Dienstag, 19.06.2018

Wir wollen ein Haustier

Aschaffenburg, Hundetrainerin Andrea Buhler-Schmidt und den Kind
Montag, 26.02.2018 - 13:30 Uhr

Ir­gend­wann kommt sie in je­der Fa­mi­lie auf, die ge­fürch­te­te Kin­der­fra­ge: »Darf ich ein Haus­tier ha­ben?«. Ma­ma und Pa­pa fan­gen dann meist an ner­vös zu lächeln und stam­meln ir­gend­was mit »Ir­gend­wann mal. Vi­el­leicht. Nicht so ein­fach. Du weißt schon« und Kin­der wä­ren nicht Kin­der, wenn sie mit die­ser Ant­wort zu­frie­den wä­ren.

Dann beginnt die lange und intensive Phase der Eltern-Zermürbung, die meist damit endet, dass die Familie irgendwann im Zoogeschäft oder Tierheim steht, um sich ein tierisches Familienmitglied nach Hause zu holen.
Im besten Fall haben sich vorher alle genau überlegt, welches Tier gut zur Familie passt, wer welche Aufgaben übernimmt und was im Falle von Urlaub oder Krankheit mit dem Tier passiert.
Denn Regel Nummer eins lautet: Ohne Planung geht nichts beim Haustierkauf! Welches Tier am besten in die Familie passt, hängt von vielen Faktoren ab: der Wohnsituation, dem Alter des Kindes, der Bereitschaft, Zeit zu investieren - und auch Geld für Futter, Versicherung und Tierarzt. Nur wenn diese Punkte geklärt sind, sollte die Familie ernsthaft über die Anschaffung eines Haustiers nachdenken. Eltern sollten sich in jedem Fall beraten lassen und sich informieren. Im Zoofachgeschäft beispielsweise oder im Tierheim. Oder in einem der zahlreichen Bücher zum Thema. Ob Hund, Katze oder Maus: Jedes Tier hat unterschiedliche Bedürfnisse und passt zu unterschiedlichen Familien (siehe Kasten »Welches Tier passt zu mir?«). Mit dem Hund muss man regelmäßig raus bei Wind und Wetter, eine Katze braucht eher ihren Freiraum und ein Fisch tut Kindern vielleicht gut, die hyperaktiv sind und einfach mal in Ruhe beobachten können.
Rund 30 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland. Davon sind 8,6 Millionen Hunde. Damit stehen die treuen Vierbeiner laut Statistik auf Platz zwei der beliebtesten Haustiere nach den Katzen mit 13,4 Millionen.
KINDERWAGEN IST TABU
Andrea Buhler-Schmidt aus Stockstadt ist Hundetrainerin und bietet Familien auch Beratung an, wenn diese sich einen Hund zulegen wollen oder wenn sich in Familien mit Hund ein Baby ankündigt. Außerdem leitet sie ab 14. März eine vierteilige Veranstaltungsreihe in der Volkshochschule Aschaffenburg zum Thema »Bereit für einen Hund?«. Ohne Vorbereitungen und Regeln geht es nicht, ist sie überzeugt. »Aber leider machen sich noch immer zu wenige Menschen vor einem Haustierkauf Gedanken, wie die Alltagssituation sich dann ändern wird«, sagt sie.
Wenn ein Hund jahrelang das »einzige Kind« in der Familie ist - und dann ein Baby dazukommt, dann sollte der Vierbeiner vorbereitet sein. »Viele schenken ihrem Hund vor der Geburt des Kindes dann nochmal extra viel Aufmerksamkeit«, sagt Buhler-Schmidt. Doch das sei genau kontraproduktiv. Vielmehr müsse man den Hund rechtzeitig daran gewöhnen, bald nicht mehr die erste Geige zu spielen. Das schafft man, indem man ruhig und zurückhaltend mit ihm umgeht, ihm beibringt, dass der Kinderwagen tabu ist, ihm einen Platz in der Wohnung schafft, auf den er sich in stressigen Babyzeiten zurückziehen kann.
Dies gilt auch für Fälle, in denen der Hund später zur Familie dazukommt. »Hunde haben ein großes Ruhebedürfnis und schlafen bis zu 20 Stunden am Tag«, sagt die Hundetrainerin. Daher brauchen die Tiere im Familientrubel unbedingt einen Rückzugsort. Und diesen müssen auch die Kinder respektieren. Denn sie müssen lernen: »Auch der Hund hat seine Grenzen - und diese müssen respektiert werden.«
