Dienstag, 28.07.2015

Gefahr für Casting-Show-Kandidaten

Studie: Teilnahme ist für manche Bewerber eine so schlimme Erfahrung, dass sie auch Jahre danach noch depressiv sind

Köln Donnerstag, 25.04.2013 - 00:00 Uhr

Die Teil­nah­me an ei­ner Cas­ting-Show ist für man­che Kan­di­da­ten ei­ne so sch­lim­me Er­fah­rung, dass sie auch nach Jah­ren noch de­pres­siv sind. Das er­gab ei­ne Stu­die des In­ter­na­tio­na­len Zen­tral­in­sti­tuts für das Ju­gend- und Bil­dungs­fern­se­hen (IZI) in Mün­chen und der Lan­des­an­stalt für Me­di­en Nord­r­hein-West­fa­len.

Vor allem junge Teilnehmer im Alter von erst 16 oder 17 Jahren könnten häufig nicht abschätzen, was es bedeute, bei einer Casting-Show wie »Deutschland sucht den Superstar« (»DSDS«/RTL) mitzumachen.
»Hier ist ein Schaden eingetreten«
»Da haben wir wirklich Fälle, in denen wir sagen können, hier ist ein Schaden eingetreten«, sagte die Leiterin der Studie, Maya Götz, gestern der Nachrichtenagentur dpa in Köln über Castingformate und bestätigte damit einen Bericht des Branchendienstes »Werben und Verkaufen«.
Für die Studie wurden den Angaben zufolge erstmals 59 ehemalige Teilnehmer im Alter von 16 bis 34 Jahren befragt. Sie hatten bei Casting-Shows wie »DSDS«, »Das Supertalent« oder »The Voice of Germany« mitgemacht. Etwa die Hälfte sah das Erlebnis eher positiv, ein Drittel hatte gemischte Gefühle und für etwa ein Fünftel war die Teilnahme eine ausgesprochen negative Erfahrung.
Man wird in einen Typ reingepresst
Götz sagte, hier drängten sich jugendschutzrechtliche Fragen auf. Die Auftritte seien anschließend für potenzielle Arbeitgeber im Internet abrufbar und somit dauerhaft rufschädigend. Da in den Shows Menschen beurteilt würden, fühle sich anschließend auch jeder aus ihrem Umfeld dazu aufgerufen, ihnen seine Meinung zu sagen. »Die kommen nach Hause, und jeder erzählt ihnen, was sie falsch gemacht haben«, schilderte Götz. Damit umzugehen sei sehr schwer. Viele unterschätzten die Folgen einer solchen Show mit vielen Millionen Zuschauern.
Problematisch sei auch, dass die Kandidaten von den Machern der Shows in bestimmte Schubladen einsortiert würden. »Man wird in einen Typ reingepresst.« Dies sei vielen aber während der Aufnahmen gar nicht bewusst - zu ihrem großen Erstaunen und Erschrecken erlebten sie dann bei der Ausstrahlung, wie sie vorgeführt würden.
Eine Kandidatin, die während der Teilnahme 18 Jahre alt war, sagte: »Ich hätte mich niemals dort beworben, wenn ich gewusst hätte, was die mit den Leuten da alles machen, nur um sie blöd darzustellen, nur damit die Leute was zu lachen haben.« Hier müsse nach der Sendung zumindest eine psychologische Betreuung sichergestellt werden, forderte Götz. dpa

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