Montag, 19.02.2018

Tri­ath­lon: Wie ein Bundestrainer zum Bundesliga-Aufsteiger nach Kleinostheim kommt

Ralf Ebli

Triathlon-Cheftrainer Ralf Ebli (© dpa)
Ralf Ebli Dienstag, 13.02.2018 - 09:15 Uhr

Der ehemalige Bundestrainer trainiert jetzt die Triathleten in Kleinostheim und sagt: Vom ersten Tag an werden wir nur um den Klassenerhalt kämpfen

Sein Na­me ist eng mit Top-Tri­ath­lon in Deut­sch­land ver­bun­den: Ralf Eb­li hat zwei­mal als Bun­des­trai­ner ge­wirkt, erst im ver­gan­ge­nen Jahr hat er sich vom olym­pi­schen Spit­zen­ver­band, der Deut­schen Tri­ath­lon-Uni­on (DTU), als Chef­trai­ner ver­ab­schie­det, um neue be­ruf­li­che und sport­li­che Her­aus­for­de­run­gen zu su­chen. Ei­ne hat der 51-Jäh­ri­ge beim Spann­rit-Tri­team TSG Klei­n­ost­heim (Kreis Aschaf­fen­burg) ge­fun­den.

Dort wird er gemeinsam mit dem regional geprägten Team im Juni in das Abenteuer Erste Bundesliga starten - im Interview mit unserem Medienhaus hat Ebli die Möglichkeiten und die Ambitionen seines Teams umrissen.

Wie kommt ein ehemaliger Bundestrainer zum Bundesliga-Aufsteiger nach Kleinostheim?
Das ist relativ einfach, der Erstkontakt entstand durch den sportlichen Leiter der TSG Arnd Hille. Ich war von 1989 bis 2000 Vereinstrainer in Griesheim, dort habe ich Arnd Hille kennengelernt. Er hat mich mit der Aussage gelockt, dass es bei der TSG so sei wie früher bei uns in Griesheim: Hier sind Athleten aus der Region am Start, die gemeinsam etwas bewegen und erreichen wollen. Das gefällt mir sehr gut, da ist das Engagement trotz knappen Zeitbudgets sinnvoll. Deshalb habe ich für die Saisonvorbereitung und für die Begleitung einer Bundesligasaison zugesagt.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Die Sportler sind sehr motiviert, engagiert und bringen viel Talent mit. Ich habe viel Lust auf Triathlon und spüre, dass es den Aktiven hier genauso geht. Außerdem stimmt das gesamte Umfeld mit den ehrenamtlichen Mitstreitern und den drei Ligamannschaften. Die Atmosphäre passt, wir freuen uns auf die Saison.

Was ist das sportliche Ziel für die Premierensaison im Oberhaus?
Als ich angesprochen worden bin, ging es ja noch darum, aus der Zweiten in die Erste Liga aufzusteigen. Dieses Ziel habe ich für realistisch gehalten, weil die besten Sportler in der Region Aschaffenburg in diesem Jahr bei der TSG ihre Kräfte gebündelt haben. Ich bin schon ein bisschen erschrocken, als sich dann die Möglichkeit ergeben hat, schon 2018 in der Ersten Liga zu starten. Das Niveau dort ist sehr hoch. Die Jungs wollen diese Herausforderung aber annehmen - und ich werde versuchen, sie nach Kräften dabei zu unterstützen. Vom ersten Tag an werden wir nur um den Klassenerhalt kämpfen.

Warum ist der Unterschied zwischen den beiden Klassen so groß?
Es gibt kaum ein Team, dass so wie wir fast ausschließlich auf regionale Strukturen setzt. Aus ganz Deutschland werden in der Bundesliga die Top-Athleten zusammengezogen - und auch internationale Spitzenleute werden als Aushängeschilder geholt. Das werden wir in Kleinostheim sicher nicht machen, wir wollen mit den Besten aus der Region unsere Ziele erreichen. Außerdem braucht es für jeden Sportler und Trainer Zeit, um Leistung zu entwickeln. Das gilt auch für die vielversprechenden Athleten in unserer Mannschaft-

Ist das Ziel Klassenerhalt realistisch?
Das Engagement der Jungs ist groß, sie sind mit viel Freude und Leistungswillen bei der Sache. Das stimmt mich optimistisch. Die Sportler der TSG haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Es ist mein wichtigstes Ziel, dass sich alle Sportler in den drei Ligamannschaften individuell weiterentwickeln können, daran werden wir arbeiten. Dann ist auch der Klassenerhalt in der Bundesliga möglich.

Woran arbeiten Sie derzeit mit Ihrer Mannschaft?
Da in der Bundesliga die Wettkämpfe über die Sprintdistanz ausgetragen werden, ist das Schwimmen von überragender Bedeutung. Wir müssen hart an unseren Schwimmleistungen arbeiten, damit wir da das nötige Niveau erreichen. Unser Ziel muss sein, nach dem Schwimmen eine starke Radgruppe zu erreichen, weil das Windschattenfahren in der Bundesliga erlaubt ist. Auch das ist für gute Platzierungen unerlässlich. Auf der Laufstrecke sind unsere Sportler immer für starke Ergebnisse gut, aber auch hier gilt es, uns für extrem aggressive Rennführungen bei extrem hoher Geschwindigkeit zu wappnen.

Die namhaftesten Sportler in Ihrem Team sind der deutsche Altersklassen-Meister Mark Scheuring und der WM-Vierte in seiner Altersklasse auf Hawaii, der Mömlinger Felix Hohm. Wie schätzen Sie diese beiden Sportler ein?
Mark Scheuring ist ein sehr talentierter Sportler, sein Laufniveau entspricht dem Durchschnitt der Ersten Liga. Er absolviert als künftiger Polizist derzeit eine sehr harte Berufsausbildung, da muss man abwarten, wie sich dies auf den Sport auswirkt. Bisher sieht das sehr gut aus, wenn er gesund und fit bleibt, werden wir in der Liga an ihm viel Freude haben. Felix Hohm ist ein erfahrener und extrem leistungsbereiter Sportler, der seine Schwächen im Sprint gut kennt und bedächtig und zielgerichtet daran arbeitet. Er hat große Lust auf die Ligwettkämpfe und auf das Team - er hat ein Riesenpotenzial, das er abrufen kann. Scheuring und Hohm haben zuletzt vor allem auf der Langdistanz auf sich aufmerksam gemacht, der Sprint in der Bundesliga ist da schon etwas anderes. Ich bin aber bei beiden genauso optimistisch wie mit dem ganzen Team, dass wir in der Bundesliga Spaß haben werden.
Martin Schwarzkopf

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