Eltern müssen daher ihre Kinder im Umgang mit dem Hund begleiten. Kleinen Kindern müsse man von Anfang an beibringen, dass beispielsweise der Futternapf tabu ist und dass die Hundedecke kein Platz für Spiele ist. »Der Respekt dem Hund gegenüber ist wichtig, damit die Familie friedlich zusammenleben kann«, so Buhler-Schmidt.
PUTZIGER HAMSTER?
So sollte es natürlich selbstverständlich sein, dass besonders kleine Kinder, die gerade krabbeln lernen und manchmal kräftig zupacken, niemals mit dem Hund alleine gelassen werden. Ruppige Berührungen und Griffe der Kleinen irritieren und stressen Hunde - und so kann es schnell passieren, dass ein Hund sich wehrt und zuschnappt. Diese Situation lässt sich nur vermeiden, wenn die Eltern Kind und Hund im Auge behalten.
Werden die Kinder größer, können sie immer mehr Aufgaben übernehmen. Sie können die Fütterung übernehmen, mit dem Hund spielen und auch Gassi gehen. »Alleine mit dem Hund unterwegs sein - das ist für Kinder ab 14 Jahren in Ordnung. Vorher sollten die Eltern immer dabei sein«.
Auch bei der Auswahl des Tieres gibt es einiges zu beachten. »Hole ich mir einen Welpen ins Haus, dann habe ich ein zusätzliches Baby zu versorgen, und zwar regelmäßig. Gehe ich ins Tierheim, dann können mir die Mitarbeiter viel über das Tier erzählen und ich kann es beobachten. Tabu sollte der Hundekauf über Ebay sein«, so Buhler-Schmidt. Eine ideale Hunderasse für Familien gibt es übrigens nicht. Vielmehr ist von Bedeutung, dass der Hund erzogen ist und seine Grenzen kennt.
Viele Eltern schrecken jedoch vor der Verantwortung für einen Hund zurück - und wollen erstmal »was Kleines« für das Kind anschaffen. Da fällt die Wahl gerne auf ein putziges Nagetier. Einen Hamster zum Beispiel. Ein Tierchen, das nicht viel Arbeit macht. Klingt erstmal toll.
FÜRS GANZE LEBEN LERNEN
In der Realität jedoch kann sich ein kleiner Nager als schwieriger Wohnungsgenosse herausstellen. Zum Beispiel weil er nachtaktiv ist und all das putzige Wuseln, Graben und Klettern am liebsten dann erledigt, wenn wir schlafen wollen. Da Hamster oder Mäuse zerbrechliche Tiere sind, eignen sie sich auch nur für Kinder, die nicht zu wild mit ihnen spielen und Spaß an der Beobachtung haben.
Etwas kindgerechter sind da Meerschweinchen. Die sind tagaktiv und einfach süß. Allerdings haben sie nicht immer Lust geknuddelt zu werden und haben einen Stall, der wöchentlich gereinigt werden muss. Und das am besten nicht immer von Mama! Kinder ab acht Jahren können durchaus schon selbst für so ein Tier verantwortlich sein. Gerade bei kleinen Nagern jedoch muss man wissen, dass diese nicht sehr alt werden. Das bedeutet, dass die Kinder auch in absehbarer Zeit wieder Abschied nehmen müssen. Ein schmerzlicher Prozess für die ganze Familie, schließlich hat man den Mitbewohner sehr liebgewonnen.
Lernen, auch mit dem Tod umzugehen: Das ist auch ein positiver Effekt für Kinder, die ein Haustier haben. Denn in unserer Gesellschaft wird der Tod so tabuisiert, dass Kinder damit gar nicht mehr in Berührung kommen. Und so bedeutet die Freundschaft zum Haustier auch das Durchleben eines ganzen Lebenszyklus mit allem, was dazugehört - auch die Krankheit, das Älterwerden und der Tod des geliebten Tieres. Durch ein Haustier lernen Kinder, mitzufühlen, sich in ein Lebewesen und seine Bedürfnisse hineinzuversetzen. Das ist eine fantastische Gelegenheit - auch und vor allem für Kinder, die keine Geschwister haben. Das Selbstbewusstsein kann durch ein Tier ebenfalls deutlich ansteigen. Das Gefühl, sich selbst um ein Tier kümmern zu können, es zu versorgen und für es da zu sein, gibt Kindern das Gefühl, groß zu sein. Und dann ist es natürlich die Freude am Zusammensein, der Spaß, das Kuscheln und sich am Tier erfreuen. Denn allem Organisieren, Überlegen und Abwägen zum Trotz: Die Entscheidung für ein Familienhaustier ist auch eine Herzensangelegenheit!