Dienstag, 01.09.2015

Die vergessenen Samtpfoten

Tierliebe: Sabine Assauer hat zwei wildlebende Katzen aufgenommen - Auf Alzenauer Abrissgelände gefunden - Streuner sind auf Hilfe angewiesen

Alzenau Dienstag, 03.01.2012 - 00:00 Uhr

Vor­sich­tig und mis­s­trau­isch blit­zen zwei ge­heim­nis­voll grün leuch­ten­de Au­gen hin­ter dem So­fa her­vor. Le­on spitzt die Oh­ren und schaut den Be­such ein­dring­lich an. Dann huscht der schwar­ze Ka­ter sch­nell auf die an­de­re Sei­te des Zim­mers und ver­steckt sich im Kratz­baum. Frem­den ge­gen­über ist er skep­tisch.

Denn Leon war eine »wilde Katze« - er hat lange »draußen« gelebt, bevor Sabine Assauer ihn und eine getigerten Katze namens Sally von der Straße holte. Den Kontakt zu Menschen war der Kater nicht (mehr) gewohnt. Zusammen mit Sally und anderen verwilderten Artgenossen streunte er auf dem Abrissgelände in der Hanauer Straße in Alzenau umher.
Katzenbabys zufällig entdeckt
Erstmals aufgefallen sind Sabine Assauer die Tiere vor zwei Jahren. Auch heute treiben sich immer wieder Katzen dort herum. Allerdings sind sie sehr menschenscheu - man muss Glück haben, um welche zu sehen. Auf dem Heimweg vom Einkaufen kam Sabine Assauer damals am Gelände vorbei und entdeckte zufällig einige Katzenbabys.
Wenig später kam sie mit einem Tragekorb zurück, stellte ihn auf - und wartete. Es dauerte nicht lange, bis es sich drei Katzenbabys darin bequem machten. Assauer hatte Futter mitgebracht, und die Kleinen hatten Hunger. Später kam noch ein viertes dazu. »Plötzlich hatte ich vier Winzlinge daheim«, erinnert sie sich.
Zwei der Tiere konnte sie vermitteln. Die anderen beiden, Leon und Sally, hat sie behalten. Sabine Assauer hatte zwar schon immer ein Herz für Tiere: Igel, Vögel und Meerschweinchen hatte sie früher in ihrer Obhut. Aber Stubentiger waren ihr immer unheimlich. Bis sie die kleinen Katzen bei sich aufgenommen hat.
Unterschlupf und Futter
Eine ganze Weile hat es gedauert, bis sich die Tiere an die neue Umgebung und einen Menschen als Bezugsperson gewöhnt haben. Anstrengend war es auch. Aber die Geduld habe sich ausgezahlt, sagt Assauer. »Gerade der Kater ist sehr anhänglich und weiß oft gar nicht, wie er seine Zuneigung noch mehr ausdrücken soll«, schwärmt sie. »Er ist wie ein Kind, hat Respekt vor mir, aber keine Angst.«
Immer wieder schaut sie nach den wilden Katzen in der Hanauer Straße, bringt den Tieren Futter, bastelt Unterschlüpfe. Im vergangenen Winter hat sie den Katzen einen alten Kratzbaum gebracht. »Im Moment sind drei Katzen dort«, weiß sie. Die scheuen Tiere kennen Assauer schon, weil sie wissen, dass sie Fressen mitbringt. So gern sich Sabine Assauer um die Tiere kümmert, weiß sie aber auch, dass die wildlebenden Katzen ein Problem sind.
Sie kommen von überall her, sind ständig da - und ihre Zahl nimmt stetig zu. Mehrfach hat sich Assauer ans Tierheim gewandt. Denn die Katzen müssten zumindest kastriert werden, damit sie sich nicht weiter vermehren. »Aber die sagten, sie könnten nicht ständig ausrücken, um die Tiere einzufangen«, so die Katzenliebhaberin.
Neues Vertrauen aufbauen
So bleibt ihr der bescheidene Wunsch, dass die Menschen nicht wegsehen, wenn sie wilde Katzen sehen. Und dass möglichst viele Tiere ein Heim finden - auch die älteren Katzen. Bei denen ist es nämlich schwieriger als bei Jungtieren, sie an Menschen zu gewöhnen.
Aber es lohnt sich: »Wenn sie erst wieder Vertrauen gefunden haben, dann richtig«, sagt Sabine Assauer, die ihre beiden »Findelkatzen« nicht mehr missen möchte. Sie hofft, dass vielleicht mehr Tiere die Chance auf ein Zuhause bekommen. So wie Leon und Sally. Miriam Schnurr

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