Donnerstag, 15.11.2018

»Handy als Werkzeug benutzen, Nicht zur Berieselung«

Montag, 27.08.2018 - 12:02 Uhr

Selbst­ma­chen statt nur be­rie­seln las­sen! Das emp­fiehlt Si­n­ik­ka Os­ter. Die Me­di­en­päda­go­gin in der Me­di­en­werk­statt des Aschaf­fen­bur­ger Ju­gend- und Kul­tur­zen­trum regt ein ge­sun­des Maß an Me­di­en­kon­sum an. Zu viel sei sch­lecht, zu we­nig aber auch.

Mit der 37 Jahre alten Mutter zweier Töchter im Alter von (fast) sieben und vier sprach Fee Berthold-Geis über gute Sendungen, die Allgegenwärtigkeit der Medien und Fernsehverbot.

Können Sie nachvollziehen, dass Eltern manchmal ihre Kinder vor dem Fernseher parken?Klar. Mütter leisten viel, und manchmal wünschen sie sich einfach eine Stunde Ruhe. Trotzdem glaube ich, dass uns das einholt.

Sind wir Eltern schlechte Vorbilder, was Medienkonsum angeht?Ja, weil sich Eltern ihrer Vorbildrolle oft nicht bewusst sind. Medien spielen in unserem Alltag eine ganz starke Rolle. Morgens klingelt der Radiowecker oder gleich das Handy, Emails rufen wir mit dem Smartphone ab. Selbst wenn wir als Eltern nachvollziehen können, was da passiert, kann es das Kind eben nicht, wenn wir ständig am Handy hängen. Es merkt nur: Du störst. Kinder nehmen sehr früh wahr: Das Gerät ist wichtiger als ich. Deshalb hilft es, in der Familie Regeln aufzustellen, die für alle gelten.

Auch für die Eltern.Genau. Eltern haben einen Haufen Stress von der Backe, wenn es klare Regeln gibt, die Medien nicht in den Vordergrund stellen. Dann muss das nicht täglich neu diskutiert werden. Die Regeln erstellen Eltern am Besten im Dialog mit ihren Kindern und packen sich auch an die eigene Nase. Denn wieso soll ein Kind während der Mahlzeiten nicht ans Telefon gehen dürfen, aber Papa schon, wenn sein Handy klingelt?

Ihre Empfehlung: Wie viel Fernsehen pro Tag ist in Ordnung?Schulkinder können 30 bis 60 Minuten täglich fernsehen. Es gibt auch Momente, in denen es Sinn ergibt, länger zu gucken, etwa wenn der Spannungsbogen gerade hoch ist. Dann kann man einen Deal mit dem Kind machen und am nächsten Tag kürzer gucken. Bei älteren Kindern finde ich es gut, wenn man pro Tag eine Gesamtzeit festlegt, so viele Minuten darf das Kind Medien nutzen. Das beinhaltet dann auch Handy, Computer, Spielekonsole, ?

Ab wann darf ein Kind fernsehen, auf dem Tablet spielen oder mit dem Handy hantieren?Mein Tipp: Kein Kind alleine lassen mit Medien und vor allem kein Kind unter drei. Ansonsten gibt es kein Patentrezept. Eltern müssen gucken, wie weit das Kind entwickelt ist, was es versteht und verarbeiten kann und wie es mit analogen Medien wie Büchern umgeht, etwa wie oft ein Kind ein Buch lesen kann und welche Fragen auftauchen.

Kinder sollen digitalen Medien möglichst nicht alleine nutzen?Das wäre wünschenswert. Das in der Realität umzusetzen, erfordert Disziplin und ständiges Hinterfragen. Aber man kann Kinder auch so von Medien wegdrosseln, dass es nicht gut ist. Kinder sollen einen bewussten Umgang mit Medien lernen. Wenn man sie wegschließt, macht man sie nur noch interessanter.

Wie ist eine gute Mediennutzung?Ein Handy hat viel zu bieten - etwa die Kamera. Da kann ein Kind viel selbst machen. Es wird zum Produzenten und merkt: Oh, ich kann was. Gut ist, wenn ein Handy kein Beschallungsinstrument ist, sondern ein Werkzeug, mit dem das Kind sich ausprobieren kann, anstatt sich berieseln zu lassen. Mit dem es Trickfilme, Fotos oder Bilderbuchkinos machen kann. Oder die eigene Stimme aufnehmen und Geschichten erzählen. Neue Medien - Segen oder Fluch?Man kann mit Medien sehr viel richtig machen, aber auch sehr viel falsch. Ein zu früher Umgang mit digitalen Medien kann Eltern die Chance verbauen, das Kind, zu einem autonomen Menschen zu machen. Die Zeitspanne später im Schulalter, einen guten Umgang mit Medien zu lernen, ist leider sehr kurz. In der Grundschule lernen Kinder schreiben und lesen, mit neun Jahren haben sie meist ihr erstes Handy. Man muss früher anfangen mit der bewussten Mediennutzung und auch über Datenschutz und die Risiken sprechen.

Wie ist das bei Ihnen zu Hause?Unter der Woche spielt Fernsehen bei uns zu Hause keine Rolle. Am Wochenende darf dann was mit Medien gemacht werden, etwa Fotos oder ein Trickfilm mit Schleich-Tieren. Beim Fernsehen gucken wir Eltern mit.

Oft sieht man Eltern auf dem Handy tippen, während sie den Kinderwagen schieben und Mütter Nachrichten auf dem Handy schreiben, während sie stillen.Ich finde, da geht Müttern viel verloren. Stillen ist so ein inniger Moment, da wird Bindung aufgebaut, da ist Zeit zu verschnaufen, Pause zu machen. Wenn man dann auf dem Handy herumtippt, nimmt man sich die Pause und den zufriedenen Blick auf ein zufriedenes Kind.

Viele Kinderfilme sind ab null Jahren freigegeben. Oft haben sie schnelle Bildwechsel und sind für kleine Kinder nicht geeignet. Auf die Altersbegrenzung der Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) kann man nicht viel geben. Das heißt nur, dass es keinen Sex und keine Gewalt im Film geben darf. Trotzdem gibt es vielleicht Tote, und Bambi betrauert den Verlust seiner Mama. Besser ist es, sich vorab über den Film zu informieren und ihn vorher anzuspielen, bevor man ihn mit dem Kind gemeinsam guckt. Immer im Dialog bleiben.

Was halten Sie von Fernsehverbot?Eltern sollen Medien nicht als Druckmittel einsetzen. Am Besten überhöht man ihren Wert nicht.

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