Montag, 24.09.2018

N wie Name

Montag, 26.03.2018 - 15:05 Uhr

Trifft man ein schwan­ge­res Paar, ent­spinnt sich oft die­ser Dia­log:

»Und? Wisst ihr schon was es wird? Habt ihr schon ei­nen Na­men?«
»Ja.«
»Aber ihr ver­ra­tet ihn nicht?«
»Ge­nau. Wir be­hal­ten ihn für uns.«

Und das ist, ehrlich gesagt, sehr sehr schlau. Denn jeder wirklich jeder hat eine Meinung zu dem ausgesuchten Namen und tut diese auch ungefragt kund. (Daran sollten sich Eltern eh früh gewöhnen, dass Menschen ungefragt alles kommentieren, was mit dem Nachwuchs zu tun hat.)
Sagen werdende Eltern den Namen, kommen Reaktionen wie: »Alma? So hießen bei uns früher die Kühe.« »Gustav? Um Gottes willen, das Kind wird doch gehänselt.« »Fynn mit Y? Findet ihr das nicht überspannt?« »Carl? So hieß mein Mathelehrer. Ganz übler Typ.« Werdende Eltern werden dann ungefragt mit weiteren Vorschlägen überschüttet.
Einen Namen, für ein Baby aussuchen, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Erstens kennt man ja das Kind noch gar nicht und weiß nicht, ob der ausgesuchte Name passt. Zweitens behält das Kind den Namen sein Leben lang und er weckt sofort Assoziationen. Kevin? Das werden viele Lehrer und später Personalchefs denken, dass sei ein Problemkind aus der Unterschicht. Friedrich? Spielt bestimmt toll Klavier und ist wohlhabend.
Laut Namensforscher Knud Bielefeld war Emma der beliebteste Mädchennamen 2017 (wie bereits 2014). Ben kam bei den Jungs auf Platz eins - schon im siebten Jahr in Folge. Weitere Plätze bei den Mädchen: Hannah/Hanna, Mia, Sophia/Sofia, Emilia, Lina, Anna, Marie, Mila und Lea/Leah. Bei den Jungs folgen auf Ben Jonas, Leon, Paul, Finn/Fynn, Noah, Elias, Luis/Louis, Felix und Lucas/Lukas.
In Aschaffenburg und der Region kamen 2017 Emilia und Ben auf die ersten Plätze. Die Statistik des Bürgeramts erfasst die Kinder, die in Aschaffenburg zur Welt kommen. Da das hauptsächlich Geburten im Klinikum und in der Frauenklinik sind, fließen in die Statistik auch Vornamen von Babys ein, die in Stadt und Kreis Aschaffenburg sowie den umliegenden Landkreisen leben. Alte Namen waren 2017 sehr beliebt. Greta kam auf Rang 9, Ida auf Rang 16, Anton (Rang 12), Theo (Rang 29), Valentin (Rang 41), Frida (Rang 40) und Alma (Rang 122). Ungewöhnliche Namen gab es auch - etwa Levina (so heißt die Sängerin, die Deutschland beim Eurovision Song Contest vertrat) und Phileas. So heißt der Held in Jules Vernes »In 80 Tagen um die Erde«. Die Eltern müssen die Geburt innerhalb einer Woche beim Standesamt melden. Wenn sie bei der Geburtsanzeige noch keinen Vornamen festgelegt haben, können sie das binnen eines Monats nachholen. Statt einer Geburtsurkunde erhalten sie zunächst eine Geburtsbescheinigung. »Grundsätzlich sind die Eltern bei der Wahl des Vornamens frei«, teilt Carla Diehl, Pressesprecherin der Stadt Aschaffenburg, auf Nachfrage mit. »Die einzige Einschränkung besteht in der Wahrung des Kindeswohls.« Bezeichnungen, die dem Wesen nach keine Vornamen sind, dürfen nicht gewählt werden. Der Name darf nicht beleidigend oder lächerlich sein. Heftig umstritten seien Ortsbezeichnungen. »Berlin« sollte ein Kind nicht heißen. »Virginia« dagegen sei unproblematisch. Biblische Namen sind teilweise erlaubt, seit 1998 dürfen Jungen »Jesus« heißen, »Kain« und »Judas« nicht.
Gut ist, wenn die Eltern sich vor der Geburt Gedanken machen, wie das Baby heißen soll. Im Kreißsaal zu diskutieren, ist ein bisschen spät. Man nimmt sich auch ein schönes Ritual der Vorfreude. Zu zweit zu Hause über Namen zu sinnieren und Listen zu schreiben, hat etwas Schönes und Konspiratives. Vornamenbücher oder Datenbanken im Internet können inspirieren und klären Bedeutung und Herkunft des Namens.
Und unter uns: Kurz nach der Geburt entscheidet fast immer die Mutter, da der Vater in dem Moment so überwältigt ist und voller Bewunderung, was sie die vergangenen Stunden geleistet hat … fee