Donnerstag, 20.09.2018

ein Vater ZuVIEL - Vaterschaftsanfechtung

Matthias Amberg
Montag, 26.03.2018 - 15:05 Uhr

»Das wird jetzt ein bis­schen kom­p­li­ziert, Herr Am­berg« warn­te mich mei­ne Man­dan­tin. Sie er­zähl­te, dass sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit zwei Män­nern ei­ne On-off-Be­zie­hung ge­habt ha­be. Mit ih­rem jet­zi­gen Ehe­mann leb­te sie be­reits vor Jah­ren in ei­ner nicht­e­he­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft zu­sam­men.

Vor zwei Jahren zog sie jedoch mit einem anderen Mann zusammen, wurde von ihm schwanger, trennte sich aber vor der Geburt ihres Kindes von ihm, um wieder mit ihrem Ex-Freund zusammenzukommen.
WER IST DER VATER?
»Obwohl er nicht der Vater war, war er bei der Geburt meiner Tochter Marie dabei und kümmerte sich um sie. Er erkannte sogar beim Jugendamt die Vaterschaft für sie an.« Dennoch trennte sich die Mandantin von ihm wieder und zog mit Marie zu deren leiblichen Vater. »Das ging aber nicht lange gut und so bin ich mit Marie wieder zu meinem Ex-Freund und jetzigen Ehemann zurück. Wir haben letztendlich geheiratet. Es könnte alles gut sein; jetzt haben wir aber ein Schreiben von Maries leiblichen Vater bekommen, dass er die Vaterschaft für Marie haben will. Was sollen wir nur tun?«
Im rechtlichen Sinn ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes entweder mit der Mutter verheiratet ist, oder die Vaterschaft anerkennt oder dem die Vaterschaft gerichtlich zugesprochen wurde, der Vater. In unserem Fall hat der jetzige Ehemann unserer Mandantin die Vaterschaft von Marie anerkannt. Die Anerkennung der Vaterschaft ist eine freiwillige Willenserklärung, die meist bei den Jugendämtern abgegeben wird. Aufgrund dieser Erklärung gilt der Ehemann der Mandantin rechtlich als Vater von Marie. Nach § 1600 BGB kann der Mann, der versichert, dass er der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit beigewohnt hat und deshalb der biologische Vater ist, die Vaterschaft eines anderen anfechten. Diese Voraussetzung liegt hier vor, nachdem die Mandantin sogar weiß, dass ihr ehemaliger Freund der biologische Vater von Marie ist. Eine Vaterschaftsanfechtung ist aber nicht möglich, wenn zwischen dem Kind und seinem rechtlichem Vater eine sozial-familiäre Beziehung besteht. Darunter versteht man, dass der rechtliche Vater Verantwortung für das Kind übernimmt, was zum Beispiel durch ein längeres Zusammenleben mit dem Kind oder der Ehe mit der Mutter deutlich wird. Dies ist hier der Fall, weswegen eine Vaterschaftsanfechtung nicht möglich ist. Dass auch der biologische Vater eine Zeit lang mit der Mutter und dem Kind zusammengelebt hat, widerspricht dem Ergebnis nicht, wie der Bundesgerichtshof erst kürzlich entschieden hat. Aufgrund dieser Rechtslage konnte ich meine Mandantin beruhigen. Ihr Ehemann ist und bleibt der (rechtliche) Vater von Marie.