Freitag, 19.01.2018

Expressionismus als Gesamtkunstwerk in Zeiten des Aufbruchs Diskussion im Kirchnerhaus

Altstadtfreunde
Freitag, 07. 07. 2017 - 12:53 Uhr

Der Expressionismus entstand in Deutschland in Zeiten radikaler Umbrüche, denen er nicht nur in der Malerei, sondern auch in allen anderen Kunstgattungen Ausdruck verlieh. Gleichzeitig gingen vom ihm wesentliche Impulse für das spätere Kunstverständnis aus...

Der Expressionismus entstand in Deutschland in Zeiten radikaler Umbrüche, denen er nicht nur in der Malerei, sondern auch in allen anderen Kunstgattungen Ausdruck verlieh. Gleichzeitig gingen vom ihm wesentliche Impulse für das spätere Kunstverständnis aus. Eine Gesprächsrunde mit verschiedenen Experten erörterte diese Zusammenhänge anlässlich der Kulturtage im Kirchnerhaus.

Der Expressionismus, so Dr. Dr. Bernd Wengler, Psychoanalytiker und Kunsthistoriker, sei die Auflehnung einer Künstlergeneration gegen die Einengung einer Obrigkeit-Untertanengesellschaft und gegen die sie tragenden Eltern gewesen. Wengler: „Folgerichtig fühlten sich die Expressionisten auch an keinen sie einengenden Stil gebunden. Als erste Künstlergeneration war es ihnen möglich, ihren subjektiven Empfindungen in der künstlerischen Gestaltung freien Ausdruck zu verleihen und diese damit abzubilden.“ Das nenne er „seelischen Realismus“.

Ernst Ludwig Kirchner verkörpert für Dr. Brigitte Schad, Kunsthistorikerin und Vorsitzende des Vereins Kirchnerhaus, in Werk und Person den Expressionismus wie kaum ein zweiter Künstler seiner Generation. Schad: „Er hat nicht nur gemalt, gezeichnet, seine Graphiken selbst gedruckt, Skulpturen in Holz gehauen und geschnitzt, seinen Wohn- und Lebensraum selbst ausgestaltet; er hat in den „Brücke“–Jahren mit seinen Modellen gelebt und geliebt, nach den Ideen der Lebensreform die Einheit von Mensch und Natur auf Fehmarn gesucht und gefunden und war gleichzeitig fasziniert von der Hektik des Berliner Großstadtlebens.“

Von einer „Revolution der Literatur“ sprach Dr. Heinz Linduschka, Germanist und ehemaliger Gymnasiallehrer. Die jungen expressionistischen Autoren wie August Stramm „haben vor allem mit emotionaler Lyrik, sprachlich-formaler Radikalität und Themen wie Krieg, Großstadt und Ich-Zerfall die Literatur ins 20.Jahrhundert geführt“ und den gesellschaftlichen Umbruch glaubwürdig und authentisch literarisch gespiegelt.

Johannes Möller, Pianist und Dozent an der Wiesbadener Musikakademie, beschreibt den mutigen und konsequenten Schritt in die Atonalität, den Arnold Schönberg um 1907/08 vollzog. Möller: „Auf der Suche nach einem immer direkteren, intensiveren Ausdruck entwickeln und benutzen er und seine Schüler kompositorische Mittel wie eine dissonanzenreiche Tonsprache, weit ausgreifende, gespannte Melodieführungen, eine Rhythmik, die sich der metrischen Einordnung widersetzt und äußerste musikalische Konzentration, die zu extrem kurzen Stücken

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden