Mittwoch, 21.11.2018

Wasser-Spiele

Montag, 25.06.2018 - 14:59 Uhr

Die Zah­len sind alar­mie­rend: Je­des zwei­te Kind in Deut­sch­land kann nach ei­ner Stu­die der DLRG in der Grund­schu­le nicht schwim­men. »Deut­sch­land wird Nicht­schwim­mer­land« schrieb ei­ne gro­ße deut­sche Ta­ges­zei­tung.

Woran es liegt, weiß mal wieder jeder besser: an fehlenden Schwimmbädern, übervollen Schwimmkursen mit langen Wartezeiten, faulen Eltern oder einem zu durchgetakteten Alltag, der gar keine Zeit mehr lässt für konzentriertes Üben.

Kinder und das Schwimmen lernen. Spätestens ab vier Jahren ist das ein Panik-Thema unter Eltern.

OHNE DRUCK

Im Kindergarten gibt es eine große Schwimmkurs-Fraktion. Man bemüht sich oft vergeblich um einen Kursplatz oder muss überfüllte und qualitativ weniger gute Kurse hinnehmen. Ist das Seepferdchen geschafft, atmen viele Eltern auf. Doch das ist Quatsch: Das Abzeichen ist erst der Anfang – ohne Übung auch weiterhin geht es nicht. Denn sicheres Schwimmen ist das Ziel.

DEN WEG SELBST BESTIMMEN

Das muss doch auch anders gehen. Ohne diesen Druck, ohne den Kampf gegen das Wasser, sondern ganz natürlich und entspannt. So wie früher, als mein Vater mir das Schwimmen beigebracht hat. Mit Zeit, Ruhe und viel Aufmerksamkeit. Klingt vielleicht esoterisch: Aber es ist einfach wundervoll, das eigene Kind dabei zu beobachten, wie es das Wasser als Element kennenlernt. Wie es mutiger wird und stärker.

Bei uns hat das funktioniert. Mit viel Spaß bei wöchentlichen Schwimmbadbesuchen und ganz viel Stolz beim Kind und Eltern. Das Schwimmenlernen kam dann irgendwie von selbst.

Wie das funktionieren soll?

1. Man braucht Zeit. Und Eltern, die am besten selbst begeistert schwimmen. Couchpotatoes oder Warmduscher, die nur den kleinen Zeh ins Wasser stecken, sind nicht unbedingt die besten Vorbilder fürs Kind.

2. Man sollte früh anfangen. Schon Babys lieben Planschen. Das sollte man ihnen so oft es geht ermöglichen: im Schwimmbad, am See, im Meer, in der Wanne. So können sich bei den Kleinen gar nicht erst Ängste entwickeln.

3. Keinen Druck aufbauen. Sondern das Kind einfach das Wasser entdecken lassen, im eigenen Tempo und im Spiel.

4. Man sollte nicht nur auf Schwimmhilfen bauen. Klar, Schwimmflügel sind bequem und suggerieren den Eltern Sicherheit (die es aber nicht gibt!). Aber sie behindern das Kind auch in seiner natürlichen Bewegung. Ähnlich ist es beim Bauchgurt. Damit das Kind lernt, wie sich das Wasser ohne den künstlichen Auftrieb anfühlt, kann man es immer mal wieder ohne ins Kinderbecken oder später ins Nichtschwimmerbecken gehen lassen.

5. Die aller-aller-wichtigste Regel: Habe keine Angst, aber Adleraugen! Vertraue deinem Kind, aber lass es nicht aus den Augen. Wenn der kleine Schwimmschüler im Wasser ist, braucht er unsere hundertprozentige Aufmerksamkeit. Wir müssen ihn begleiten und ihm im wahrsten Sinne des Wortes zur Seite stehen, eine Hand reichen, wenn es nötig ist, und ihn auffangen, wenn er ins Wasser springt.

6. Tauchen üben. Mit dem Kauf einer Schwimmbrille änderte sich bei uns alles. Unter Wasser entdeckte der Sohn seine Kräfte, machte ganz natürlich die richtigen Schwimmbewegungen und wurde immer geschickter. Und irgendwann gelang es ihm dann auch, den Kopf über Wasser zu halten.

7. Einfach mitmachen und Spaß haben. Schwimme mit dem Kind. Mache die Bewegungen immer wieder vor, aber sei kein Oberlehrer. Lass Spaß und Pausen zu.

P.S.: Natürlich ist jede Familie und jedes Kind anders. Deshalb ist dies auch kein Appell gegen den Schwimmkurs. Jeder kann den Weg selbst bestimmen. Hauptsache, am Ende schwimmt das Kind! him

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