Montag, 03.08.2015

Vor den Stichen: »Beide haben Stress gesucht«

Gericht: Prozess um versuchten Totschlag

Aschaffenburg Mittwoch, 12.12.2012 - 00:00 Uhr

Im Pro­zess um den ver­such­ten Tot­schlag vom frühen Neu­jahrs­mor­gen (wir be­rich­te­ten) ha­ben ges­tern vor dem Aschaf­fen­bur­ger Land­ge­richt zwei da­ma­li­ge Be­g­lei­ter des Nie­der­ge­sto­che­nen aus­ge­sagt. Die Ju­gend­li­chen ver­wi­ckel­ten sich da­bei in Wi­der­sprüche im Ver­g­leich zu ih­ren An­ga­ben bei der Po­li­zei. Jetzt sieht es so aus, als hät­ten der An­ge­klag­te und sein an­geb­li­ches Op­fer bei ih­rem Zu­sam­men­tref­fen »Stress ge­sucht«.

Vor Gericht steht ein 22-Jähriger, der nach einem erst verbal, dann mit den Fäusten ausgetragenen Streit seinen 18-jährigen Kontrahenten im Rossmarkt mit Messerstichen schwer verletzt haben soll. Der junge Mann schweigt bisher zu den Vorwürfen.
Gestern relativierten die Freunde des Verletzten ihre Anschuldigungen und rückten davon ab, dass der Angeklagte alleiniger Aggressor war: »Das war eine normale Schlägerei«, sagte ein 17-jähriger Freund des Niedergestochenen. »Sie wollten sich die Zähne einhauen«, sagte ein 18-Jähriger, der damals mit den beiden unterwegs war. Nach den aktuellen Aussagen hat der später Verletzte zuerst zugeschlagen und den Angeklagten niedergestreckt. Als er auf dem 22-Jährigen »drauf war«, habe dieser das Messer gezogen und zugestochen. Trotzdem habe der 18-Jährige weiter zugeschlagen.
Die Freunde geschützt?
Der zweite Begleiter des Verletzten kann sich heute nicht daran erinnern, am Neujahrsmorgen überhaupt ein Messer gesehen zu haben. Für den Vorsitzenden Richter Volker Büchs drängte sich der Verdacht auf, dass der junge Mann nach der Auseinandersetzung seine Freunde schützen und den Angeklagten belasten wollte.
Landgerichtsärztin Ulla Schäfer hatte beim Angeklagten keine Indizien dafür gefunden, dass dieser - wie er behauptet hatte - von dem später Niedergestochenen und dessen Freunden zusammengeschlagen und -getreten worden ist: Bei einem solchen Szenario hätte Schäfer bei ihm schwerere Verletzungen erwartet. Möglich sei aber, dass er einen einzelnen Schlag auf den Mund bekommen hat.
Für die Schnitte an der Hand des Angeklagten gibt es nach Angaben der Medizinerin mehrere Möglichkeiten: Die Hand könnte an der blutverschmierten Waffe abgerutscht sein, als diese auf einen Knochen prallte. Der Mann könnte sich aber auch beim Hinfallen geschnitten oder bei der Abwehr eines Messerangriffs verletzt haben.
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
wdr

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Aschaffenburg

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