Donnerstag, 20.02.2020

Lexikon für kleine Narren

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Mother and son celebrating Carnival at home
Foto: coscaron
Men­schen fei­ern die när­ri­schen Ta­ge fast auf der gan­zen Welt, je­doch hier und da ganz un­ter­schied­lich. Mal gibt es gro­ße Um­zü­ge, mal spe­zi­el­le oder gar gru­se­li­ge Mas­ken, wo­an­ders steht viel Mu­sik im Vor­der­grund. Doch ei­nes ist übe­rall gleich: Die Men­schen schlup­fen aus ih­rer All­tags­k­lei­dung her­aus und in Ver­k­lei­dun­gen hin­ein.

So wird der eine mal eben vom Menschen zum Tier, Papas werden zu Piraten, Schwestern sind auf einmal Prinzessinnen, Omas werden zu Disco-Tänzern und Freunde sind plötzlich Superhelden. Die Fantasie kennt keine Grenzen.

Warum verkleiden wir uns zu Fasching?

Diese Frage zu beantworten, ist gar nicht so leicht. Denn wir können eigentlich nur vermuten, woher die Tradition mit den Verkleidungen ursprünglich kommt. Und je nach Region und Land werden unterschiedliche Bräuche gefeiert.

Die eine Theorie besagt, dass die ursprünglich gruseligen Verkleidungen mit Masken und lauter Musik böse Geister oder gar den Winter vertreiben sollten. Andere Überlieferungen belegen, dass die Verkleidung dazu dienen sollte, den Unterschied zwischen Herr und Diener unsichtbar zu machen und für eine bestimmte Zeit sogar umzukehren. Der Diener durfte nun ausnahmsweise einmal den Herren spielen und sich von seinem Herren, der dabei zum Bediensteten wurde, bedienen lassen.

Diese zweite Tradition scheint sich bis heute gehalten zu haben: Extra zu Fasching wird vielerorts ein ganzer Hofstaat nachgebildet. Dieser besteht aus dem Prinzenpaar, das sein Volk aus Narren regiert, und einem Hofnarr, der für Späße sorgen soll, und einer Garde, also einer Truppe, die das Prinzenpaar beschützt. Verdrehte Welt, oder?

Was ist denn Fasching überhaupt? Die »fünfte Jahreszeit« heißt auch Karneval, Fasching oder Fas(se)nacht, um nur einige der vielen Wortkreationen zu nennen, die es alleine in Deutschland für die närrischen Tage gibt ...

Was feiern die Menschen denn?

Wie der Begriff »Fastnacht« schon vermuten lässt, geht es um die Nacht oder besser gesagt dieletzten Nächte vor der Fastenzeit. Das deckt sich mit der Vermutung, dass der Begriff »Karneval« vom lateinischen »carne levare« abgeleitet ist, was so viel heißt wie »Fleisch wegnehmen«. In der Fastenzeit wurde nämlich auf Fleisch verzichtet. Und wie sich das nun einmal gehört, wenn eine längere Fastenzeit ansteht, muss an den Tagen unmittelbar davor noch einmal so richtig ausgelassen gefeiert werden.

Warum feiern wir jedes Jahr an einem anderen Datum?

Die Faschingstage orientieren sich am christlichen Kalender: Vor Ostern beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit.

Weil Fasching sich also an Ostern orientiert und der Termin für das Osterfest sich nach dem ersten Frühlingsvollmond richtet, sind die Narren jedes Jahr an einem anderen Datum unterwegs.

Wo wird gefeiert?

Gefeiert wird vor allem in Regionen, in denen der katholische Glaube weit verbreitet ist. Zu den Hochburgen gehören in Südamerika das Land Brasilien mit dem berühmten Karneval von Rio de Janeiro und das Land Kolumbien. Auch in Mittelamerika, zum Beispiel auf Barbados, den Bahamas, oder Cuba, feiern die Menschen Karneval. In Nordamerika gibt es nur vereinzelt Feierlichkeiten.

