Montag, 03.08.2015

Am Neujahrsmorgen 17-Jährigen niedergestochen

Prozessauftakt gegen 22-Jährigen in Aschaffenburg Montag, 03.12.2012 - 11:23 Uhr

Am Neujahrsmorgen gegen 5.15 Uhr soll ein heute 22-jähriger Türke im Aschaffenburger Rossmarkt vor dem McDöner nach Beleidigungen und Schlägen mehrmals auf einen 17-Jährigen eingestochen und ihn schwer verletzt haben. Am Montag hat der Prozess gegen den jungen Mann begonnen, der sich zunächst nicht zu der Tat äußerte.

Staatsanwalt Michael Müller, der dem Angeklagten versuchten Totschlag vorwirft, hatte die Auseinandersetzung vor dem Imbiss »McDöner« so geschildert: Ohne jeden Anlass sei der Angeklagte plötzlich auf den damals 17-Jährigen losgegangen, habe diesen durch Beleidigungen provoziert. Später habe der Angeklagte sein Klappmesser aus der Hosentasche gezogen und mehrmals auf sein Gegenüber eingestochen. Aufgehört habe er damit nur, weil zwei Zeugen weitere Stiche verhindert hätten.
Kein unbeschriebenes Blatt
Bei der Aussage des durch Messerstiche Verletzten klang die Sache längst nicht mehr so eindeutig: Der 18-Jährige ist bei der Polizei kein unbeschriebenes Blatt mehr. »Zwei- oder dreimal«, sagt er, sei er selbst auch wegen gefährlicher Körperverletzung aufgefallen. Einige Sozialstunden habe er deswegen ableisten müssen und auch vier Tage im Würzburger Jugendarrest verbracht.
Am frühen Neujahrsmorgen hat sich ein Streit wohl wieder einmal hochgeschaukelt: Nach der durchzechten Silvesternacht - wie er sich erinnert, hatte er Bier und zahlreiche Schnäpse getrunken - war der später Verletzte mit einigen Freunden eigentlich schon auf dem Heimweg.
Stiche und Schläge
Durch einen unglücklichen Zufall liefen sich der Angeklagte und sein angebliches Opfer im Roßmarkt über den Weg. Es kam dabei, wie es unter dem Einfluss von Alkohol immer wieder passiert, erst zur einer verbalen, dann zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Irgendwann muss wohl der Angeklagte sein Klappmesser gezogen haben.
»Wir haben uns angeschaut und uns gegenseitig beleidigt«, schilderte der heute 18-Jährige den Ablauf. »Ich stech dich ab«, habe der Angeklagte ihm gedroht und ihm das Messer gezeigt. Er sei davon aber wenig beeindruckt gewesen: »Versuche es doch«, habe er dem anderen gesagt.
Damit schien die Sache zunächst einmal verpufft zu sein: Der Angeklagte ging wohl in Richtung Herstallturm weiter. Wenige Minuten später sei er aber zurückgekommen, berichtete der heute 18-Jährige: »Wir müssen reden«, habe er gesagt und dann seien sie in Richtung Colos-Saal gelaufen.
Ein Kumpel des später Verletzten sagte später bei der Polizei aus, ihm sei bereits in diesem Moment klar gewesen: Die beiden Widersacher werden sich gleich prügeln. Was im Einzelnen geschah, weiß aber auch das mutmaßliche Opfer heute nicht mehr: Nachdem er den ersten Stich abbekommen habe, habe er wohl mit der Faust kräftig zugeschlagen - ein Jahr sei er früher Boxer gewesen.
Keine Erklärung hatte das mutmaßliche Opfer dafür, warum auch der angebliche Angreifer Verletzungen hatte, die auf ein Messer zurückzuführen sind: Er selbst, sagt der heute 18-Jährige, habe in der Silvesternacht auf jeden Fall kein Messer dabei gehabt.
Voller Blut
Der junge Mann, der im Prozess auch als Nebenkläger auftritt, kann sich nach seiner Darstellung nur daran erinnern, dass er plötzlich auf dem Boden lag und voller Blut war. Im Aschaffenburger Klinikum musste er noch am selben Tag operiert werden; knapp zwei Wochen habe er danach im Krankenhaus verbringen müssen.
Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt. Bis Mitte Dezember sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Wolfgang Dreikorn

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