Sonntag, 19.05.2019

Das machen wir jetzt einfach

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little girl with suitcase travel in the airport, kids travel
Foto: Nadezhda1906

Wenn et­was nicht rund lief, ret­te­te mein Va­ter, als ich klein war, oft die Si­tua­ti­on mit zwei Wor­ten. »Ein Abenteu­er!«, rief er dann be­geis­tert und schwupps wa­ren ein ge­platz­ter Rei­fen, ei­ne ver­pass­te Fäh­re oder ein Platz­re­gen auf ein­mal die bes­te Un­ter­hal­tung statt ei­ne Voll­ka­tastro­phe.

Dann machte er ein Spiel draus, machte dadurch alles ein bisschen leichter. Wieso ärgern, wenn wir es eh nicht ändern können? Eine gute Taktik - besonders, wenn man als Familie auf Reisen ist. Lachen, wenn es nicht so läuft, wie geplant. Sich darauf einlassen, dass es nun ein anderes Tempo gibt. Und vielleicht andere Aktivitäten. Reisen mit Kinder ist anders als das Wegfahren als Paar. Und es bringt besondere Momente mit sich. »Was das Reisen mit Kind besonders macht, ist die Art, wie Kinder die Welt entdecken und wie wir als Eltern daran teilhaben können«, sagt Nina Riemichen vom Blog »Karl reist«. Kinder stören sich nicht an verregneten Sommertagen, sie hüpfen auch gerne in Matschpfützen statt wie die Eltern rumzumaulen, als habe man eine Urlaubs-Sonnen-Garantie mitgebucht. Wie Kinder die Welt entdecken, können wir Großen uns wunderbar abgucken. Und nicht nur deshalb hat es mich neulich so gefreut, als der Kindsvater beim Stromausfall im Ferienhaus statt zu maulen, dass er nichts kochen kann, einfach Kerzen angezündet, belegte Brote geschmiert und unsere Tochter angestrahlt hat: »Ein Abenteuer!«

SICH TRAUEN

Ist es nicht am sichersten zu Hause? Reicht nicht das Planschbecken im Garten? Oder sieben Stunden Freibad inklusive Pommes? Ist auch schön, ja. Aber manchmal ist es gut, sich einfach mal etwas zu trauen. Und weg zu fahren. Zu staunen, wie freundlich andere Menschen sind. Wie lecker Fisch ist, wenn ein Meer in der Nähe ist. Wie sagt Reiseexpertin Britta Schmidt von Groeling: »Meine Erfahrung ist, dass die Dinge vor Ort meist sehr viel einfacher sind, als sie von zu Hause aus betrachtet scheinen. Infos einzuholen und sich gut vorzubereiten hilft gut gegen Sorgen.«

TRÄUME ERFÜLLEN

Ob es im Sandkasten auf dem Aschaffenburger Schöntal-Spielplatz buddelt, auf Amrum oder Mauritius, ist einem Kleinkind total egal. Hauptsache Sand und Hauptsache Mama und Papa haben Zeit. Für die Kinder muss man keine Fernreise machen - sie finden die Hühner des Nachbarn genauso spannend wie die Elefanten im Frankfurter Zoo oder die Riesenschildkröten auf den Seychellen. Wenn aber die Eltern sehnsüchtig von einer Fernreise träumen, spricht nichts dagegen, sie auch mit Kindern zu machen.

FREIRAUM FÜR ALLE

Urlaub haben alle, die Eltern und die Kinder. Gut, wenn jeder mal frei hat. Wenn Papa einfach mal zwei Stunden machen kann, was er möchte und Mama zuständig ist. Und umgekehrt. Auch die Kinder wollen mal selbst was entdecken. Mit den neuen Freunden spielen oder in den Miniclub.

OMA UND OPA

Großeltern sind echt ein Geschenk. Weil sie viel Geduld haben und so viel Spaß an der gemeinsamen Zeit mit den Enkeln. Weil die Kinder morgens einfach rüber zum Zimmer der Großeltern laufen können und wir einfach weiterschlafen. Weil sie den Knirpsen schwimmen beibringen, während wir Eltern beim Versuch daran scheitern. Weil sie aus allem ein Abenteuer machen. Ist eine gute Idee: den Urlaub teilen. Eine Woche mit, eine ohne Großeltern. Schafft schöne Erinnerungen, Freiräume und Erholung.

ERWARTUNGEN

Wir scheitern oft an unseren Erwartungen. Weil wir uns alles bullerbü-mäßig schön ausmalen, und dann gib es Knatsch wegen Nichtigkeiten und man denkt: Du undankbare Göre. Du undankbarer Kindsvater. Dabei sind genau die Sachen, die schief gehen, die, über die man später gemeinsam lacht. Der Kit, der die Familie zusammenhält.

EINFACH IST SCHÖN

Ein Fünf-Gänge-Menü mit Kind ist selten entspannt. Macht auch mehr Spaß: auf der Papiertischdecke malen, was Leckeres essen und dann vielleicht noch ein Eis auf die Hand. Oder ein Picknick mit Brot und Käse am Strand. Auf der Wiese. Das Einfache kann so gut sein.

Hintergrund

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Hintergrund

Großer Koffer, weites Ziel: Mit Kindernverreisen erweitert den Horizont der Eltern. Denn sie sehen andere Details als Erwachsene. Foto: Nadezhda1906/

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