Donnerstag, 15.11.2018

»nicht den ersten Brei mit dem Smartphone filmen!«

Montag, 29.10.2018 - 15:46 Uhr

Sich Zeit neh­men, um dem Ba­by den ers­ten Brei an­zu­bie­ten. Das rät Ani­ka Hög­lin­ger, stu­dier­te Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin und zer­ti­fi­zier­te Er­näh­rungs­be­ra­te­rin. Die Bes­sen­ba­che­rin bie­tet für das Amt für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft Kur­se für El­tern an - rund um Bei­kost, Kin­der­le­bens­mit­tel und Es­sen am Fa­mi­li­en­tisch.

Auch praktisch ist die 33-Jährige Expertin für die Nudeln-nur-mit-ohne-Sosse-Phase: Sie hat zwei Kinder, die drei und neun Jahre alt sind.

Mit welchem Brei sollen Eltern anfangen?

Am Besten schauen die Eltern, was dem Kind schmeckt und was saisonal gerade reif ist. Es hat keinen Sinn, Kürbisbrei zu empfehlen mitten im Frühling. Kohlrabi etwa ist auch ein guter Einstiegsbrei. Er ist günstig, wächst in vielen heimischen Gärten und hat nicht etliche Flugkilometer hinter sich.

Zu welcher Tageszeit starten Eltern am Besten?Bevorzugt Mittags. Viel wichtiger als die Uhrzeit, ist es aber, die Familiensituation zu betrachten. Ist Mittags viel Trubel, kommt der größere Sohn aus der Schule, ist es in Ordnung, den Brei erst abends zu geben.

Was kommt in den Brei außer Gemüse?Ein Esslöffel hochwertiges Öl, etwa Rapsöl. Etwas Orangensaft für den Vitamin-C-Gehalt. Der Saft ist notwendig, um Eisen optimal aufnehmen zu können.

Welches Lebensmittel sind für Kinder unter einem Jahr tabu?Alle rohen Lebensmittel, also rohes Ei, Fleisch und Rohmilch. Honig besser auch erst ab dem zweiten Lebensjahr geben.

Was halten Sie von Baby-Led-Weaning?Für Babys zwischen fünf und sieben Monaten kann ich das auf keinen Fall empfehlen. Denn da ist die Energie- und Nährstoffversorgung nicht gedeckt. Außerdem besteht noch die Gefahr, dass sich Babys verschlucken. Beim Baby-Led-Weaning ist es wichtig, dem Kind Lebensmittel zu geben, die gut zu kauen sind wie Brot. Nüsse und kleine Beeren sollte man am Anfang meiden.

Früher hieß es: Mit Essen spielt man nicht! Babys matschen aber gerne mit dem Brei und zerdrücken Kartoffelstücke. Wie finden Sie das?Das ist eine tolle Sache. Kinder lernen mit allen Sinnen. Sie wollen gerne alles berühren, erfühlen und schmecken. Denn das Essen ist für sie etwas aufregend Neues. Wenn Eltern die Matscherei tolerieren können, dann sollten sie das Baby das ausprobieren lassen.

Was ist wichtig beim Essen?Die Stimmung am Tisch ist auch ausschlaggebend für gutes Essen - egal in welchem Alter. Essen soll weder Strafe noch Belohnung sein. Zwang muss Tabu sein, denn er führt zu Aversionen und Essstörungen.

Wer sein Zimmer aufräumt, darf nicht mit einem Eis geködert werden?Nein. Aber man kann sagen: »Wir haben jetzt so viel gearbeitet, wir machen uns jetzt etwas Schönes zu essen« und eine gute Atmosphäre schaffen. Das positive Gefühl sollte das Kind aber durch die Zwischenmenschlichkeit bekommen, nicht durch das Essen.

Was ist noch wichtig?Um zur Beikosteinführung zurückzukommen: Eltern sollen sich Zeit nehmen für das Kind und den Moment. Und nicht den ersten Löffel Brei, den das Baby isst, unbedingt mit dem Smartphone knipsen.

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