Montag, 03.08.2015

Eine Verpflichtung für die Zukunft

Kunststiftungen: Was sich Museen mit der Übernahme von Schenkungen auferlegen - Ein Blick in die Region

Aschaffenburg Freitag, 05.04.2013 - 00:00 Uhr

Et­was ge­schenkt zu be­kom­men ist an sich ei­ne fei­ne Sa­che. Oft sind es Din­ge, die man sich selbst nicht leis­ten kann. Oder Din­ge, die man sich wünscht, aber nicht be­kom­men kann. So ähn­lich ist das auch mit Schen­kun­gen im kul­tu­rel­len Be­reich. Im­mer wie­der und im­mer häu­fi­ger wer­den Mu­se­en in der letz­ten Zeit Schen­kun­gen an­ge­bo­ten.

Eine Stiftung verpflichtet zur Pflege, zur Erhaltung und zur Präsentation. Das bindet Energie - in Form von Personal und finanziellen Mitteln. Immer mehr Sammler, aber auch Künstler kommen deswegen auf die Idee, ihre Kollektion, ihr Oeuvre einem Museum anzuvertrauen, da sie dort sicher sein können, dass ihr Konvolut von Fachleuten betreut und wissenschaftlich erschlossen wird. Zwischen Stifter und Stiftungsempfänger wird in der Regel ein Vertrag geschlossen, der regelt, wie mit der Stiftung in Zukunft verfahren werden soll.
Umfängliche Auflagen
Mitunter gibt es umfängliche Auflagen, die es für alle Nachfolger, die die Stiftung eines Tages betreuen, schwierig machen können. Das bindet auch für die Zukunft Mittel. Und ob es sich in unsicheren Zeiten, in mageren Zeiten, in denen auf dem Kultursektor immer mehr eingespart wird, empfiehlt, Mittel auf Jahrzehnte hinaus zu binden, ist eine ganz andere Frage.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die von der Stadt Aschaffenburg im Januar ausgeschlagene Schenkung der Sammlung Gerhard Schneider aus Solingen. Die Stadt sah sich mit dem Erwerb der Sammlung für 2,5 Millionen Euro überfordert - wie auch mit den jährlich anfallenden Folgekosten von rund 20 000 Euro für Personal, Ausstellungen und Neuerwerbungen.
Andererseits müssen Häuser für die Zukunft planen und vorsorgen. Eine Stiftung, die in den Händen des einen Direktors ein Stiefkind ist, blüht unter einem anderen vielleicht auf und wird der Star eines Museums. Das eröffnet neue Chancen.
Wie die Ikonensammlung der Diözese Würzburg, die 2011 auf die Mildenburg in Miltenberg zog. Ikonen der östlichen Kirche werden gemeinsam mit westlicher christlicher Kunst ausgestellt und in einen Dialog miteinander gebracht. Die 235 Werke moderner Kunst hat der Würzburger Domkapitular und Baureferent Jürgen Lenssen als Stiftung in die Dauerausstellung eingebracht.
Museum wie Stifter und Dauerleihgeber profitieren davon: Die Diözese erweitert ihre Präsenzfläche und das Museum schärft sein Profil.
Noch ein Exempel für eine gelungene Verortung einer Stiftung in der Region ist die Sammlung des Wertheimer Unternehmers Wolfgang Schuller. Schon 1985 legte Schuller mit der großzügigen Schenkung von 15 Bildern den Grundstock des Modersohn-Kabinetts im Grafschaftsmuseum. 2003 brachte er seine Sammlung mit 69 Werken der 1898 gegründeten Künstlergruppe »Berliner Secession« in eine Stiftung ein. Seit 2006 werden Teile daraus im Schlösschen im Hofgarten dauerhaft präsentiert. Schullers Bestreben war es von jeher, Bilder, die etwas mit Wertheim zu tun haben, auch an diesen Ort zurück zu holen.
Seltener, wertvoller Altbestand
Nicht öffentlich zugängliche Stiftungen gibt es auch in der Region. Im Aschaffenburger Stadt- und Stiftsarchiv lagert die »Landeskundliche Bibliothek für Spessart und Untermain«. Sie umfasst rund 70 000 Bände. Ihren zum Teil seltenen und wertvollen Altbestand verdankt die Bibliothek größtenteils der Sammelleidenschaft passionierter Heimatforscher wie dem Aschaffenburger Buchhändler Otto Wolf, dem Lohrer Arzt Hans Hönlein oder dem Miltenberger Redakteur Rudolf Vierengel, deren Nachlässe in den Bestand übergingen. Die bedeutendste Schenkung stammt von Gustav Stadelmann, der seit seiner Jugend seltene heimatkundliche Bücher und Grafiken sammelte. Zwar kann man sich ausgewählte Werke auf Wunsch vorlegen lassen, aber die magazinierten Werke bleiben doch meist im Verborgenen. Stiftungen eröffnen Möglichkeiten. Sie sind aber auch Aufgabe für die Zukunft. Wollen Museen diesen Vorteil für sich nutzen, müssen sie sich vom Rest des Angebots in der Region absetzen und Alleinstellungsmerkmale entwickeln. Erst dann können sie herausstechen aus der Masse, der wohl gerühmte Leuchtturm werden, der die Dächer der anderen überragt. Und Licht in Winkel bringt, die sonst düster blieben. Bettina Kneller

Ort des Artikels

63739 Aschaffenburg

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