Donnerstag, 15.04.2021

die »neue« Düsseldorfer Tabelle

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Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht
Foto: Alexander Heinrichs
»Wie soll ich denn die 150 Eu­ro im Mo­nat für den Kla­vier­un­ter­richt mei­ner Toch­ter Tan­ja fi­nan­zie­ren? Mit dem Kin­des­un­ter­halt kann ich doch schon die nor­ma­len Kos­ten von Tan­ja nicht be­zah­len.

Ich weiß gar nicht, warum mein Ex sich so aufregt, er hat doch ein Einkommen von über 11000 Euro monatlich und ich will doch nur, dass wir uns die Kosten teilen!«, regte sich meine Mandantin auf. Sie hatte ihren geschiedenen Mann vergeblich aufgefordert, die Kosten für den Klavierunterricht der gemeinsamen 11-jährigen Tochter hälftig zu übernehmen.

Der Vater hatte dies abgelehnt: Er zahle mit 612,50 Euro im Monat schon den Höchstbetrag der Düsseldorfer Tabelle. Die Mutter solle den Unterricht gefälligst selbst zahlen.

ERWEITERT

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Leitlinie für den Unterhaltsbedarf. Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, hat den Barunterhalt entsprechend dieser Tabelle zu tragen, während der betreuende Elternteil seiner Unterhaltspflicht durch die Betreuung des Kindes nachkommt. Der Unterhalt nach der ersten Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle entspricht dem Mindestunterhalt. Die Unterhaltssätze der höheren Einkommensgruppen bauen hierauf auf. Bis jetzt gab es zehn Einkommensgruppen, wobei die höchste ein Einkommen von 5 101 bis 5 500 Euro umfasst und zu einer Unterhaltsverpflichtung von 160 Prozent des jeweiligen Mindestunterhaltes der Düsseldorfer Tabelle führte. Mit dem Kindesunterhalt soll der Regelbedarf des Kindes abgedeckt werden, aber nicht der Mehr- oder Sonderbedarf wie etwa Klavierunterricht, Nachhilfe oder eine private Krankenversicherung. Diesen Mehrbedarf tragen beide Eltern entsprechend ihres Einkommens jeweils anteilig. Verdient die betreuende Mutter nur einen Bruchteil des Einkommens des Vaters, muss sie nur einen kleinen Anteil des Mehrbedarfs finanzieren.

Der Bundesgerichtshof hat mit seiner Entscheidung vom 16. September 2020 den Weg frei gemacht, dass die Tabelle um weitere zehn Einkommensgruppen bis zu einem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils in Höhe von 11 000 Euro fortgeschrieben wird. Endete bisher die pauschalisierte Berechnung bei 160 Prozent des Mindestunterhalts, ist künftig eine Berechnung bis 240 Prozent des jeweiligen Mindestunterhalts der jeweiligen Altersstufe der Tabelle möglich. Der Kindesunterhalt erhöht sich damit um jeweils circa 30 bis 40 Euro pro weiterer Einkommensgruppe.

EIGENTOR DES KINDSVATERS

Aufgrund des sehr guten Einkommens des Vaters fällt er nun in die neue höchste Einkommensgruppe der Tabelle. Sein Unterhalt steigt um 361 Euro monatlich von 612,50 auf 973,50 Euro. »Damit kann ich den Klavierunterricht für Tanja zahlen«, jubelte die Mandantin. »Wenn ich daran denke, dass ich nur 75 Euro mehr wollte, war sein Verhalten ein Eigentor für ihn.«

Info

Matthias Amberg ist Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht in Aschaffenburg.

Hintergrund

Matthias Amberg

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