Mittwoch, 14.11.2018

Gleich Essen am Familientisch

Montag, 29.10.2018 - 15:50 Uhr

Sper­ri­ger Be­griff, für man­che Fa­mi­lie aber ein tol­les Kon­zept: Ba­by Led Wea­ning ist schwer zu über­set­zen, heißt aber frei so viel wie »vom Ba­by ge­lei­te­te Ent­wöh­nung«. Das heißt, nicht die El­tern ent­schei­den nach und nach je­de Milch­mahl­zeit durch Brei zu er­set­zen, son­dern das Ba­by be­kommt freie Hand bei der Bei­ko­stein­füh­rung.

OHNE BREI

Und das buchstäblich. Denn beim Baby Led Weaning bekommt das Baby keinen Brei, es wird nicht gefüttert, sondern darf selbstständig Lebensmittel in den Mund stecken und probieren. Es isst also gleich am Familientisch mit.

Anfangen kann man mit Baby Led Weaning, wenn das Baby die motorische Reife hat. Der Vorteil laut Sybille Behl, Hebamme aus Mömbris, die auch Beratung zur Beikosteinführung »Baby led weaning« anbietet: »Das Baby greift intuitiv das, was es braucht.« Der Körper werde langsam an feste Nahrung gewöhnt. Viele Familien empfänden Baby Led Weaning als stressfrei, sagt Behl. »Viele Mütter machen sich verrückt, weil das Baby keinen Brei isst. Beim Baby Led Weaning nimmt sich das Baby Essen in seinem Tempo. Durch die Milch hat es alles, was es braucht. Zeit ist die Lösung für alle Probleme«, sagt Behl und lacht.

Gut geeignet als erstes Essen ist Obst und gedünstetes Gemüse, das in der Hand nicht gleich zermatscht, sich aber im Mund gut auflöst wie geschältes Obst, etwa Banane, gedünsteter Apfel, weiche Birne, gedünstete Kartoffel, gekochte Karottenpommes, gedünsteter Brokkoli oder Blumenkohl oder gebratene Zucchinischeiben. Hebamme Sybille Behl empfiehlt zum Start »einheimische Gemüse«. Denn: »Was unser Land zur Verfügung stellt, braucht unser europäischer Körper.«

Praktisch: Das Baby bekommt das, was die anderen Familienmitglieder auch essen, Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, gekochte Eier, Brot, Toast, Reis, Pasta und viele Fischsorten. Das Essen schneidet man dem Baby in Stücke oder Streifen, die es gut greifen kann.

Am Anfang wird das Baby winzige Mengen essen, sagt Behl. Aber das macht nichts, denn (Mutter-)Milch bleibt die Hauptmahlzeit. Behl empfiehlt »zwei Milchmalzeiten« bis zum ersten Geburtstag.

KEINE NÜSSE

Wichtig beim Baby Led Weaning ist, dass das Kind nicht alleine isst und immer im Sitzen. Vermieden werden sollen Nüsse, Honig und Lebensmittel, die viel Zucker oder Salz enthalten wie Feta und Sojasoße, ebenso Fertiggerichte, Fast Food, Schalentiere und Thunfisch. Kleine Früchte wie Kirschen und Trauben sollen Eltern vorher entkernen und halbieren. »Babys können mehr als wir denken«, sagt Behl. »Auch wenn Babys wenige Zähne haben, bekommen sie viel klein. Sie zermalmen das Essen einfach mit ihrer Kauleiste.«

Lade Inhalte...