Freitag, 22.02.2019

Weniger macht glücklich

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Wer heu­te in sein will, der wird Mi­ni­ma­list. »The New Mi­ni­ma­lism« ist an­ge­sagt, Bücher wie »Sim­p­li­fy« oder »Ein­fach Le­ben« ste­hen auf den Best­sel­ler­lis­ten, der Trend zum »Ti­ny Hou­se« - al­so zum sü­ß­en Kleinst-Haus im Grü­nen - ver­spricht ein ein­fa­ches, glück­li­che­res Le­ben.

Und wahrscheinlich ist wirklich was dran am Trend. Ein bisschen weniger von allem - Konsum, Medien, Freizeitaktivitäten, Besitz - kann uns helfen, wieder durchzuatmen und uns auf uns selbst zu konzentrieren. Das funktioniert auch in der Familie. Fünf Minimalisten-Regeln für Anfänger:

Gebt euren Kindern weniger!

Kinder werden als Minimalisten geboren, benötigen nicht mehr als Nahrung und Liebe. Später brauchen sie unsere Hand, die sie durchs Leben führt - und unsere Bereitschaft, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Spielsachen? Eigentlich nicht wirklich nötig. Kleinkinder spielen lieber mit Dingen aus dem »echten« Leben, mit Pfannen, Zeitungspapier, dem Staubsauger. Und größere Kinder? Die spielen am liebsten mit anderen Kindern. Draußen in der Natur. Im Wald kann man klettern, Stöcke sammeln, durch Bäche waten. Wenn es neues Spielzeug sein soll, kann man sich an die Regel halten: Für jede neue Sache kommt eine alte weg. Funktioniert übrigens auch bei Mamas Schuhen?

Teilt statt zu besitzen!

Das Auto beispielsweise galt lange als Statussymbol der Deutschen. Doch es wächst eine Generation heran, die das anders sieht. Der es nicht wichtig ist, ein Auto zu besitzen, sondern mobil zu sein. Carsharing lässt sich auch in der Familie praktizieren. Es gibt immer mehr Anbieter, die es einem einfach machen, aufs Teilen umzusteigen. Oder: Bücher in der Bücherei ausleihen statt zu kaufen. Babykleider kann man inzwischen auch mieten. Sogar Spielsachen gibt es leihweise.

Setzt den Familienplaner auf Diät!

Es sind immer zu viele Termine und zu wenig Zeit. Heute empfinden schon Siebenjährige Stress, der sich durch Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen bemerkbar macht. Müssen Grundschüler wirklich Sport machen, ein Musikinstrument lernen und einen Malkurs besuchen? Reicht nicht vielleicht ein fester Termin pro Woche? Unverplante Zeit ist wichtig für Kinder. Sie fördert ihre Kreativität und Vorstellungskraft, lässt Raum für eigene Projekte. So finden Kinder heraus, was sie wirklich interessiert. Auch die Eltern können so mehr Zeit für sich gewinnen. Dieses befreiende Gefühl, wenn man mal einen »wichtigen« Termin sausen lässt und stattdessen einfach eine Tasse Tee auf dem Sofa trinkt! Kinder können uns Entschleunigung wunderbar beibringen. Plötzlich haben sie Fieber und schmeißen all unsere Pläne und Termine über den Haufen. Und ja, das Leben geht trotzdem weiter.

Schaltet ab!

Digitale Medien sind spannend und heute unverzichtbar, aber sie sind kleine, fiese Zeitfresser. Ein bewusster Umgang mit ihnen spart uns viel Zeit, die wir für wichtigere Dinge verwenden können. Wir sollten außerdem Vorbild sein für unsere Kinder. Wenn wir wollen, dass die vernünftig mit Smartphone und Co. umgehen, müssen wir ihnen das vorleben. Am Wochenende kann man einfach mal das Handy ausschalten und bewusst weglegen. Manche Familien legen ihre Telefone in der Wohnung in einen Korb, an den nicht jeder sofort rankommt. Oder man stellt Regeln auf: Kein Telefon am Esstisch zum Beispiel.

Esst einfacher!

Minimalismus funktioniert auch in der Ernährung. Wie wäre es, im neuen Jahr mehr auf gesunde, unverarbeitete Lebensmittel zu achten? Bio-Kartoffeln vom Markt schmecken auch nur mit Butter und Salz lecker. Selbstgemachte Nudeln brauchen nur eine simple Tomatensoße, um ein Genuss zu sein. Man schmeckt so alle Zutaten viel besser. Weniger Fertiggerichte, das bedeutet auch: weniger Zusatzstoffe, weniger Allergene und weniger Verpackungsmüll. Vielleicht sollte man auch einmal die Vorratskammer aussortieren? Weg mit den verstaubten Gewürzen, die sowieso keiner mehr verwendet. Und dann in Zukunft bewusster einkaufen.

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