In Europa feiert fast jedes Land die »fünfte Jahreszeit«. Weltbekannt ist wohl der Karneval in der italienischen Stadt Venedig.

In Deutschland gehören zu den Hochburgen der Narren die Regionen Münsterland, Rheinland und der Baden-Württembergische Teil von Süd-Deutschland. In den Städten Düsseldorf, Köln, Mainz und Konstanz wird besonders ausgelassen gefeiert.

Wieso gibt es auch in unserer Heimat so viele Feierlichkeiten?

Obwohl die hiesige Region geografisch eigentlich nicht zu einer Hochburg gehört, ist die närrische Zeit hier auch bereits seit vielen Jahren eine gepflegte Tradition. Der Grund dafür versteckt sich - zumindest für Aschaffenburg - in der Stadtgeschichte: Aschaffenburg gehörte bis in das Jahr 1803 zum Mainzer Kurfürstentum. Vielleicht wurden die Feierlichkeiten der Mainzer so bis nach Aschaffenburg und in die umliegende Region getragen.

Heißt es »Alaaf« oder »Helau«?

Beides ist richtig. Beides wird gebraucht wie ein »Hallo« als Begrüßung von Narr zu Narr. »Alaaf« sagen eher die Rheinländer. »Helau« hingegen sagen die Düsseldorfer, Mainzer, die Aschaffenburger und die Franken.

Was ist noch typisch für den Karneval?

Vor dem Fastenbeginn schlagen die Menschen sich noch einmal deftig die Bäuchlein voll. Deshalb gibt es zu Fasching Gebäck, das in Fett ausgebacken wird: Wir kennen dieses Gebäck als Kräppel, Krapfen, Berliner oder Pfannkuchen - je nachdem, woher wir stammen. Es gibt sie mit Puder- oder Kristallzucker oder Schokoglasur, ungefüllt oder gefüllt mit Marmelade.

Die Zahl »11« taucht in der »fünften Jahreszeit« immer wieder auf. Erklärungen, wieso gerade die »11« als närrische Zahl gilt, gibt es viele. Eins über der »10« setzte man sich, so glauben einige, über Gott und seine Zehn Gebote hinweg. Andere meinen, die Elf stehe für die Gleichheit aller Narren, sozusagen »1« neben »1«. Die »11« könnte aber auch einfach gut zu Karneval passen, weil sie eine Schnapszahl ist. Wir können es nur vermuten.

Und dieses Jahr - wann ist was?

Die diesjährige Kampagne, also die aktuelle »fünfte Jahreszeit«, ging streng genommen schon am 11. November des letzten Jahres um 11.11 Uhr los.

Früher gab es nämlich von Sankt Martin, 11. November, bis Heiligabend, 24. Dezember, im Kirchenkalender auch noch einmal eine Fastenzeit. Und wie wir ja schon wissen, wird vor dem Fasten schnell noch einmal gefeiert. Andere Überlieferungen besagen, dass die Landwirte und ihre Gehilfen am 11. November Grund zum Feiern hatten: Sie schlossen früher an diesem Datum ihre Arbeit ab und bekamen ihren Lohn. Bis heute beginnen also viele Karnevalsvereine am 11. November mit den großen Vorbereitungen für die finalen, närrischen Feierlichkeiten im neuen Jahr. Viele Sitzungen finden ab Mitte Januar bis in den Februar hinein statt.

Der Straßenkarneval beginnt dieses Jahr am Donnerstag, 20. Februar, mit dem Altweiberfasching. Die großen Straßenumzüge in den Städten sind am Faschingssonntag, Rosenmontag oder Faschingsdienstag, 23. bis 25. Februar. Pünktlich um 0 Uhr mit Beginn des Aschermittwochs, 26. Februar, ist der Spuk schlagartig vorbei.

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