Donnerstag, 28.01.2021

Umgang am Heiligabend

Der Rechtstipp

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Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht
Foto: Alexander Heinrichs
Matthias Amberg ist Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht in Aschaffenburg.

»Herr Amberg, es geht wieder los!«, erzählte mir eine Mandantin, die sich von ihrem Ehemann getrennt hatte. Aus der Ehe stammte die neunjährige Eva, um die im Zuge der Trennung gestritten wurde. Das Familiengericht entschied, dass die elterliche Sorge allein auf die Mutter zu übertragen war. Seit dieser Entscheidung hatte sich die Situation entspannt und der Vater hatte regelmäßig Umgang mit Eva. »Aber jetzt steht Weihnachten vor der Tür und mein Ex will tatsächlich, dass Eva Heiligabend bei ihm verbringt. Das geht doch nicht! Immerhin lebt Eva bei mir und verbringt damit automatisch den Heiligen Abend bei mir, oder etwa nicht?«

Umgangsrecht

§ 1684 I BGB gewährt jedem Kind das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil. Der Elternteil, bei dem sich das Kind nicht gewöhnlich aufhält, hat Anspruch auf Umgang mit seinem Kind. Dieses Recht auf Umgang muss von dem anderen Elternteil nicht nur respektiert, sondern auch gefördert werden. Denn es hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass es für eine positive Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist, nicht nur einen sorgenden (und sorgeberechtigten) Elternteil als ständigen Bindungspartner zu haben, sondern auch den anderen Elternteil zu behalten.

Elternverantwortung

Wie oft und wann der umgangsberechtigte Elternteil Kontakt zu seinem Kind hat, sollten im ersten Schritt die Eltern versuchen, selbst zu regeln. Denn die Eltern kennen ihr Kind am besten und sind deswegen auch regelmäßig in der Lage, selbst die besten Entscheidungen für ihr Kind zu treffen. Natürlich muss die Gestaltung des Umgangs im Kindeswohlinteresse sein. Auch bei dem Umgang ist daher an erster Stelle an das Kind zu denken und eigene Wünsche oder gar Befindlichkeiten zurückzustellen.

Umgangsregelung

Nachdem kein Kind gleich ist, kann es auch keine Umgangsregelung geben, die schematisch auf jedes Kind anzuwenden ist. Vielmehr kommt es auf das Alter des Kindes, die Beziehung des Kindes zu Vater und Mutter und letztendlich darauf an, wie das Kind mit der Trennung der Eltern umgeht. Eine Umgangsregelung muss daher immer individuell und am besten maßgeschneidert für das Kind entwickelt werden. Schaffen die Eltern dies nicht selbst, muss das Familiengericht – oft mit Hilfe von Sachverständigen, Jugendamtsmitarbeitern und den Anwälten – diese Regelung vorgeben.

Heiligabend

Eine Regel, wonach ein Kind den Heiligabend immer dort verleben muss, wo es sich regelmäßig aufhält, also »zu Hause« gibt es gerade nicht. Auch bei der Beantwortung dieser Frage ist in erster Linie auf das Kindeswohlinteresse abzustellen. Ist ein Kind noch sehr klein, lebt bei seiner Hauptbezugsperson und hat zum anderen Elternteil kaum Kontakt, liegt es im Kindeswohlinteresse, dass das Kind auch den Heiligabend zuhause im vertrauten Umfeld verbringen kann. Besteht jedoch zu beiden Elternteilen eine enge, vertrauensvolle Beziehung, spricht nichts dagegen, wenn das Kind einmal mit dem Vater und im darauffolgenden Jahr mit der Mutter den Heiligabend verbringt.

Eva

Nachdem der Mandantin erklärt worden ist, dass es gerade keine Regel gibt, wonach der Heiligabend immer mit der Mutter zu verbringen ist, machte sie das einzige Richtige: Sie band in ihre Entscheidung Eva selbst mit ein. Zur Überraschung der Mandantin hatte Eva gar kein Problem damit, den Heiligabend statt mit der Mutter mit dem Vater zu verbringen. »Vielleicht muss ich lernen, loszulassen, die Kinder werden manchmal schneller groß als man denkt«, sagte die Mandantin. Das kann ich als Vater zweier Kinder nur bestätigen.

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