Donnerstag, 30.07.2015

Am Geburtstag tödlich verunglückt

Verkehrsunfall: 67-Jährige stirbt um 14.40 Uhr am unbeschrankten Bahnübergang in der Alzenauer Wingertstraße

Alzenau Donnerstag, 25.04.2013 - 00:00 Uhr

Ges­tern Nach­mit­tag ist ei­ne 67-jäh­ri­ge Frau in Al­zenau töd­lich ver­un­glückt. Sie starb an ih­rem Ge­burts­tag. Die Alzenauerin wollte mit ihrem Renault Twingo in der Wingertstraße den unbeschrankten Bahnübergang passieren, als sie von einem Zug der Hessischen Landesbahn erfasst wurde und in Richtung des Alzenauer Bahnhofs geschoben wurde.


Bilderserie: Ralf Hettler

 Der Zug kam aus Fahrtrichtung Schöllkrippen und hatte Hanau zum Ziel. Rettungskräfte befreiten die Verunglückte, die aus Alzenau kommt, noch aus dem Autowrack, doch die Frau überlebte den Unfall nur wenige Minuten. Ihr Hund wurde verletzt aus dem Auto geholt und in ein Tierheim gebracht.
Der Bahnübergang gilt als einer der gefährlichsten entlang der Kahlgrundstrecke. Ein Anwohner sagt unserer Zeitung: »Das ist nun das vierte Mal seit 1976, dass sich hier ein schwerer Unfall ereignet hat.« Der Übergang liegt mitten im Wohngebiet, auch die Lichtsignale seien bei ungünstigem Einfall von Sonnenlicht nur schwer zu erkennen. Von Anliegern habe es in der Vergangenheit eine Initiative gegeben mit dem Ziel, halbseitige Schranken zu installieren, um die Sicherheit zu erhöhen. Doch dieser Vorstoß sei letztlich verpufft.
Wann und wie sich Alzenauer Anlieger an die Stadt mit dieser Forderung richteten, konnte der geschäftsleitende Beamte im Rathaus, Mathias Simon, gestern Nachmittag auf Anhieb nicht klären, ein solcher Vorgang sei ihm nicht gegenwärtig.
Dem Nahverkehrsbeauftragten des Landkreises Aschaffenburg, Karlheinz Betz, sind die Sorgen der Verkehrsteilnehmer durchaus bekannt. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie mühselig es ist, Verbesserungen zu erreichen. Das Problem: Alle Beteiligten (Straßenbesitzer, Bahn, Streckenbetreiber) müssen an einen Tisch - und sie müssen Geld in die Hand nehmen. Betz: »Will man einen beschrankten Bahnübergang mit voller technischer Sicherung, so kostet das 350 000 Euro.«
Betz hat im vergangenen Jahr begonnen, den Ist-Zustand zu erfassen. Auf der 23 Kilometer langen Strecke der Kahlgrundbahn gibt es 50 Bahnübergänge. 18 davon sind lediglich mit einem Andreaskreuz gesichert - ohne Lichtanlage, ohne Schranken. Karlheinz Betz: »Man muss sich wirklich fragen, ob es alle 400 Meter einen Bahnübergang geben muss.«
»Alle wollten einen Übergang«
Ein Umstand, der »von früher herrührt«, weiß Helmut Freudenberger, der als Leiter Technik und Einkauf der Kahlgrund-Verkehrsgesellschaft Schöllkrippen (KVG) auch für die In-frastruktur zuständig ist. Entlang der Strecke gab es viele Landwirte und andere Grundbesitzer, »alle wollten ihren Übergang« - und viele haben ihn bekommen. Karlheinz Betz hat vergangenes Jahr begonnen, die Kommunen für die Probleme zu sensibilisieren. Weniger und besser gesicherte Übergänge sind das Ziel. Er macht aber auch klar, dass der Übergang Alzenau-Wingertstraße auf einer Prioritätenliste gewiss nicht oben gestanden hätte. Mit Andreaskreuz und zusätzlicher Lichtanlage galt die Wingertstraße als vergleichsweise gut gesichert.
Am späten Nachmittag wurde die Technik überprüft. Zur Klärung des genauen Unfallhergangs kam auf Anordnung der Aschaffenburger Staatsanwaltschaft ein Sachverständiger an die Unfallstelle, der mit dem Bahnbetriebsleiter auch die Lichtanlage kontrolliert hat. Nach Informationen der KVG funktionierte die Lichtanlage einwandfrei. Michael Müller
 

Ort des Artikels

63755 Alzenau

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