Montag, 18.03.2019

Q wie Quatsch

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Wer­den aus Frau und Mann, Ma­ma und Pa­pa, dann tritt der Quatsch in ihr Le­ben. Auf so vie­len Ebe­nen. Als ers­tes der ner­vi­ge Quatsch, der ver­zicht­bar ist. Die In­du­s­trie, die ei­nem von An­fang an vor­gau­kelt, was man al­les braucht, um so ein Kind groß zu zie­hen.

Spezielle Creme, spezielles Waschmittel, spezielles Spielzeug, Babyphons mit Videoüberwachung, Fläschchensterilisator, Breiwärmer. Alles Quatsch, Quatsch, Quatsch. Braucht man nicht. Das Kind braucht am Anfang recht wenig, seine Eltern, Liebe, Geborgenheit, (Mutter-)milch, Windeln, was zum Anziehen, eine abgerundete Kindernagelschere und ein Fieberthermometer. Das wars.

Wird das Kind größer, kommt noch mehr Quatsch - aber welcher der angenehmen Sorte. Das Leben ist schließlich ernst genug. Quatsch ist oft nicht nur Unsinn, sondern eine gute Möglichkeit für Kinder, die Sinne zu schärfen, ihre Sprache zu entwickeln und etwas zu lernen. Und für uns Eltern eine Möglichkeit, es uns ein bisschen leichter zu machen und Sachen, die gemacht werden müssen, mit Spaß zu bewältigen. Quatsch nimmt den Druck raus. Ist morgens die Zeit eh schon wieder zu knapp? Dann ist es lustig, einfach mal ein paar Grimassen vor dem Badezimmerspiegel zu schneiden. Am Besten synchron. Sich gegenseitig das Gesicht zu waschen, kann sehr lustig sein und ein Gurgelkonzert nach dem Zähneputzen ebenso. So lässt sich lästiges, aber wichtiges morgendliches Standardprogramm mit Spaß verbinden. Ist besser als morgendliches Genöle.

Statt die Aufräumkeule zu schwingen, tanzen wir Lappentango. Eltern und Kinder binden sich Lappen um die Füße, drehen die Musik laut und tänzeln wie Eiskunstläufer über den Boden. Ist vielleicht nicht so effizient wie Putzen alleine, aber viel lustiger.

Wenn Berge von Dreckwäsche im Kinderzimmer herumfliegen, spielen wir einfach Wäschekorb-Basketball. Wäscheberge türmen und die Kinder die Klamotten nach Dunkelbunt, Kochwäsche, ? sortiert in hohem Bogen in Wäschekörbe werfen lassen. Und dann natürlich zur Waschmaschine tragen lassen und ihnen zeigen, wie man sie bedient. Muss das Bett neu überzogen werden, darf die Matratze das Trampolin sein oder die hauseigene Schnitzelgrube für waghalsige Turnübungen. Der müffelnde Bettbezug wird dann fürs Sackhüpfen Richtung Waschmaschine zweckentfremdet. Oder über den Kopf gezogen und von einerGespenstermeute abtransportiert.

Für die Knirpse ist es das Größte, wenn die Eltern mit ihnen Quatsch machen. Dieses Lachen, dieses Glück, man müsste es irgendwo unwiderruflich speichern. Wie man für dieses kleinen Wesen die Heldin ist, die beste Geschichtenerzählerin, die lustigste Person der Welt. Das bleibt leider nicht für immer.

Aber Quatschmachen, das darf man sich erhalten. Wozu hat man denn Kinder, wenn man nicht selbst kindisch sein darf? Mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt schlittern und fast das Regal umfahren. Oder zwischen Gemüsestand und Konservendosenregal fangen spielen. Grimassen schneiden im Bus. Watschelnd wie eine Ente zum Auto laufen, Weihnachtsliedertexte sinnfrei umdichten.

Ach, man kann es sich manchmal so viel leichter machen, wenn man nicht ganz so erwachsen tut. Keinen Elterndarsteller spielt, sondern einfach mal albern ist. Das Brot auf den Käse legt statt umgekehrt. In einer unverständlichen Geheimsprache kommuniziert oder wild durchs Wohnzimmer tanzt. Ein bisschen Leichtigkeit auslebt. Denn dann bekommen die ernsten Sachen auch mehr Bedeutung und weniger Schwere. fee

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