Sonntag, 19.05.2019

»Kleidung wird überschätzt«

Kommentieren

Ni­na Rie­mi­chen sch­reibt seit 2016 im Blog »Karl reist« über das Rei­sen mit Kind. Als Karl drei Mo­na­te alt war, fuhr die Fa­mi­lie in ih­ren ers­ten Ur­laub zu dritt - nach Pas­sau, zehn Au­to­stun­den ent­fernt. Kurz nach sei­nem ers­ten Ge­burts­tag mach­ten sie sich auf ih­re zwei­mo­na­ti­ge El­tern­zeit­rei­se durch Thai­land und Kam­bod­scha.

Seitdem ist die Familie nach eigenen Angaben »dem Reisefieber endgültig verfallen«. Es folgte unter anderem eine Reise mit Camper durch Neuseeland. Karl ist mittlerweile sechs Jahre alt.

Ist dem Kind nicht egal, ob es im Sand an der Ostsee spielt oder in Neuseeland?

Das stimmt, dem Kind ist das egal. Beide Reiseziele haben Vorzüge und man kann dort hervorragende Urlaube verbringen. Wenn man aber mehr möchte, wie fremde Kulturen entdecken, unbekannte Speisen essen und wilde Natur erforschen, dann sollte man reisen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es unserem Sohn gut geht, solange er bei uns ist und es uns gut geht. Es gibt vieles auf der Welt, was Klein und Groß interessant finden, den Horizont erweitert, Vorurteile abbaut oder direkt verhindert, dass welche aufgebaut werden. Deshalb ist Reisen gut für die Entwicklung.

Wie hat das Reisen Ihre Familie verändert?

Unsere Reisen bringen uns als Familie noch näher zusammen. Unterwegs haben wir Zeit alles zu machen, worauf wir Lust haben - ohne den Gedanken im Kopf: »Eigentlich müsste ich noch Unkraut jäten, Wäsche waschen, ?«. Zusammen generieren wir Erinnerungen, die uns auch in vielen Jahren noch glücklich machen werden.

Warum sind Rituale wichtig?

Kinder brauchen Rituale, denn sie geben ihnen einen vertrauten Rahmen und ein sicheres Gefühl. Das ist auf Reisen umso wichtiger, denn hier ist alles fremd. Für einen kleinen Menschen kann das viel zu verarbeiten sein. Wir geben unserem Sohn im Urlaub immer ein T-Shirt von mir mit ins Bett, das findet er schön, »weil es nach Mama riecht«. Wir spielen abends immer seine gewohnte Einschlafmusik.

Machen Sie unseren Lesern mal Mut: Warum muss man vorm Reisen mit Kind keine Angst haben?

Vielleicht habt ihr Angst vor dem Unbekannten, vielleicht bekommt ihr Gegenwind von anderen, die euch für verrückt erklären, weil ihr euch für eine Reise in exotische Länder entschieden habt. Aber das stimmt nicht. Besonders Eltern informieren sich vorab intensiv über das Urlaubsland, vermeiden Risikogebiete, schauen auf die ärztliche Versorgung und suchen sich ihre Ziele bewusst aus. Denn natürlich will keiner sein Kind in Gefahr bringen. Eurem Kind ist nur wichtig, dass ihr da seid. Solange ihr zusammen seid und Ruhe ausstrahlt, wird euer Kind sich wohlfühlen und eure Stimmung spiegeln. Dabei ist es völlig egal, ob ihr auf einem Spaziergang in eurem Heimatort, in Griechenland oder einem Tempel in Myanmar seid.

Was darf im Koffer nicht fehlen?

Karls Lieblingskuscheltier. Und seine Einschlafmusik auf dem Handy.

Was dagegen wird überschätzt?

Kleidung. Erstens braucht man gar nicht so viele Sachen. Und zweitens: wenn doch mal etwas fehlt, kann man es überall nachkaufen. Wir reisen in der Regel mit genug Kleidung für eine Woche. Danach wird gewaschen. In Süd-Ost-Asien kann man dies bequem machen lassen, das Kilo Wäsche kostet meistens nur etwa ein bis zwei Euro und man bekommt es in der Regel trocken und ordentlich gefaltet zurück. In Europa übernachten wir gern in Ferienwohnungen mit Waschmaschine.

Ihr Reise-Geheimtipp?

Individuell reisen. Pauschalreisen sind zwar bequem, aber wer individuell reist, entdeckt mehr abseits der Touristenmassen und kommt leichter mit Einheimischen in Kontakt. Ein, zwei Ortswechsel auf einer zweiwöchigen Reise lassen keine Langeweile aufkommen. Individuelles Reisen ist besonders in der Hauptsaison oft günstiger als der Pauschaltrip.

Teuer?

Autorin Jenny Menzel sagt: »Deutschland ist eines der teuersten Länder der Erde - und den Alltag hier können wir uns leisten«, berichtet Reiseführer-Herausgeberin Britta Schmidt von Groeling. Ihr Tipp: Der Alltag im Reiseland ist meist günstiger. Wer länger reist, gibt vor Ort für den Alltag häufig weniger aus als zu Hause. Spartipp für Fernreisen: Früh buchen oder außerhalb der Hochsaison des Landes. In Europa spart, wer eine Unterkunft mit Selbstverpflegung bucht.

Hintergrund

Nina Riemichen

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!