nicht in einen anderen Menschen hineinversetzen kann. Es sieht, wie ein Mensch reagiert, aber nicht warum. Beispielsweise, dass der Bruder weint, wenn das Kind ihn mit der Schaufel haut. Dass das seinem Bruder weh tut, weiß er aber noch nicht. Und muss Regeln erst lernen. Die Wut kann heftig sein, wenn einem Kleinkind ein Wunsch verwehrt wird oder wenn es etwas machen soll, was es nicht möchte (etwa vom Spielplatz nach Hause gehen). Blöd ist dann, wenn außen herum Menschen komisch gucken. »Es ist wichtig, dass Eltern gelassen bleiben und sich nicht von anderen Personen, die den Wutanfall beobachten unter Druck setzen lassen«, sagt Andreas Purschke, Leiter der Caritasberatungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Aschaffenburg. Der Diplom-Psychologe rät Eltern, klar und bestimmendzu entgegnen, dass es dem Kind nicht passe und es aber trotzdem nicht gehe: »Ja, Du willst nicht, aber es muss sein!« Dann sollten Eltern körperlichen Kontakt zum Kind aufnehmen: »Nehmen Sie es in den Arm und halten Sie den Wutanfall aus und warten ab, dass es sich wieder beruhigt.« Wenn ein anderes Kind vom Wutanfall betroffen ist, sollten Eltern unbedingt eingreifen.

Was hilft? Ablenkung. »Schau mal da drüben, ein Eichhörnchen!« oder »huch, was habe ich hier in der Tasche?« Manchmal hilft Überraschung einem Kind aus seinem Gefühlschaos. Humor ist auch super.

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