Freitag, 16.11.2018

Schmackofatz

Montag, 29.10.2018 - 15:51 Uhr

Was hilft in der »Nur-Nu­del-mit-oh­ne-Sos­se-Pha­se«?Aus­sit­zen. Sagt Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Ani­ka Hög­lin­ger. Lo­cker blei­ben. Die­se Pha­se im Klein­kindal­ter ist ganz nor­mal. Je we­ni­ger Druck man macht, um­so bes­ser.

»Es gibt eben eine Zeit, in der Kinder das Chaos auf dem Teller nicht verkraften, etwa wenn die Soße auf den Nudeln ist und sie den Mischmasch ausdifferenzieren müssen und herausfinden, wie was schmeckt.« Das regelt sich meist von alleine. Hilft: Soße zum Dippen im Extratopf neben den Teller stellen.

Im Kindergarten isst das Kind alles. Zuhause nicht. Woran liegt das?Im Kindergarten ist das Angebot da, da gibt es oft Sachen, die es zu Hause nicht gibt. Also ruhig auch Sachen anbieten, die auf den ersten Blick abwegig erscheinen: Kohlrabischeiben, Fisch, Grillfackeln, mildes Gemüsecurry.

Keine Extrawürste:Wichtig ist vor allem eins: »Man sollte hinter dem stehen, was man auf den Tisch bringt«, sagt Anika Höglinger. »Sonst ist es nicht authentisch.« Wenn man Zucchinipuffer brät, Kräuterquark dazu anrührt und im gleichen Atemzug dem Kind anbietet: »Wenn du es nicht magst, schmiere ich dir ein Butterbrot«, wird es die Puffer wahrscheinlich nicht probieren. Essen also selbstbewusst präsentieren und nicht von vornherein denken, dass das Kind das eh nicht mag. Was es gibt, entscheiden die Eltern, das Kind, wie viel es davon isst.

Probieren: Probieren ist wichtig, denn sonst weiß man ja nicht, ob es einem vielleicht doch schmeckt. Gute Regel: Neugierig alles kosten, wenn es schmeckt, gibt es gerne mehr davon.

Vorbild sein:Kinder orientieren sich langfristig daran, was die Eltern essen. Das heißt nicht, dass sie mit drei Salat essen, aber vielleicht mit zwölf. Also immer wieder gesundes Essen vorleben, ohne dogmatisch zu sein. Dann kann nicht zu viel schief gehen.

Kein Gemüse-Hype: Anika Höglinger warnt Eltern davor, einen »Gemüse-Hype« zu betreiben und ständig zu betonen, wie gesund Karotten und Gurken sind. Das könne Kinder abschrecken. Gemüse einfach immer wieder selbstverständlich auf den Tisch stellen - etwa geschnittene rote Paprika. Oder gekochte Erbsen. Wird ratzfatz weggeputzt.

In Gemeinschaft essen:Futtert die Cousine Spargel, dann probiert bestimmt auch das eigene Kind das Kaisergemüse. Gibt es Bratwurst im Brötchen auf die Hand beim Treffen mit Freunden, essen alle Kinder begeistert mit. Essen ist eben etwas Gemeinsames.

Tricksen:In gewissem Alter ist es in Ordnung zu tricksen. Das ist schön im Buch »Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!« nachzulesen. Carinas Kinder, so steht da zu lesen, essen keinen Reis. Und so jubelt sie ihnen die kleinen Körner als »Mini-Mini-Nudeln« unter. Klappt. Ein bisschen schummeln ist erlaubt. Mein Kind isst auch gerne Schwertfisch und Lachs - allerdings nur, wenn ich behaupte, es sei Huhn und rosa Huhn.

Gemüseschmuggel:Spinat kann man in grünen Smoothie mit Banane und Mandelmilch schmuggeln, gekochte Paprika in der Nudelsoße pürieren und Zucchini im Waffelteig verstecken. Dieser Gemüseschmuggel ist aber oft nicht notwendig. Geheimwaffengemüse: Erbsen. Essen fast alle Kinder gerne. Und komischerweise auch Rahmspinat, Kartoffeln und Ei.

Picknick:Wieso nicht einfach mal das Abendessen als Picknick im Garten auf einer Decke machen? Oder die Pizza gemütlich auf dem Wohnzimmerteppich essen? Gutes Essen braucht nicht unbedingt einen Tisch.

Mithelfen und Selbst kochen:Schon Zweieinhalbjährige helfen gerne in der Küche mit, waschen Salat, schneiden Paprika und rühren Teig an. Helfen Kinder beim Essenmachen mit, sind sie eher bereit etwas Neues zu probieren. Auch Tischdecken ist eine gute Aufgabe für Kinder. Und: Wer fertig ist, räumt seinen Teller in die Spülmaschine.

Teenager-Tag:Teenager können ruhig einmal in der Woche für die Familie kochen. Sie dürfen dann auch aussuchen was: Veganes Curry, Burger mit Süßkartoffelpommes. Egal. So werden sie selbstständig und die Eltern haben weniger Arbeit.

Keine Ablenkung:Fernseher und Smartphone sollten am Familientisch tabu sein, sagt Ernährungswissenschaftlerin Anika Höglinger. »Kinder brauchen ihre Eltern beim Essen und ihre Rückmeldung.«

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