Dienstag, 04.08.2015

Ohmex aus Großwallstadt hat Stromspeicher erfunden

Innovation: Ohmex aus Großwallstadt bringt Technologie zur Stromspeicherung auf den Markt - Bundesweite Anfragen

"Den Nerv der Zeit ge­trof­fen" Donnerstag, 07.02.2013 - 22:02 Uhr

»Wir ha­ben wohl den Nerv der Zeit ge­trof­fen«, sagt Wol­fang Vog­ler. Sei­ne Er­fin­dung zur Spei­che­rung re­ge­ne­ra­ti­ver En­er­gie nennt der Di­p­lom-In­ge­nieur ei­nen »klei­nen, be­schei­de­nen Bei­trag« zur En­er­gie­wen­de. Er ver­wan­delt mit Hil­fe sei­ner elek­tri­schen Pro­zes­s­er­hit­zer über­schüs­si­ge En­er­gie aus Son­ne oder Wind in Wär­me, die ge­spei­chert und bei Be­darf ab­ge­ru­fen wer­den kann.

Voglers Idee hat bereits bei den Münchner Stadtwerken Anklang gefunden. Unterstützt wird sie auch vom bayerischen Wirtschaftsministerium. Staatssekretärin Katja Hessel hat diese Woche einen Bewilligungsbescheid in Höhe von 15 000 Euro nach Großwallstadt zur Firma Ohmex gebracht. So hat Vogler seine 2006 im Technologie- und Gründerzentrum Zentec angesiedelte Firma genannt, in der sieben Mitarbeiter elektrische Heiz- und Schaltanlagen für industrielle Kunden planen und konstruieren.
Auftrag aus München
Mit dem Fördergeld will Ohmex unter anderem das Industrie-Center Obernburg (ICO) als Fertigungspartner mit ins Boot holen. »Wir machen die Kopfarbeit, die Planung, das Konzept«, sagt Vogler. »Die Fertigungsaufträge gehen an das ICO.« So bleibe die Unternehmensstruktur schlank, die Wertschöpfung in der Region. Ziel, sagt Vogler, sei die Standardisierung. Irgendwann sollen die Module aus der Schublade kommen, in Serie bundesweit ausgeliefert werden.
Anfragen gebe es genug. »Wenn alles planmäßig läuft, wird ab Herbst unterfränkische Technologie in der Landeshauptstadt dafür sorgen, dass niemand friert«, sagte Staatssekretärin Hessel in Großwallstadt. Die Stadtwerke München (SWM) hatten sich schon vor anderthalb Jahren mit Vogler in Verbindung gesetzt. Mit der Technologie von Ohmex wollen die Münchner künftig Überschussenergie speichern und für die Einspeisung in ihr Fernwärmenetz im Heizkraftwerk Süd nutzen. Die SWM dürften damit eine Vorreiterstellung in der Bundesrepublik einnehmen. Und die Münchner suchen schon nach weiteren Standorten.
Aber nicht nur Stadtwerke sind für die Stromspeicher-Technologie prädestiniert. Kunden seien auch energieintensive Branchen wie Maschinenbau, Petrochemie, Papier- und Glasindustrie und der Energieerzeugung, so Vogler. Aber auch kleinere Kooperationen vor Ort können die Ohmex-Technologie nutzen. »Generell alle Energieerzeuger für die Dezentralisierung des Strommarkts«, sagt Vogler. Der 56-jährige Ingenieur aus Aschaffenburg hat sich mit dem Maschinenbauer Walter Rosenberger (46) aus dem Aschaffenburger Stadtteil Obernau zusammengetan. Beide haben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der elektrischen Energie- und Wärmetechnik. Ihre elektrischen Prozesserhitzer findet man überall in der Industrie, wo Luft, Gase oder Flüssigkeiten aufgeheizt werden müssen, zum Beispiel im Großanlagen- oder Apparatebau.
Aber erst nach dem Atomunglück in Fukushima gab es folgende Überlegung: Wie lässt sich die aus Wind und Sonnenkraft gewonnene Energie speichern? »Bei starkem Wind und großer Sonneneinstrahlung wird heute bereits mehr Strom erzeugt als abgenommen werden kann«, erklärt Vogler. Es brauchte also technische Konzepte, wie überschüssige Regenerativenergie gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder genutzt werden kann.
»Die Neuheit liegt eigentlich in der Anwendung der elektrischen Prozesserhitzer«, sagt Vogler: »Wir wandeln überschüssigen Strom aus regenerativen Quellen in thermische Energie, sprich Wärme, um.« Der erzeugte Strom wird mit einer Elektroheizung (mit einer Leistung bis zu zehn Megawatt) in Form von bis zu 140 Grad heißem Wasser gespeichert.
Die Wärmespeicher, wie sie sich bei vielen Stadtwerken befinden, haben ein Fassungsvolumen von bis zu 10 000 Kubikmeter. Bei Bedarf wird die thermische Energie in Form von Heißwasser in das Nah- oder Fernwärmenetz eingespeist und landet zu Heizzwecken beim Verbraucher.
Das Stromnetz stabilisieren
Die Vorteile liegen auf der Hand: Fossile Brennstoffe werden eingespart, der CO2-Ausstoß wird reduziert. Außerdem wird das Stromnetz stabilisiert. Laut Vogler ist es wichtig, dass die erzeugte Leistung und die vom Verbraucher abgerufene Leistung ausbalanciert werden.
Besteht kein Gleichgewicht zwischen Stromeinspeisung und Verbrauch, müssen mittels Kraftwerksmanagement beispielsweise Erzeuger ab- oder zugeschaltet werden.
Mittels des elektrischen Prozesserhitzers kann nun das Kraftwerksmanagement dieses Ungleichgewicht regulieren und damit stabilisieren. Diese Art von Regelleistung, sprich der Ausbau von Speichermöglichkeiten, werde in Zukunft weiter zunehmen, prognostiziert Vogler.
Wind- und Sonnenenergie liefern nicht immer gleichviel Leistung. Aber auch wenn keine überschüssige Energie vorhanden sei, blieben die Speicher über einen Zeitraum von einigen Wochen heiß. Sylvia Breckl

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