Dienstag, 17.10.2017

„Vorurteile auch heute noch stark verbreitet”

Freitag, 28. 04. 2017 - 15:44 Uhr

Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums besuchen Kellers „Kleider machen Leute” im Stadttheater „Sind wir im falschen Theaterstück?” - so fragte manche der jungen Zuschauerinnen am Beginn der Theateradaption von Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute”, die die Neuntkläss...


Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums besuchen Kellers „Kleider machen Leute” im Stadttheater

„Sind wir im falschen Theaterstück?” - so fragte manche der jungen Zuschauerinnen am Beginn der Theateradaption von Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute”, die die Neuntklässlerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums am 06. April erlebten.
Wer erwartet hatte, den Schneider Wenzel, der aufgrund seines prächtigen Pelzmantels irrtümlich für einen Grafen gehalten wird, auf der Bühne zu sehen, war zunächst irritiert, sich in die Räumlichkeiten eines Kleinstadthotels in der heutigen Zeit versetzt zu sehen:
Dort sucht ein vermeintlicher Asylant Hilfe nach einer Autopanne im Schneesturm. Die hinzukommenden Personen begegnen ihm mehr oder weniger misstrauisch. Vor allem aufgrund seiner Sprache und seines Aussehens wird der Fremde verdächtigt, ein gesuchter Terrorist zu sein. Ein Panorama an Einstellungen wird gezeigt, zum Beispiel eine etwas naive Hotelbesitzerin, ihr Verehrer, der Bürgermeister, der sich politisch opportun verhält, ein konservativer, ängstlicher Hotelangestellter... Erschien einigen die Aufführung zunächst etwas „seltsam” oder „gewöhnungsbedürftig”, bot die Tochter des Bürgermeisters als offene, tolerante junge Frau den Schülerinnen eine Identifizierungsmöglichkeit für positives Verhalten Fremden gegenüber.
Die Situation wurde zugespitzt und witzig dargestellt, ohne aber in Schwarz-Weißmalerei oder ins Lächerliche abzugleiten. „Ich fand, dass das Stück sehr gut auf die aktuelle Zeit bezogen war, weil man sehen konnte, dass Vorurteile auch heute stark verbreitet sind”, so die Einsicht einer Schülerin.
Interessante Fragen zur Umsetzung kamen auf, so, ob die türkischen Passagen wirklich alle „echt” waren.
Insgesamt nahmen die Schülerinnen mit, gut unterhalten worden zu sein, aber vor allem, ein Lehrstück in Sachen Vorurteile erlebt zu haben: nicht in Form einer Anklage, sondern als Anregung, differenzierte Positionen zu entwickeln.
Eva Engel

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